Iraker lernt für den Führerschein

Abdullah Abod (22) will in Karben Elektroniker werden

Ohne Fleiß keinen Preis: Das ist Abdullah Abods Lebensmotto. Der 22-jährige Iraker lebt seit eineinhalb Jahren in Karben – und hat dort viel vor.

Konzentriert blickt Abdullah Abod auf das vor ihm aufgeschlagene Buch. Es ist bereits dunkel vor dem Fenster, doch an Feierabend ist für den 22-Jährigen noch nicht zu denken: Denn Abdullah ist fest entschlossen, in Karben Fuß zu fassen. Und das Lernen ist dafür ein wichtiger Baustein – ebenso wie die deutschen und arabischen Bücher, die sich vor ihm stapeln.

„Ich lerne jeden Tag neue Vokabeln“, erklärt Abdullah. Dafür liegen die Deutschbücher auf seinem kleinen Schreibtisch. Gleichzeitig lernt er für den deutschen Führerschein – in Arabisch. „Da sonst viele Fragen sehr kompliziert für mich sind, nehme ich hier das Angebot wahr, die Prüfung in meiner Muttersprache abzulegen.“

Lernen bis spätabends

Seit rund eineinhalb Jahren lebt Abdullah in Karben, mittlerweile hat er ein kleines Einzelzimmer in einer Unterkunft. Dort kann er ganz ungestört bis in die Abendstunden lernen. Und: „Ich stehe für meine Arbeit früh auf, so muss ich niemanden wecken.“ Denn seit Anfang des Jahres arbeitet der Iraker bei Elektro-Rothenbücher in Kloppenheim.

Die Arbeit ist für Abdullah ein wichtiger Schlüssel zur eigenen Integration. „Ich fühle mich gebraucht, ich lerne neue Wörter und neue Menschen kennen. Das tut mir jeden Tag aufs Neue gut“, erzählt er. Nach einem ersten Praktikum hat Abdullah eine Vollzeit-Anstellung bei Jürgen Rothenbücher angetreten, nun hofft er auf eine Ausbildungsstelle im Herbst. Bei seiner vorherigen Arbeitsstelle – ebenfalls ein Elektrounternehmen aus der Stadt – wurde Abdullah gekündigt, es habe Sprachschwierigkeiten gegeben. „Da war ich sehr traurig.“

Beistand und Hilfe bei der Neuorientierung hat Flüchtlingspate Jürgen Werner gegeben. Der Bad Vilbeler war lange Jahre im Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank tätig, hat deutsche Mittelständler bei der Geldanlage beraten und gibt heute sein Wissen an Flüchtlinge weiter, die in Karben Fuß fassen wollen (die FNP berichtete).

Auch dank seiner Kontakte konnte der Pate und „Berufsberater“ Abdullah aus dem Loch holen, in das er Ende November aufgrund des beendeten Arbeitsverhältnisses zwischenzeitlich gefallen war. „Ich hatte noch den Kontakt zu Jürgen Rothenbücher“, erzählt Werner. „Er war schon in der Vergangenheit auf die Flüchtlingshilfe zugekommen, weil er eine Ausbildungsstelle zu vergeben hatte. Damals war das nicht der Fall, aber jetzt habe ich natürlich sofort an ihn gedacht.“

Perspektive Ausbildung

Werner hat Abdullah und die Firma Elektro-Rothenbücher zusammengeführt – und damit für beide ein Problem gelöst. Denn Abdullah besetzt möglicherweise eine Ausbildungsstelle, die viele deutsche Jugendliche bei einem Monatsgehalt von rund 320 Euro nicht mehr antreten wollen. Gleichzeitig hat er eine neue Aufgabe: Abdullah verdient aktuell leicht über dem Mindestlohn – und hat eine Perspektive auf eine Ausbildung. „Dass mein Gehalt mit der Ausbildung wieder weniger wird, macht mir nichts aus. Ich weiß, wie wichtig es ist, eine Ausbildung zu machen“, erzählt der 22-Jährige.

Abdullah weiß, dass er auch als Elektrohelfer in Vollzeit angestellt bleiben könnte. „Aber ich möchte Elektriker sein, und dafür lebe ich dann erst einmal ein paar Jahre sparsam.“ Schon in seiner Heimat hat Abdullah Elektrotechnik gelernt, und wollte nach der zweijährigen Ausbildung in Bagdad eigentlich studieren. „Doch dann kam der Krieg.“

Daher macht ihm nicht so sehr das Inhaltliche, sondern vielmehr die Fachbegriffe in deutscher Sprache zu schaffen. Doch auch hier hilft Jürgen Werner: in dem er durch Nachhilfeangebote schleust. „Das Angebot an Förderungen und Programmen ist so groß und unübersichtlich, da müssen wir uns auch immer wieder neu informieren“, erklärt er.

Aktuell besucht Abdullah einen Abendkurs, um seine Sprachkenntnisse aufzupolieren. Jeden Abend von 18 bis 21 Uhr geht es nach der Arbeit zum Deutschkurs. „Natürlich ist das anstrengend“, sagt Abdullah, „gerade in Verbindung mit dem Lernen für den Führerschein. Aber ich gebe jetzt sechs Monate Vollgas, und dann habe ich große Schritte geschafft.“

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