Bürgermeister will reagieren

Alterswohnsitz? Fehlanzeige! - Eheleute finden keinen Platz in Wohnanlage

Ebenerdig, mit ausreichend Platz für den Rollator und Arzt und Kantine um die Ecke: Im Alter zieht es viele in ein betreutes Wohnangebot. In Karben fehlt dieses jedoch bislang. Das Ehepaar Mai musste dies nun schmerzlich erfahren – und will aufgrund der eigenen Erfahrung wachrütteln.

Das Problem ist die Treppe: Steil, gewunden, nur mit einem instabilen Handlauf ausgestattet führen die steinernen Stufen in das Obergeschoss, wo sich mit den Wohn- und Schlafräumen die wichtigsten Zimmer des Hauses befinden.

„Ich schaffe das noch, aber meine Frau hat beim Treppensteigen immer mehr Probleme“, sagt Wolf-Erhard Mai. Ein Treppenlift ist für ihn aber eine zu kurzfristig gedachte Idee. „Wir brauchen eine neue Wohnung, in der wir gemeinsam unseren Lebensabend verbringen.“

Seine Frau Inge und er hätten schon vor einiger Zeit entschieden, dass sie zu gegebener Zeit ihr Einfamilienhaus mitten in Burg-Gräfenrode verkaufen und mit dem Erlös in ein Seniorenheim mit betreutem Wohnen wechseln, erzählt Mai. Für ihn ist wichtig, damit auch im Todesfall für den anderen Partner vorgesorgt zu haben.

Doch nun, als der Zeitpunkt gekommen war, standen der 80-jährige Karbener und seine ein Jahr jüngere Frau vor einem Problem: Denn die beiden Altenpflegeeinrichtungen in Karben – das Altenzentrum des Arbeiter-Samariter-Bundes in Groß-Karben und das Johanniter-Stift in Klein-Karben – bieten kein solches Angebot. Also begannen die beiden, sich in der Region umzuschauen. „Wir wohnen seit über 40 Jahren in Karben“, erzählt Mai. „Natürlich würden wir da gern so nah wie möglich dran bleiben.“ Auf der Suche nach einer barrierefreien Wohnung mit zubuchbaren Serviceleistungen für Senioren haben sich die beiden auch umliegende Städte angeschaut, etwa Bad Vilbel oder gar Bad Soden. „Aber es ist alles belegt“, sagt Mai kopfschüttelnd.

In ihrer Not haben sich die beiden an Bürgermeister Guido Rahn (CDU) gewendet. Helfen kann der Rathauschef allerdings nicht, weil es in der Stadt einfach keine solchen Angebote gibt. „Servicewohnen – so etwas fehlt in Karben noch“, sagt er und gesteht ein: „Da gibt es einen Riesenbedarf.“ Wie groß der ist, weiß aber niemand.

Das wollen Rahn und Mai ändern: Mit einem Fragebogen soll der Bedarf konkreter ermittelt werden – auch hinsichtlich der Raumgestaltung. Denn auch bei der Frage nach der Architektur stieß der Rentner auf Überraschungen: Daheim schlafen die Eheleute aus Komfortgründen getrennt – was auch bei anderen Paaren üblich ist. „Die betreuten Wohnangebote sind darauf aber nicht ausgelegt. Entweder gibt es Doppelbetten oder Einzelzimmer“, weiß er nach dem Anfordern verschiedener Angebote.

Guido Rahn hat zugesagt, das Thema und die Ergebnisse der Befragung aufzugreifen und, wenn alles klappt, im nächsten zur Realisierung anstehenden Baugebiet umsetzen. „Es ergibt Sinn, so etwas bei der Ausschreibung für das Brunnenquartier zu berücksichtigen.“ Das Brunnenquartier soll zwischen Brunnenstraße und den Häusern der Luisenthaler Straße im Stadtzentrum entstehen und in den nächsten Jahren die Stadtmitte komplettieren.

Die Politik könne bei der Ausweisung des Quartiers Vorgaben machen, dass ein Investor dort eines oder mehrere Häuser für betreutes Wohnen vorsehen muss, erläutert Rahn. Um zu ergründen, wie groß die Nachfrage ist, bittet der Bürgermeister interessierte Senioren auch um direkte Rückmeldung an ihn oder sein Büro im Rathaus.

Genau hierauf zielt Mais Engagement in der Politik ab: Er will nicht rebellieren oder aus der eigenen Not heraus einen Präzedenzfall machen. „Ich will andere dazu motivieren, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen“, betont er. „Damit es ihnen eben nicht so geht wie uns.“ Sich mit den Fragen „Wo und wie will ich im Alter leben?“ erst dann auseinanderzusetzen, wenn das Alter bereits erreicht ist, ist zu spät, wissen Mais heute.

Für die Eheleute selbst zeichnet sich dabei noch keine Lösung ab. „Selbst wenn die Stadt bauen würde, würde es noch zwei Jahre dauern, bis ein Angebot vorhanden ist.“ Gemeinsam überlegen sie nun, was die nächsten Schritte auf dem Weg zum geeigneten Alterswohnsitz sind. Auch wenn diese zunächst weiter über ihre Treppe führen.

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