Groß-Karben

Anwohner leiden nach Eröffnung der Nordumgehung unter mehr Lärm

Wer in der Lindenstraße oder in der Assenheimer Straße in Groß-Karben wohnt, muss mit Verkehrslärm leben. Die Nordumgehung hat zwar einen Schutzwall erhalten. Doch für die Anwohner hat das kaum Verbesserungen gebracht. Für den Lärm gibt es nämlich eine andere Ursache.

Wenn Lüdger Grünewald und seine Frau im Garten sitzen, haben sie keine rechte Freude mehr. „Es ist sehr laut geworden“, klagt er. „Vor allem der Lärm durch Motorradfahrer hat stark zugenommen. Die drehen richtig auf.“

Nahe den Grünewalds verläuft die Nordumgehung. Die Straße war heftig umstritten. Grünewald war lange Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet die Nidda-Aue“. Die Kämpfer gegen die Straße hatten vor allem eine Befürchtung: mehr Verkehrslärm. Sie erreichten, dass ein längerer Lärmschutzwall gebaut wird, als er gesetzlich nötig wäre.

Inzwischen ist der Lärmschutz-Erdwall, auf dem einige Bäume gepflanzt worden sind, komplett zugewuchert. Disteln sprießen auf allen Seiten, gepflegt sieht das Ganze nicht aus. „Dabei war in dem Vergleich mit der Stadt vereinbart worden, dass der Wall ordentlich bepflanzt wird. Darauf warten wir noch“, kritisiert Grünewald.

Doch die fehlende Bepflanzung ist nur ein Problem, dazu das kleinere. Viel schwerer wiegt, dass die Grünewalds und die anderen Bewohner von Lindenstraße und Assenheimer Straße keine Ruhe mehr haben. „Es ist hier extrem laut geworden. Vor dem Bau der Umgehung war es ruhiger als jetzt“, haben sie festgestellt.

Das überrascht insofern, als dass gerade die Angst der Anwohner bestand, durch die Umgehungsstraße selbst könnte es lauter werden. Doch für den zugenommenen Lärm machen die Anlieger eine ganz andere Straße verantwortlich. Nämlich den kurzen Abschnitt der Burg-Gräfenröder Straße zwischen Kreisverkehr und der Ortseinfahrt. „Die Straße verläuft schnurgerade. Da drehen alle mächtig auf.“

Dies funktioniere auch deshalb, „weil es hier anscheinend keine Kontrollen gibt. Zudem wissen inzwischen alle, dass die stationären Blitzer nicht mehr bestückt sind.“

Der Stadt sind die Klagen über zunehmenden Verkehrslärm bekannt. Deshalb hatte sie einen Sachverständigen für Schalltechnik mit einem Gutachten beauftragt. Ergebnis: Die gemessenen Werte von 51 Dezibel am Tag und 42 Dezibel in der Nacht sind weit unterhalb der zulässigen Grenzwerte, die die Bundesimmissionsschutzverordnung festlegt. Dort stehen 59 Dezibel tags und 49 nachts als Grenzwerte.

Erst bei deren Erreichen müssen zusätzliche Schallschutzmaßnahmen ergriffen werden. Der Gutachter hat hineingeschrieben, dass für eine Erhöhung um drei Dezibel eine Verdoppelung des Verkehrsaufkommens zu Grunde liegen müsse.

Das bedeutet: Um nur in die Nähe des gesetzlichen Grenzwertes zu kommen, müsste sich der Verkehr auf der Nordumgehung sogar vervierfachen. Das zu erreichen, dürfte schwierig werden. War es das also mit zusätzlichem Schallschutz?

Noch nicht ganz, denn die Stadt hat in einer Versammlung mit Anwohnern abgestimmt, der Gutachter solle zunächst berechnen, „mit welchen weiteren Maßnahmen eine weitere Reduzierung der Geräuschimmissionen erreicht werden kann“, erklärte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) in der August-Sitzung des Stadtparlaments.

Deshalb denkt man im Rathaus über ein Tempolimit auf der Nordumgehung nach und hat es auch beantragt. Ob es kommt, ist fraglich. Dies hängt laut Straßenbehörde „Hessen Mobil“ von der durchschnittlichen täglichen Verkehrsbelastung ab. Aktuell habe man noch keine Daten dazu.

Die Anwohner haben eine andere Idee: Kontrollen durch die Stadtpolizei zwischen Kreisverkehr und Ortseingang, „und zwar in beide Richtungen“. Lüdger Grünewald: „Auf der kerzengeraden Strecke muss endlich gemessen werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare