Bundesstraßen-Umgehung

B3-Ausbau in Karben: Es bewegt sich was

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Kommt Bewegung in die verfahrene Situation zum B3-Ausbau in Karben? Es gibt zarte Anzeichen, dass sich die Parteien in der Stadt aufeinander zu bewegen. Doch selbst wenn sich die Karbener einmal einig werden: Damit ist der gordische Knoten wohl noch immer nicht durchschlagen.

Dezember dürfte mit der Nordumgehung ein Jahrhundertvorhaben in Karben Realität sein. 50 Jahre werden dann seit den ersten konkreten Ideen für eine Nordtangente vergangen sein.

Ein zweites Projekt rückt dann als alleiniger Spitzenreiter an Position eins der unerledigten Verkehrsbauprojekte in Karben: der Ausbau der Bundesstraße B3. Eine Lösung hier aber scheint in weiter Ferne.

SPD überdenkt Position

Sie ist in einem gordischen Knoten gefangen: Die Lieblingsvariante der Stadt, eine möglichst geradlinige Streckenführung, lehnt der Bund als Geldgeber ab. Dessen Vorzugsvariante in S-Form – östlich ums Berufsbildungswerk herum und mit einer engen westlichen Umfahrung des Okarbener Wohngebietes Straßberg – lehnt die Stadt ab.

„Die Stadt“ entspricht seit zehn Jahren der Parlamentsmehrheit aus CDU, Freien Wählern und FDP. Die SPD dagegen hat in den vergangenen Jahren stets die Idee des Bundes favorisiert. Kein Wunder, hatte die letzte SPD-Regierung unter Bürgermeister Roland Schulz und mit rot-grüner Parlamentsmehrheit just diese Variante angeschoben.

Mit einem Wechsel an der Parteispitze deutet sich bei den Sozialdemokraten nun allerdings ein Umdenken an. „Die Fragen, die die SPD zu ihrem seinerzeitigen Verhalten bewogen haben, müssen heute noch einmal neu aufgeworfen werden“, erklärte der neue Parteichef Jürgen Bothner vorvergangene Woche im Interview in der FNP. „Im Zweifelsfall gibt’s heute neue Antworten darauf.“ Die Rahmenbedingungen hätten sich binnen 20 Jahren ja geändert.

Wie sich die SPD nun zum B3-Ausbau aufstellt, ist freilich noch nicht klar. Dennoch lässt Bothners Aussage den politischen Gegner aufhorchen. „In der Sache haben wir keinen großen Unterschied zur SPD“, ist Mario Beck überzeugt. Er führt die Karbener CDU und ihre Fraktion im Stadtparlament, die seit März dort eine absolute Mehrheit hat.

Gesprochen haben Beck und Bothner schon. Beck sieht weitere Anzeichen für eine offenere Arbeit mit der größten Oppositionspartei. „In den vergangenen Monaten haben wir viele alte Frontstellungen aufgebrochen“, so der CDU-Chef. „In Sachthemen kommen wir n vielen Punkten gut miteinander aus.“

Aber auch beim B 3-Streit? Dafür verabschiedet sich der CDU-Chef nun sogar von einem alten Mantra: Eine „kerzengerade“ Strecke, wie sie die Karbener vor 20 Jahren auch per Bürgerentscheid absegneten, sei zwar „die beste, aber unrealistisch“, sagt Beck. Zu groß seien die Widerstände dagegen, zu erheblich würde der Eingriff in die Natur.

Stattdessen setzt der Christdemokrat auf Pragmatismus: Am wichtigsten sei, dass die B 3 zwischen Bad Vilbel und Karben vierspurig werde, um die steigenden Verkehrsmengen zu bewältigen. Auf Karbener Gebiet setzt Mario Beck auf zwei Teilausbauten: Von ihrem heutigen Ausbauende bei Kloppenheim am Abzweig nach Bad Homburg solle die B 3 zweispurig in einer Kurve Richtung Osten verlängert werden. Diese Strecke mündet dann am Berufsbildungswerk Südhessen an der Kreuzung der heutigen B 3 mit der Nordumgehung.

Für Okarben sei eine enge Umfahrung wegen des Widerstands der Anwohner nicht realisierbar, erinnert der CDU-Vorsitzende. Deshalb gebe es hier keine Alternative zu einer möglichst weiträumigen Umfahrung des Straßbergs. 2014 hatte der Bund auf Bitten der Karbener bereits eine erneute Prüfung der Straßberg-Lösung angekündigt.

Ob dem Bund ein solcher Kompromiss gefiele? Schließlich ist die B 3 in Bad Nauheim, Friedberg und Wöllstadt komplett als Umgehung entstanden. In Karben aber würde sie zwischen dem Berufsbildungswerk und Okarben die alte Trasse weiter nutzen – und der Durchgangsverkehr müsste wenigstens vier Ampelkreuzungen passieren.

„Auf den Ausbaustrecken gibt es doch heute auch schon viele Ampeln“, sieht Mario Beck darin kein Hemmnis. „Schauen Sie doch nur einmal nach Friedberg.“ Über die Kreuzung mit der Nordumgehung könnte der Verkehr auf der dann abknickenden B 3 mehrspurig laufen, falls das nötig sei. Wie das gut funktioniere, zeige die Kreuzung der B 3 mit der B 455 zwischen Friedberg und Bad Nauheim.

Warten auf Basis-Daten

Ganz im Wetterauer Süden könnte nach Einschätzung von Mario Beck unter Nutzung des kurzen Stücks alter B 3 der Ausbau aus einem Guss von Okarben bis Bad Vilbel gelingen. „Die wesentlichen Probleme sind damit gelöst.“ Allerdings: Mit den Planern des Landes und den Geldgebern in Berlin einig zu werden, räumt der CDU-Chef ein, „das wird nicht einfach“.

Ob diese Lösung überhaupt für künftige Verkehrsmengen ausreicht, ist aber offen. Um das überprüfen zu können, wartet man im Karbener Rathaus auf die Ergebnisse ausführlicher Verkehrszählungen des Landesstraßenverwaltung Hessen Mobil aus dem Jahr 2014.

Die Daten waren für diesen Sommer erwartet worden, danach wollte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) mit den Politikern diskutieren. Im Herbst sollte das Stadtparlament eine Grundsatzentscheidung fällen. Bloß: Bisher warte man noch immer auf die Daten von Hessen Mobil, sagt der Bürgermeister.

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