100 Sozialwohnungen geplant

Balkone, Keller und Aufzüge weglassen

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Abgespecktes Bauen könnte in Karben günstigere Mieten in Neubauten ermöglichen. Das ist eine der Überlegungen, die die Stadtregierung von Bürgermeister Guido Rahn (CDU) in die anstehende Planung für verstärkten Wohnungsbau einbringen möchte.

„Natürlich macht der Magistrat dazu Vorschläge“, kündigt Rahn an. Das hatten die Grünen zuletzt gefordert. Letztlich hatten CDU, Freie Wähler und FDP in der jüngsten Parlamentssitzung aber nur beschlossen, dass sich die Stadtverordneten alleine Gedanken über ein Konzept machen sollen. Hintergrund war die Forderung des Linken-Stadtverordneten Karlheinz Hofmann, die Stadt solle binnen drei Jahren für zehn Millionen Euro 100 Sozialwohnungen bauen.

Die gesamte Baulandreserve wäre damit aufgebraucht, die die Stadt für Investitionen in Kindergärten, Wege, Vereine nutzen wolle, hatte Bürgermeister Rahn gewarnt (die FNP berichtete). Das Parlament schmetterte die Forderung daraufhin auch sonst einmütig ab.

Als nächstes werden daher nun die Stadtverordneten ihr Konzept ausarbeiten, wie Karben in den nächsten Jahren verstärkt zu günstigem Wohnraum kommen könne. „Wir werden Alternativen aufzeigen“, kündigt Erster Stadtrat Otmar Stein (CDU) an. Angesichts recht hoher Baulandpreise müsse eben „mit vermindertem Standard“ gebaut werden, sollten die Kosten der Wohnungen und damit die Mieten geringer ausfallen.

„Zum Beispiel kann man Balkone weglassen, Aufzüge, Keller oder Tiefgaragen.“ Im Gegenzug müssten dann natürlich Kompromisse gemacht werden: Parkten beispielsweise Autos nicht unterirdisch, müsse eben oberirdisch Platz für sie geschaffen oder ein verstärktes Parken an der Straße in Kauf genommen werden, erklärt Stein. Außerdem stelle sich die Frage der Standorte, so Rahn. „Man muss so etwas ja nicht auf den teuersten Grundstücken in der Stadt im Stadtzentrum machen.“

Andererseits sei wichtig, dass man keine sozialen Ghettos schaffe. Auch müsse die Bebauung mit einem großen Mehrfamilienhaus in eine Umgebung passen. Für das Baugebiet Sohlweg II in Burg-Gräfenrode zum Beispiel meldet Stein da so seine Zweifel an.

„Wir müssen eine Mischung hinbekommen.“ Außerdem müsse geprüft werden, an welcher Stelle wie schnell gebaut werden kann. Denn weitere Baugebiete seien derzeit nicht weit genug gediehen. „Wir müssen schauen, wo Baulücken und Grundstücke zur Verfügung stehen“, sagt Otmar Stein. Außerdem fordert der Bürgermeister von den Parlamentariern eine Definition, was unter bezahlbarem Wohnraum zu verstehen sei.

Nur mit dieser Vorgabe könne die Stadt dann Projekte konkret kalkulieren. Aktuell zahle der Kreis über Hartz IV für Ein-Zimmer-Wohnungen bis zu 375 Euro Kaltmiete. Dass auch Investoren tätig werden, wie die Grünen vorschlagen, sieht Rahn als positiv an.

Standardisierte Bauten sieht er als mögliche Lösung an. Doch warnt der Rathauschef vor zu hohen Erwartungen. Selbst beim aktuellen Großprojekt der städtischen Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG in Friedberg entstehe recht teurer Wohnraum.

Die Mieten liegen dort bei 9,50 Euro pro Quadratmeter in den 115 Wohnungen. „Für Frankfurter Verhältnisse mag das günstig sein“, räumt Rahn ein. „Aber wir sprechen über weniger.“

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