Flüchtlingspate

Beim Weg ins neue Leben helfen

Während einige sich im Ruhestand langweilen, hat der Karbener Roland Staub eine neue Aufgabe gefunden: Er hat begonnen, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Nach fast drei Jahren weiß er heute ganz genau, worauf es ankommt.

Begonnen hat alles mit einem Zeitungsbericht. „Da habe ich von meinem Nachbarn gelesen, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert“, erinnert sich Roland Staub. Das war 2014. Staub, der heute 66 Jahre alt ist, hatte gerade aufgehört zu arbeiten. Nach wenigen Monaten Abstand vom Arbeitsleben war der frühere kaufmännische Leiter einer Unternehmensberatung auf der Suche nach einer neuen Aufgabe.

„Also habe ich meinen Nachbarn angerufen und ihn gefragt“, erzählt er. Es war also ein Stück weit Schicksal – oder gutes Timing –, dass Staub den Weg in die Flüchtlingshilfe gefunden hat. Heute ist Staub einer von rund 30 Flüchtlingspaten in Karben. Anfangs hat Staub Deutschkurse gegeben. „Damals gab es noch nicht die organisierten Kurse, die es jetzt gibt“, erklärt Staub. Er habe alltagsnah unterrichtet: Das Lehrbuch war zweitrangig, Spaß und alltägliche Konversation standen im Vordergrund.

Bei Fragen helfen

„Ich habe auch mal mit einem Aldi-Prospekt gelehrt“, sagt er schmunzelnd. Besonders in Erinnerung geblieben ist ein ganz spezieller Kurs: Ein halbes Dutzend Frauen, die meisten mit Kindern, haben da Deutsch gelernt – eine Besonderheit, genießt die Ausbildung der Frau in der Heimat doch oft keine hohe Priorität.

Für Staubs weiteres Engagement war der Deutschkurs prägend: Hier hat er Soher kennengelernt. Seit Juni geht die 35-Jährige, die vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen ist, wie viele andere der früheren Schülerinnen zwar in Kloppenheim in einen Deutschkurs. Doch Staub steht ihr immer noch zur Seite: als Flüchtlingspate. „Vor allem wenn Briefe ankommen, ist er eine wichtige Hilfe“, erklärt sie. Ganz gleich, ob Behördendokument, Fernsehanschluss oder Krankheit: Staub ist da, um auf dem Weg in das neue Leben zu unterstützen.

Kontakt selbst gestalten

Das ist mal eine Übersetzung, mal ganz tatkräftige Hilfe – wie beim Umzug. Denn Soher lebt mittlerweile mit ihrem Sohn Kenan (5) in einer kleinen Wohnung in Groß-Karben. „Die Möbel haben wir über Kleinanzeigenportale zusammengesammelt, mit dem Transporter von Philipp von Leonhardi haben wir den Umzug gemacht“, erzählt Staub. Die Stühle stammen von seiner geschiedenen Frau.

Nach Jahren des Engagements weiß Staub, worauf es im Kontakt ankommt. „Man muss aufpassen, dass man sich nicht völlig vereinnahmen lässt“, meint er. Vielen Paten werde es mit der Zeit zu viel, etwa aus Krankheitsgründen, aber auch weil klare Grenzen fehlten.

Aber genau das sei das Schöne an der neuen Aufgabe: Als Flüchtlingspate könne jeder den Kontakt so gestalten, wie es für das Duo am besten passt. Bei ihm ist das eher unregelmäßig, meist meldet sich Soher per WhatsApp oder telefonisch, wenn sie eine Frage hat. Andere treffen sich wöchentlich.

Staub würde sich wünschen, dass sich mehr Karbener für eine Tätigkeit als Pate begeistern ließen. Denn aus eigener Erfahrung weiß er, dass man viel zurückbekommt: „Die Flüchtlinge sind so dankbar“, sagt Staub. Die Aufgaben seien übersichtlich, inhaltlich meist nicht kompliziert – doch der Kontakt zu den Menschen bereichere. „Und: Ich wurde noch nie enttäuscht. Das ist wichtig. Es gibt so viele Vorurteile, doch wenn man sich selber mal einbringt, merkt man schnell, dass diese falsch sind.“

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