Neubauprojekte

Beim Wohnungsbau mehr Gas geben

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In Karben könnten schon bald deutlich mehr Wohnungen neu gebaut werden. Die politischen Kräfte steuern dafür auf eine neue große Einigkeit hin. Die könnte es heute Abend geben.

Kalt mag es ja sein dieser Tage. Dennoch dringt der Lärm von Bohrern aus den Rohbauten der bisher zwei Mehrfamilienhäuser an der Waldhohl in Groß-Karben, direkt neben der Kurt-Schumacher-Schule. Tapfer kämpft sich der Bagger durch den zumindest morgens oberflächlich gefrorenen Boden.

Die Stadt selbst ist Bauherrin der zwei großen Blöcke. Es ist mit zehn Millionen Euro das bisher mit Abstand größte Projekt für die städtische Wohnungsbaugesellschaft. Und es zeigt der GmbH in kommunaler Hand auch ihre Grenzen auf.

Doch will die Politik noch mehr kommunalen Wohnungsbau, nicht weniger. „Dafür benötigen wir einen Partner, der Know-how und Kapital mitbringt“, sagt CDU-Fraktionschef Mario Beck. Seine Fraktion will die Regierung von Bürgermeister Guido Rahn (CDU) beauftragen, auf Partnersuche für neue Wohnungsbauprojekte zu gehen.

Heute soll das Stadtparlament dies beschließen – und es deutet sich eine breite Mehrheit an. Freie Wähler, FDP, Grüne und SPD finden die Richtung gut. Doch gibt es noch Redebedarf, wie in der Vorbereitungssitzung für die Parlamentsdebatte klar geworden ist. „Wir hätten schon 2013 haben können, was sie heute fordern“, kritisiert SPD-Fraktionschef Thomas Görlich die CDU. Damals habe seine Fraktion das beantragt, die CDU-Mehrheit aber abgelehnt. „Wir könnten schon fünf Jahren weiter sein“, ärgert sich Görlich. Immerhin bewegten sich die Christdemokraten aber jetzt.

„In den vergangenen fünf Jahren ist richtig viel passiert beim Wohnungsbau in Karben“, widerspricht der Bürgermeister. Er verweist auf die Projekte in der Luisenthaler Straße, am Kaicher Weg in Burg-Gräfenrode und an der Waldhohl.

Das sei auch kein Paradigmenwechsel bei der CDU, wie es die Frankfurter Neue Presse kommentiert habe, betont Mario Beck. „Schon mit Beginn der Tätigkeit von Otmar Stein wurde die Wohnungsbaugesellschaft von der reinen Wohnungsverwaltung auf den Wohnungsbau umgestellt.“ Nun werde der Schwerpunkt noch stärker in diese Richtung verschoben.

Gemeinnützige Wohnungsbauer wie die Nassauische Heimstätte oder große Kommunale wie die Frankfurter ABG nennt Beck als mögliche Partner. Ihnen gegenüber wolle Karben selbstbewusst auftreten. „Wir wollen Partner auf Augenhöhe sein, mindestens Fünfzig-fünfzig.“ Schließlich bringe die Stadt mindestens die Grundstücke ein.

Das gelte auch für den Fall, dass die Stadt beim kreisweiten Wohnungsbau-Zweckverband mitmache, den der frühere Landrat Joachim Arnold (SPD) angestoßen hatte, ergänzt Guido Rahn. Ein Einstieg der Stadt hänge aber davon ab, dass ihre Interessen ordentlich untergebracht werden könnten.

Für konkrete Projekte hat die CDU die restlichen Flächen in der Innenstadt im Blick, nördlich der Bahnhofstraße zwischen Brunnen- und Luisenthaler Straße. Auch kleinere Projekte, zum Beispiel in Klein-Karben, seien für so etwas geeignet, merkt der Bürgermeister an. Dort habe die Stadt gerade innerorts drei Häuser gekauft: „Günstige Wohnungen müssen ja nicht immer Neubau-Erstbezug sein in Feldrandlage und S-Bahn-Nähe.“

Wichtig sei es aber, noch konkretere Zielvorgaben zu machen, als die CDU will, findet Grünen-Fraktionschef Rainer Knak. Mindestens 20 Prozent Sozialwohnungen fordert er daher sowie dass 80 Prozent der übrigen Wohnungen im Mietzins günstiger sein müssten als der stadtweite Durchschnitt. Außerdem sollten die Bauten über dem energetischen Standard liegen und die Stadt das Schaffen von Wohneigentum nicht als Ziel haben.

Vor noch strengeren Bauvorgaben warnt Mario Beck. Das verteuere das Bauen „und es läuft unserem Ziel entgegen, günstigen Wohnraum zu schaffen“. Das generelle Nein zum Schaffen von Wohneigentum mag er ebenso wenig festschreiben, um Kombiprojekte wie das an der Waldhohl weiter möglich zu machen. Dort wird die Wobau die Wohnungen in einem der Neubauten verkaufen. Damit wird der Bau des anderen Hauses, indem günstige Mietwohnungen entstehen, teils quersubventioniert. Mit einer Quote an Sozialwohnungen aber „können wir leben“, räumt Mario Beck ein. Er will diese nur etwas weicher als Untergrenze formulieren, um projektbezogen Flexibilität zu erhalten.

Womit der Weg frei sein dürfte, dass heute eine sehr breite Mehrheit Grünes Licht für die Partnersuche gibt. Und damit einen Schub für den Wohnungsbau in Karben.

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