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Während in der Kirche noch gesungen wird, bringen die jugendlichen Flüchtlinge und ihre Betreuer das von ihnen zubereitete Essen in die Kirche (von links): Osmann, Studentin Doreen Weber und Hussein.

25 Gotteshäuser öffnen bei „Nacht der Kirchen“ in der Wetterau

Bestens bewirtet von jungen Flüchtlingen

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Zu Gebet und Mitsingen von Taizé-Liedern hat die Evangelische Gemeinde Petterweil eingeladen. Sie war eine von 25 Kirchen in der westlichen Wetterau, die am Freitag bei der „Nacht der Kirchen“ bis spät in die Nacht offen blieben.

Die dicken Mauern der Martinskirche halten Hitze und Straßenlärm fern. Im dämmerigen Licht des Übergangs von Tag zu Nacht sitzen ein gutes Dutzend Männer und Frauen im Kreis und stimmen das Lied „Laudate omnes gentes“ an.

„Lobet Gott Ihr Völker. Gottes Liebe hat kein Ende“, heißt es auf Deutsch. Es ist wetterauweit die „Nacht der Kirchen“ und die Evangelische Gemeinde Petterweil hat zum mehrstimmigen Singen von Taizé-Liedern eingeladen.

„Wir singen erst den deutschen Liedtext, der ist uns vertrauter, dann den lateinischen“, erklärt Pfarrer Michael Neugber. Die Lieder, die an diesem Abend gesungen werden, stammen aus dem Liederschatz der Gemeinschaft von Taizé, dem internationalen ökumenischen Männerorden in dem französischen Ort.

Die Menschen im Stuhlkreis gehen offen und vertraut miteinander um. Es wird gelacht und zwischendrin etwas erzählt, dann greift Pfarrer Neugber wieder in die Tasten des Keyboards. Später löst ihn Organistin Rike Golla ab, die bei den Gottesdiensten auch die Orgel spielt.

Mittlerweile sind die Jugendlichen aus der Villa Gemini in Dortelweil fertig mit der Zubereitung des Essens. Osman, Hussein, Mustafa und Khairollah, vier minderjährige Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan und Syrien. Sie haben in der Jugendhilfeeinrichtung Villa Gemini des Karbener Berufsbildungswerks Südhessen im Nachbarort ein Zuhause gefunden haben. „Helfen ist gut“ erklärt Hussein die Bereitschaft, in der „Nacht der Kirchen“ für die gastfreundliche Bewirtung in einem christlichen Gotteshaus zu sorgen.

Studentin Doreen Weber, die in der Villa Gemini arbeitet, hat den Kontakt zu Petterweils Protestanten hergestellt. Dem duftenden, leckeren Essen kann keiner der Kirchenbesucher widerstehen. Khairollah (17) füllt Reis mit einer würzigen Zugabe aus Fleisch, Gemüse und Rosinen auf die Teller.

Die Jugendlichen haben in der Gemeindeküche außerdem Baklava und Reiskuchen zubereitet, Spezialitäten aus ihren Heimatländern. Nur Mitessen dürfen die Jugendlichen noch nicht. Als Muslime schreibt ihnen ihr Glaube vor, im Fastenmonat Ramadan erst nach Sonnenuntergang ihren Hunger zu stillen.

„Ich singe gerne und bin gekommen, um mit meiner Stimme den Taizé-Gesang zu verstärken“, sagt Thomas Schrage, Mitglied der benachbarten katholischen Gemeinde Sankt Bardo. Aus Bad Vilbel ist das Ehepaar Strack gekommen. „Es ist hier immer eine sehr schöne Atmosphäre“, sagt Anna Elisabeth Strack.

Zufrieden über den Zuspruch zur „Nacht der Kirchen“ ist Pfarrer Neugber. „Wir haben jetzt schon zur Andacht und zum Singen einen sehr schönen Kreis an Teilnehmern gehabt und der Abend hat erst angefangen“, sagt er. Einige Besuchern verabschieden sich nach dem Essen.

„Wir wollen nach Groß-Karben in die Kirche“, sagt Ingrid Wheelhouse. Als Mitglied des Deutsch-Ausländischen Freundschaftskreises (Daf) freut sie sich besonders über das Essen der jugendlichen Flüchtlinge.

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