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Es gibt immer mehr Störche in der Wetterau. Die Tiere bauen ihre Nester gerne auf Strommasten - das sorgt für Ärger. 

Nestbau

Brennende Nester und Stromausfälle: Wetterauer Störche suchen sich gefährliche Nistplätze

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Es gibt immer mehr Störche in der Wetterau. Doch die Tiere bauen ihre Nester gerne auf Strommasten. Das sorgt nicht nur bei der Stromversorgung für Probleme, sondern kann für die Vögel lebensbedrohlich sein.

  • Immer mehr Störche kommen in die Wetterau
  • Ihre Nester auf Strommasten sorgen für Ärger
  • Stromausfälle und Stromschläge: Stromversorger und Vogelkundler handeln

Ein brennendes Nest am Bingenheimer Ried, Stromausfälle in Karben und ein toter Storch bei Gronau, der einen Stromschlag erlitten hat. Das sind nur drei Beispiele für Probleme, die entstehen, wenn Störche ihre Nester auf Strommasten bauen.

Immer mehr Störche kommen in die Wetterau. Nahrung finden sie in den Wiesen und Auen genug, wie der Wetteraukreis mitteilt. Aber das Angebot an Brutmöglichkeiten ist knapp. Die meisten Brutmasten seien belegt. "Neue Paare sind somit auf natürliche Brutplätze angewiesen", sagt Ralf Eichelmann, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Wiesenvogelschutz innerhalb der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz im Wetteraukreis. Das können alte Bäume mit lichten Kronen sein oder Nadelbäume mit abgebrochenen Spitzen in Gärten. Doch auch die gebe es nicht so oft.

Immer wieder bauen Störche ihre Nester deshalb auf Strommasten. Am Niddaradweg in Gronau sind auf einem Mast gleich sechs Nester zu sehen. Im weiteren Verlauf, zwischen Ilbenstadt und Okarben, haben die Störche ebenfalls mehrere Strommasten belegt.

Dabei ist Strommast nicht gleich Strommast. Die Ovag ist für die kleineren 20-kV-Masten zuständig. An denen gibt es seit Jahren immer wieder Nestbauversuche, sagt Pressesprecher Andreas Matlé. "Wenn wir das bemerken, werden sie in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde oder der Staatlichen Vogelschutzwarte entfernt."

Störche in der Wetterau: Stromausfall durch überhängende Äste

Um dem Problem entgegenzuwirken, werden seit Mitte vergangenen Jahres Abweisstangen an den Masten angebracht. "Sie verlaufen circa 60 Zentimeter quer über der Traverse", sagt Matlé. "Damit ist ein neuer Nestbau nicht möglich." Zusätzlich nutze man sogenannte Büschelabweiser und Abdeckhauben. Die Stangen seien der Erfahrung nach aber effektiver.

Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb sich die Wetterauer Störche häufiger auf 110-kV-Masten niederlassen. Für die großen Hochspannungsmasten aus Stahlgitter sind andere Betreiber zuständig. Rund um Bad Vilbel ist das zum Beispiel der Energieversorger Avacon Energie. Das Problem: "Störche bauen ihre Nester nicht sehr sorgfältig", sagt Avacon-Pressesprecherin Michaela Fiedler. Überhängende Äste oder Drähte ragten manchmal weit aus dem Nest heraus. "Das führt zu Kurzschlüssen." Das sei auch die Ursache für die kurzzeitigen Stromausfälle in den vergangenen Wochen gewesen.

In der ersten Maiwoche hätten sich Vertreter der Avacon und der Unteren Naturschutzbehörde an den betroffenen Masten getroffen. "Um die Störungen kurzfristig in den Griff zu bekommen, haben wir gemeinsam mit dem Umweltamt beschlossen, überhängendes Nistmaterial zu entfernen", sagt Fiedler. Parallel seien die Schutzeinstellungen in der Hochspannungstechnik angepasst worden, um die Unterbrechungen einzuschränken.

Damit die Hochspannungsmasten künftig nicht mehr so attraktiv für Storchenpaare sind, wolle man nach der Brutzeit Abweiser auf den Traversen der Masten anbringen. Auch dabei stimme man sich mit der Unteren Naturschutzbehörde und den Ornithologen vor Ort ab.

Störche in der Wetterau: Stromschlag kann Tiere töten

Auch für die Störche kann der Nestbau auf den Strommasten gefährlich werden: Berühren sie beim Anflug des Nestes etwa mit dem Flügel stromführende Leitungen, erleiden sie einen tödlichen Stromschlag, wie Eichelmann erklärt. "Auch die Gefahr, dass das Nest durch einem Funkenflug anfängt zu brennen, ist groß." Das ist kürzlich am Bingenheimer Ried passiert.

Da der Weißstorch im Wetteraukreis nicht mehr bedroht ist, werden derzeit keine neuen Brutmasten aufgestellt. Die Storchennester auf Strommasten werden die Vogelkundler also weiterhin in Atem halten. "Wir stehen in engem Kontakt mit der Ovag, um neue Nester möglichst schnell entfernen zu können", sagt Eichelmann. Denn das müsse man machen, bevor die Tiere Eier legen oder gar Jungtiere schlüpfen. Dann könne das Storchenpaar nach einem neuen, sichereren Nistplatz Ausschau halten.

Störche in der Wetterau: Über 120 Paare

Trotz weniger natürlicher Brutplätze, gibt es laut Pressemitteilung des Wetteraukreises wieder mehr Störche in den Auengebieten der Wetterau. Im vergangenen Jahr habe es 112 Storchenpaare gegeben, 198 Junge seien flügge geworden. In diesem Jahr liege die Zahl der Storchenpaare bei über 120. Die Auengebiete des Wetteraukreises seien ein hervorragender Lebensraum für Großvögel wie Störche. Das Nahrungsangebot in der Agrarlandschaft sei inzwischen wieder groß und würde auch einer doppelt so großen Zahl Tiere genügen.

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