Stippvisite

Bundesarbeitsminister besucht die Gärtner im Beurfsbildungswerk

Große Aufregung im Berufsbildungswerk in Karben: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) schaut vorbei und lässt sich die Angebote des inclusiven Ausbildungsbetriebs zeigen. Neben der üblichen Hektik, den Versprechungen und Geschenken verlässt der Minister Karben jedoch wieder mit einer Info, die in wirklich neugierig gemacht hat.

Für Christoph Kowolik ist es ein aufregender Tag. Schließlich steht der junge Auszubildende in der Gärtnerei des Berufsbildungswerks Südhessen (BBW) nicht jeden Tag einem leibhaftigen Bundesminister gegenüber. Heute aber ist Arbeitsminister Hubertus Heil da. Kowolik und seine beiden Mit-Azubis Justin Müller und Stefan Klotz können dem hohen Besuch aus Berlin schildern, wie sie ins BBW gekommen sind und warum sie dort eine Ausbildung zum Gärtner machen. „Wenn ich mit der Ausbildung fertig bin, will ich in den Verkauf gehen“, blickt Müller in die Zukunft.

Die drei Azubis und ihr Ausbilder Joachim Rudel führen Hubertus Heil dort hin, wo aktuell die Weihnachtssterne gezüchtet werden. Viel Zeit bleibt für weitere Fragen und Diskussionen allerdings nicht; der Minister ist nämlich später als erwartet aus Frankfurt im BBW eingetroffen, entsprechend straff läuft das Besuchsprogramm ab. Schnell noch die Tüten mit den kleinen Geschenken überreicht, und dann führt Geschäftsführer Torsten Denker den SPD-Minister rasch in einen zweiten Ausbildungsbereich, zur Textilreinigung. Auch dort unterhält sich der Minister kurz mit den Auszubildenden Jonas Marterer und Vanessa Ramers und Ausbilder Marco Fehrmann.

Der Tross aus Minister, BBW-Personal und zahlreichen SPD-Politikern aus der südlichen Wetterau und dem Kreis hastet weiter, denn die 450 Auszubildenden und deren Ausbilder sowie das übrige Personal warten schon seit einiger Zeit im Hof – Vollversammlung wegen des Berliner Bundespolitikers. Im Vorfeld des von der SPD-Landtagkandidatin Mirjam Fuhrmann initiierten Besuches war von Ministerseite der Wunsch nach einer kleinen Ansprache geäußert worden. „Alle sollen die Chance auf Arbeit und Ausbildung haben“, verkündet der Minister. Denn eine Ausbildung und einen Beruf zu haben, bedeute nicht nur eigenes Einkommen, sondern Teilhabe am Leben. „Ich arbeite dafür, dass Ihre Chancen besser werden“, verspricht Heil.

Dann müssen alle zurück in ihre Ausbildungsbereiche, während die Gruppe wieder in den Konferenzraum zurückgeht. Dort gibt Denker dem Minister einen Wunsch mit auf die Rückreise: „Wenn wir die jungen Menschen nach ihrem Abschluss noch zwei Jahre begleiten könnten, wäre des sicher ausgesprochen hilfreich.“ Bislang ist nur ein halbes Jahr Begleitung zum Übergang in den Beruf vorgesehen. Heil zeigt Verständnis für diesen Wunsch, denn er berichtet, dass sich viele Arbeitgeber schwer damit täten, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben.

Der Minister hört sich die Wünsche an, auch die von Ausbilderseite und der Seite zweier Vertreter der Azubis. Zuletzt überreicht Ausbildungsleiter Rolf Heiß dem Minister ein Faltblatt und berichtet dabei nicht ohne ein wenig Stolz, dass es gelungen sei, seitens des BBW ein neues Ausbildungsangebot als Modellprojekt auf den Weg zu bringen: Die duale Ausbildung zum Fachpraktiker in Hauswirtschaft mit Zusatzqualifikation Altenpflegehelfer. Der Arbeitsminister findet das „eine bestechende Idee“. Das passe zu aktuellen Bemühungen mit seinen Ministerkollegen Jens Spahn und Franziska Giffey, mehr für den Beruf Altenhelfer zu tun.

Hubertus Heil bittet um weitere Informationen zu diesem bundesweit einmaligen Projekt und Erfahrungsberichte. Heiß erhält dafür die Kontaktdaten von der Assistentin Heils, die derweil zum Aufbruch bläst. Denn auf den Minister wartet ein weiterer Termin, und am Nachmittag geht es zurück nach Berlin. „Mit vielen neuen Eindrücken und spannenden Informationen“, die er aus dem BBW mitnimmt. Während Heil routiniert sein Besuchsprogramm absolvierte, wischt sich Azubi Kowolik im Hof erleichtert den Schweiß von der Stirn: „Das war schon ganz schön aufregend.“

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