Trotz Baustelle

La Dolce Vita am Eis-Rei-Platz

Das Thermometer zeigt fast 28 Grad, die Sonne scheint, der Kreuzgassbrunnen plätschert. Im Eiscafé auf dem Platz im Ortskern von Groß-Karben herrscht Urlaubsstimmung. Die Karbener wissen das Ambiente rund um den neugestalteten Platz zu schätzen.

Davide Montaperto ist ein fröhlicher Mensch. Auch als die monatelangen Bauarbeiten zur Neugestaltung der Ortsdurchfahrt in Groß-Karben liefen, verlor der Eiscafé-Besitzer kaum seinen Humor. Den Arbeitern spendierte er schon mal einen Kaffee, den Kommunalpolitikern oder Pressevertretern, die die Baustelle besichtigten, mal einen Espresso, mal ein Eis. Ein wenig verging ihm aber Ende des Jahres schon das Lachen.

Denn als der Platz am Kreuzgassbrunnen im Schatten des Leonhardi-Schlosses endlich fertig war und er wieder seine Tische und Stühle unbeeinträchtigt von der Baustelle aufstellen konnte, war Winterpause. Montaperto, dessen eigenproduziertes Eis weit über die Stadtgrenzen Karbens hinaus bekannt ist, lebt vom Sommergeschäft. Er hat Baustelle und Winterzeit durchgehalten und wird nun dafür belohnt. „Das ist ein perfekter Sommer für mich“, strahlt er übers ganze Gesicht.

Dazu hat er allen Grund, denn selbst an diesem Sonntag, mitten im September, herrscht fast Urlaubsstimmung auf dem umgestalteten Platz. Ein Fahrrad steht neben dem anderen, auf den Rändern des Brunnens sitzen die Leute mit Eistüten in der Hand und plaudern. Und im Eiscafé Monti selbst sind alle Tische besetzt, dazu eine lange Schlange an der Eisausgabe.

Stammgäste und Anwohner sind an diesem Nachmittag gleichermaßen gekommen. Willi Nar sitzt vor seinem Bier und genießt die Atmosphäre. „Ich bin fast jeden Tag hier“, sagt der Senior. „Hier ist immer Betrieb. Das Publikum ist bunt gemischt, und ich treffe viele Bekannte.“

Auch Dieter Wierz strahlt mit der Sonne um die Wette. Mit seiner Frau Jutta ist er aus Rendel gekommen. „So etwas haben wir in Rendel gar nicht. Wir sind oft und gerne hier“, sagt er. „Man genießt ein regelrechtes mediterranes Flair“, freut er sich. An diesem Nachmittag plaudert das Ehepaar Wierz mit Gudrun und Olaf Eulitz, die aus Klein-Karben in den schönen neuen Ortskern von Groß-Karben gekommen sind.

So weit hat es Maria Scholz nicht. Sie wohnt gleich gegenüber, hat „alles mitbekommen, auch die Baustelle“. Jetzt aber sitzt sie hier, „genießt das weit und breit beste Eis“. Wenn ihre Mutter aus Nieder-Wöllstadt kommt, gehen beide ebenfalls ins Eiscafé. An diesem Sonntag sitzt Maria Scholz mit ihrer ehemaligen Arbeitskollegin Leslie Ulrich aus Okarben hier. Sie sagt, „man kann prima an der Nidda spazieren gehen und dann hier einkehren“.

Ulrich kennt den Eissalon schon von Kindheit an. Damals hieß er noch Eis-Rei. „Da bin ich immer hingeradelt und habe mir das Eis verdient“, lächelt sie. Unter dem ehemaligen Namen „Eis-Rei“ kennen auch die Eheleute Eulitz dieses Café. „Das sagen wir heute immer noch, wir gehen zum Eis-Rei.“ In der Tat, im Volksmund hat sich der Name gehalten, steht noch immer für das leckere Ziel in Groß-Karben.

„Aber jetzt ist alles viel besser als vorher“, sagt Leslie Ulrich mit Blick auf die verkehrsberuhigte und neu gepflasterte Straße. „Das ist schon ein bisschen mediterran hier“, „fast wie im Urlaub“, pflichtet ihr ein Sitznachbar bei. Das sagt auch der junge Damien, der sich zu Maria Scholz an den Tisch gesetzt hat. Jetzt freut er sich auf einen kleinen Eisbecher: Marzipan und Stracciatella. Die Augen strahlen, als Davide ihm die süße kühle Erfrischung an den Tisch bringt.

Gut besucht ist übrigens auch gegenüber der Döner-Imbiss von Halil Akanci. Auch er hatte mit der Baustelle zu kämpfen. „Aber jetzt bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Die Leute fahren wieder hierher. Ich habe nichts zu meckern.“ Zum Schluss hat er noch einen Dank parat: Er gilt den Kurt-Schumacher-Schülern. „Die sind trotz Baustelle meine Stammkunden geblieben.“

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