Alternative für Deutschland

AfD drängt in die Parlamente

Der Ortsverband steht – jetzt fehlen der AfD noch Köpfe und ein Programm zur Kommunalwahl 2016. „Natürlich werden wir antreten“, sagt der Karbener Parteigründer Wolfgang Adler. Die Wahl-Chancen seien gut – „allein durch meinen Bekanntheitsgrad auf jeden Fall“. Der erste Bürgertreff in der Pizzeria Roma zeigt, was die Sympathisanten bewegt. Neu dabei ist Andreas Lichert, ein Intellektueller der Neuen Rechten.

Von Klaus Nissen

Der Enddreißiger Andreas Lichert lebt in Groß-Karben. Er sitzt im Vorstand des „Vereins für Staatspolitik“ in Gera, der wiederum die rechts-intellektuelle Zeitschrift „Sezession“ herausgibt, in der auch Lichert schreibt. Sie wirbt im Internet gerade für ein „Sonderheft Pegida“ mit Texten der bundesweit bekannten Rechten Lutz Bachmann, Götz Kubitschek, Akif Pirincci und Felix Menzel.

In Karben sorgte Andreas Lichert 2013 mit seiner „Projektwerkstatt“ an der Bahnhofstraße für Aufsehen. Da versammelten sich auch mal Angehörige der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ zum Gesprächskreis (die FNP berichtete). Jetzt fänden die Treffen in Frankfurt statt, erklärt Lichert.

Die frühere Bad Vilbeler CDU-Europaabgeordnete und jetzige Ortsvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD) für Bad Vilbel und Karben, Ursula Braun-Moser, hat kein Problem mit dem Neu-Mitglied Andreas Lichert. „Er ist ein ganz aufrechter Demokrat“, sagt sie. Lichert und seine Freunde, „das sind keine verworrenen Köpfe“, meint die 77-Jährige.

Frühschoppen unter Windrad

Mehrfach spricht Lichert an diesem Abend im Nebenraum der Bürgerzentrums-Pizzeria Roma. Er klagt: „Das Spektrum der erlaubten Meinungen wird immer enger.“ Die Anti-Pegida-Demonstranten habe er als „Lynchmob“ und „hasserfüllte Leute“ erlebt, die die Pegida-Sympathisanten in Frankfurt bedrängten. Die Presse lasse die Meinungsfreiheit im Stich. Sie sei „ideologisch eingedreht“, befindet auch Wolfgang Adler.

Der Karbener ist Vizechef des Ortsverbandes. Und er ist überzeugt: „Der Kampf gegen die AfD läuft weiter. Man will uns vernichten!“

27 Menschen sind zu dieser ersten öffentlichen Veranstaltung der im Januar gegründeten AfD-Ortsgruppe Bad Vilbel/Karben gekommen. Die meisten sind über 50 Jahre alt, etliche gehören zu den rund 120 Parteimitgliedern in der Wetterau. Die Diskussion ist munter. Immer wieder stören Zwiegespräche den jeweiligen Redner. Man hat viel auf dem Herzen. Es gibt viele Behauptungen. Wohl nicht jede hielte einem Fakten-Check stand (siehe „Extra“).

Beispiel Windräder: Im März werde man unter „so einem Ding“ einen Frühschoppen veranstalten, kündigt Adler an. Windräder kommen ihm nicht auf den Acker, proklamiert ein Karbener Landwirt. Da werde zu viel Beton für das Fundament versenkt.

Alle Windräder südlich von Hannover seien unwirtschaftlich, behauptet Kreisvorstandmitglied Stefan Bechtel aus Karben. Er habe nichts gegen Windräder, erklärt Jürgen Becker, der Vorsitzende des Karbener Naturschutzbundes (Nabu). Nur gegen die im Walde. Becker ist AfD-Mitglied und hier erstmals auf Tuchfühlung mit Mitstreitern. „Ich wollte mir den Ortsverein einfach mal anschauen.“

Es geht auch um Ausländer: 130 Asylbewerber seien in Karbener Wohnungen untergebracht, sagt ein Besucher. „Wir wissen genau, dass keiner ausgewiesen wird.“ Polen und Rumänen nähmen den Deutschen hier die Arbeitsplätze weg, behauptete ein anderer Besucher. „Dagegen müsste man vorgehen.“ Sie habe den Kosovo besucht, erläutert Ursula Braun-Moser. Da gebe es sehr viele EU-Förderprogramme für die Leute.

Der stellvertretende AfD-Kreissprecher Karel Marel schimpft über eine Schüler-Demo in Friedberg: Da wurden 500 Schüler auf die Straße gejagt und mussten für Toleranz und Buntheit demonstrieren!“ Daran seien linke Lehrer schuld, die die Minderjährigen verführten.

Nicht Herr im eigenen Land

Die „deutsche Familie“ sieht Wolfgang Adler bedroht „durch diesen „Gender-Schwachsinn“ und die frühzeitige Kita-Betreuung. Das deutsche Volk habe das Recht, seine eigene Ethnie zu erhalten. „Ich war in Frankfurt unterwegs“, sagt Adler. „Wir sind nicht mehr Herr im eigenen Land.“ Im übrigen steige die Kriminalität. Allen gegenteiligen Statistiken glaube er nicht.

Der Anteil der Nichtwähler müsste als Fraktion mit leeren Sitzen in die Parlamente einziehen, schlägt ein Besucher vor und erntet Beifall. In Bad Vilbel werde man aus Geldmangel womöglich höhere Straßenbeiträge von den Bürgern einkassieren, fürchtet ein anderer.

Die Stadt Bad Vilbel habe die Kontrolle über die Stadtwerke abgegeben, meint Ursula Braun-Moser. Und: Die neue Mitte mit der Stadtbücherei und das geplante Bad seien viel zu teuer. Ein Mann widersprach: „Die neue Mitte wird doch angenommen. Da ist es brechend voll.“ Demnächst will die AfD auch in Bad Vilbel einen Diskussionsabend veranstalten.

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