Kunstvolle Grabstellen

Das war die Einweihung des Urnenrondell auf dem Friedhof in Petterweil

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Eine neue Form der Bestattung verbreitet sich auf den Karbener Friedhöfen: die Beisetzung im Urnenrondell. Die Nachfrage nach Grabstätten darin ist groß – nicht nur, weil die Anlagen schön und stets gepflegt aussehen.

Wie dem Ortsvorsteher wird es dieser Tage vielen Petterweiler gehen, wenn sie auf den Friedhof kommen. „Sehr schön ist das geworden“, freut sich Adolf Koch (SPD). Sattgrün leuchtet das Gras des neuen Urnenrondells in der Nordost-ecke des Gottesackers. Gepflasterte Wege führen in Kreisform zwischen den künftigen Grabreihen entlang. In der Mitte zieht eine Skulptur aus Holz und Glas die Blick auf sich.

Binnen nur weniger Arbeitstage hat das Bauunternehmen Georg Schmidt von Inhabern Faik und Mizeat Iseni aus Ober-Rosbach das Rondell angelegt. „Toll, dass wir es so schnell geschafft haben“, sagt Carmen Rühl, im Karbener Rathaus für die Friedhöfe zuständig.

Das Petterweiler Rund ähnelt dem, das es schon seit einigen Monaten auf dem Friedhof in Burg-Gräfenrode gibt. Rund 25 000 Euro hat sein Bau gekostet, erklärt Jochen Stöhr vom Fachbereich Bauen im Karbener Rathaus – so viel wie auch zuvor geplant.

Im Rondell sind 60 Grabstellen entstanden. Möglich sei auch, diese doppelt zu belegen, erklärt Stöhr. Mit dem Bau der Anlage geht die Stadt auf die Nachfrage nach Urnenrasengräbern ein. „Die ist sehr groß“, sagt Carmen Rühl. Daher hatte die Kommune vor einigen Jahren Klein-Karbens alten Friedhof als Urnenfriedhof reaktiviert.

„Bisher mussten alle Petterweiler, die sich auf diese Art bestatten lassen wollten, dorthin“, erinnert die Fachfrau. Denn im westlichsten Stadtteil gab es zuletzt nur Urnenwahlgräber. Die Urnenwand ist schon seit vielen Jahren voll.

Es seien gleich mehrere Gründe, warum die Nachfrage nach den Urnenrasengräbern so hoch sei, erklärt Carmen Rühl. Zum einen seien dies die geringeren Kosten: Im Wahlgrab werden für den Erwerb des Nutzungsrechts 675 Euro je Urne fällig, im Rasengrab können für das gleiche Geld zwei Urnen bestattet werden. Mit 450 Euro sind lediglich anonyme Urnenreihengräber noch günstiger.

Für noch deutlich mehr Betroffene aber zählt zum anderen, dass keine Pflege für die Urnenrasengräber notwendig wird. „Der Bauhof pflegt das Rondell“, erklärt Rühl. Damit die Rasenmäher problemlos rollen können, sind nur kleine, ebenerdige Grabsteine zugelassen.

Der Trend zu möglichst pflegeleichten Gräbern resultiert aus der zunehmenden Mobilität der Menschen. Nicht selten hat es die engsten Anverwandten aus beruflichen Gründen weit weggezogen von Oma und Opa. „Viele Angehörige leben immer öfter nicht dort, wo die Eltern zuletzt gelebt haben“, sagt Carmen Rühl. Jedes andere Grab außer jenen im Rasen oder in den Urnenwänden bedeute allerdings einen hohen Pflegeaufwand.

Damit die Grabstätte einen würdigen Eindruck macht, setzen die Karbener außerdem auf Kunst. In den Rondellen in Burg-Gräfenrode und Rendel lenken Skulpturen im Zentrum der Rondelle die Blicke auf sich (diese Zeitung berichtete) – und nun auch in Petterweil.

Glaskünstler Leo Streukens aus Petterweil hat einzelne Glaselemente in Regenbogenfarben bei 800 Grad zu einer Glasträne verschmolzen. „So etwas habe ich noch nie gemacht“, sagt der Künstler. Eingelassen hat er die Träne in einen alten Eichenstamm, der bis vor wenigen Jahren als Sitzbank im Garten der katholischen Kirche Sankt Bardo diente. Dort aber war die Bank nach 34 Jahren überwuchert und musste schließlich einer Neugestaltung weichen.

Der Eichenstamm wirkt nun wie zwei Hände, während sie die Glasträne umfassen. Scheint die Sonne durch diese hindurch, entstehen Farbspiele am Boden auf den Gräbern. „Ein lebensfrohes Friedenszeichen“ habe er schaffen wollen, erklärt Leo Streukens.

Weil er sich anfangs nicht sicher war, ob die Skulptur überhaupt gelingt, hatte Streukens sie zunächst auf eigene Verantwortung angefertigt. Der Stadt bot er an, sie bei Gefallen zu schenken. Die Mitglieder des Ortsbeirats sowie Erster Stadtrat Friedrich Schwaab (CDU) fanden es so gelungen, dass sie dem Kunstwerk ihr Plazet gaben. Ortsvorsteher Koch freut sich über diese Aufwertung des Gottesackers. „Das ist ideal.“ Die ersten drei Nachfragen nach Grabstellen lagen schon vor, bevor diese überhaupt gebaut wurde.

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