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Die beiden BBW-Azubis zum Lagerlogistiker bei Satis & Fy, Marvin Freund (rechts) und Niclas Semmel, bereiten Traversen für den Transport vor. Die Arbeit ist manchmal stressig, macht ihnen aber Spaß.

Ausbildung zum Lagerlogistiker

Erfolgreich ins Arbeitsleben gestartet

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Junge Leute mit besonderem Förderbedarf haben es trotz guter Konjunktur schwer beim Start in den Beruf. Ein Projekt des Karbener Berufsbildungswerks Südhessen (BBW) ebnet dennoch sehr erfolgreich den Weg ins Arbeitsleben: Dessen Azubis lernen direkt in Ausbildungsbetrieben. Mit der Firma Satis & Fy in Karben hat diese Kooperation eine neue Qualität erreicht. Zum Nutzen des Veranstaltungsspezialisten – und erst recht der jungen Leute.

"Bitte zwei 1-Meter-Traversen verbinden und fertig machen." Cedrik Schrader, genannt "Tatze", gibt Marvin Freund (21) die Anweisungen. Hier in der Rigging-Abteilung ist im Lager von Satis & Fy alles verstaut, was nötig ist für den Aufbau jener Konstruktionen bei Veranstaltungen, an denen Scheinwerfer und Boxen aufgehängt werden.

Marvin Freund läuft in den hinteren Teil der Abteilung, holt zwei 1-Meter-Traversen hervor. Aus einer Schatulle klaubt er zwei Dübel, um die beiden Teile zu verbinden. Dann schnappt er sich einige Schutzaufsätze, klickt diese an die Seiten ein. Sein Kollege Niclas Semmel (19) aus Hasselroth fasst mit an. Zusammen hieven sie die Traverse aufs hölzerne Bord mit den passenden Vertiefungen. Zwei weitere Traversen folgen gleich noch.

Dass Marvin und Niclas hier im großen, quirligen Lager des weltweit tätigen Veranstaltungsspezialisten aus Karben ihre Ausbildung zu Lagerlogistikern absolvieren, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn die beiden können nicht einfach so eine Ausbildung machen, beide haben einen besonderen Förderbedarf. "Dass hier Azubis mit Behinderung arbeiten sollen, hat anfangs zu Bedenken unter den Kollegen geführt", räumt Kai Bilges ein, der Ausbildungsleiter von Satis & Fy.

Inzwischen sind 16 solcher Azubis im Lager der Firma tätig, drei weitere im Büro. Möglich wird das durch eine Kooperation des Unternehmens mit dem Karbener Berufsbildungswerk Südhessen (BBW). Denn dort haben die Azubis allesamt angefangen. Und über die verzahnte Ausbildung mit dem Unternehmen namens "Vamb" werden sie nun möglichst aussichtsreich aufs Berufsleben vorbereitet.

Stress für Rock am Ring

Eine besonders tiefe Kooperation ermöglicht es überhaupt erst, dass diese jungen Leute in ganz normalen Betrieben "mitlaufen". Das A und O ist dabei intensive Betreuung: BBW-Ausbilder André Heidler ist komplett zu Satis & Fy abgestellt und betreut seine Azubis dort. Zugleich werden die Mitarbeiter des Veranstaltungsspezialisten besonders geschult und ausgebildet. So ist es möglich, dass die BBW-Azubis im Tagesgeschäft ganz normal wie alle anderen Azubis beschäftigt und betreut sind.

Das hat Niclas Semmel längst erfahren. Stressig wurde es etwa, als das Material für "Rock am Ring" zusammengestellt wurde. "Das waren gefühlt 20 Laster voll", erzählt er. "Da lag die ganze Halle voll Zeug." Dem Azubi ist dabei klar geworden: "Hier packt man für etwas Großes an und ist ein kleiner Teil vom Ganzen."

Ein kleiner Teil? Da widerspricht Satis & Fy-Firmensprecher Martin Jerulank. "Die Arbeit des Lagers ist extrem wichtig für jede Produktion." Nur, wenn das Lager alles korrekt sende, könne die Veranstaltung problemlos über die Bühne gehen. Keine Schelle, kein Kabel dürfe fehlen. "Da müssen die Jungs aus dem Lager immer ganz schön springen."

Niclas Semmel hört’s und schaut ein wenig betreten nach unten. Er wie auch Marvin Freund aus Babenhausen sind über berufsvorbereitende Angebote hierher gekommen. "Anfangs wusste ich nicht, was ich machen will", erklärt Marvin. Die Schlosserausbildung hat er schon. Im Garten- und Landschaftsbau probierte er sich und als Schreiner. Schließlich waren Raumausstatter und Lagerist Favoriten.

Spaß am Verpacken

Der Empfehlung seines Ausbilders folgend ging es ins Lager. "Ich habe Spaß am Packen und Verpacken", erklärt Marvin. Nicht nur: Prozesse logisch zu denken sei sein Ding. Und Ware zu prüfen ebenfalls. Was nicht selten überaus anspruchsvoll ist. Technik wie Mischpulte oder Monitore, die im Lager ein- und ausgeliefert wird, ist häufig zigtausende Euro wert. "Das ist das wahre Leben", sagt Ausbilder Bilges. Niclas Semmel nickt.

Im Lauf der Ausbildung sollen er und die anderen Azubis auch erleben, wie es "auf der anderen Seite" ist – dort, wo das Ergebnis ihrer Arbeit wichtig ist. "Wir werden sie auch einmal auf Produktionen mitnehmen", kündigt Kai Bilges an.

Ganz leicht ist das nicht zu organisieren. Die 16 Azubis sind zwei Tage pro Woche im Betrieb. An zwei anderen Tagen besuchen sie die Berufsschule im BBW. Die habe extra schon ihre Schulzeiten angepasst, damit die Kooperation mit Satis & Fy überhaupt klappe, ist André Heidler dankbar. Das Unternehmen ist sehr erfreut, wie sich das Projekt entwickelt. "Es läuft super", sagt Kai Bilges. So gut, dass Satis & Fy nächstes Jahr gar keine eigenen Lager-Azubis mehr einstellen wolle, sondern rein mit denen vom BBW arbeite. Es sehe sehr danach aus, dass einige der Jungs nach der Lehre hier weitermachen könnten. Für die übrigen sei mit der Ausbildung ein perfekter Grundstein gelegt.

Beim Rigging haben Niclas Semmel und Marvin Freund inzwischen ihre Fuhre mit Traversen fertig bestückt. Azubi-Kollege Fabian Nöller (22) aus Hirzenhain kommt mit einem Spanngurt herbei, zurrt die Ladung auf dem Brett fest. Chef "Tatze" nickt zufrieden. Fertig ist die Lieferung fürs nächste Event.

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