Immer wieder sorgen die Fahrradwege auf dem Schöllberg für Diskussionen. Vor allem bergab auf der anderen Straßenseite sei es sehr gefährlich.
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Immer wieder sorgen die Fahrradwege auf dem Schöllberg für Diskussionen. Vor allem bergab auf der anderen Straßenseite sei es sehr gefährlich.

Radler fühlen sich eingeengt

Fahrradklima-Test: Bad Vilbel schlechte, Karben mittelmäßige Noten

Vor wenigen Tagen wurden in Berlin die Ergebnisse des bundesweiten Fahrradklima-Tests 2016 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs vorgestellt. Ihnen zufolge ist Bad Vilbel in der Rangliste der fahrradfreundlichen Städte weit unten gelandet. Vergleichsweise besser hat die Nachbarkommune Karben abgeschnitten.

364 deutsche Städte bis 50 000 Einwohner haben am jüngsten Fahrradklima-Test des Allgemeinen deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) teilgenommen. In Bad Vilbel hatten sich 188 Bürger beteiligt. Bemängelt wurde vor allem, dass zu wenige Einbahnstraßen für Radfahrende geöffnet sind und dass für das Radfahren zu wenig geworben wird.

Als eher zufriedenstellend wurden die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Rad sowie die Möglichkeiten der Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln bewertet. Letzteres ist nach Auffassung des Ortsvereins Bad Vilbel allerdings nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern ermöglicht. Davon hätten alle Kommunen im Gebiet des RMV, die in die Wertung einbezogen wurden, gleichermaßen profitiert.

Bad Vilbel belegt bundesweit Platz 316 in der Kategorie der Städte mit bis zu 50 000 Einwohnern. Das bedeutet bei 364 teilnehmenden Kommunen einen Platz nur knapp oberhalb des untersten Zehntels und damit im Vergleich mit 2014 eine deutliche Verschlechterung. Damals hatte sich Bad Vilbel noch im unteren Mittelfeld aufgehalten. Deprimierend ist auch Bad Vilbels Position im hessenweiten Vergleich: Platz 45 von 49.

Im Durchschnitt geben die Bad Vilbeler Bürger ihrer Stadt die Schulnote 4,19 für ihre Fahrradfreundlichkeit. Die Mehrzahl der Befragten ist der Meinung, man werde in Bad Vilbel als Radfahrender nicht ernstgenommen und in den Medien werde eher selten positiv über Radfahrende berichtet. Ganz besonders häufig sind Klagen darüber, dass es großzügig geduldet werde, wenn Autos auf Radwegen geparkt werden. Auch dass sie an Baustellen meistens zum Absteigen und Schieben gezwungen würden, gefällt sehr vielen der Befragten nicht.

Mehr Kontrollen gefordert

ADFC-Vorsitzende Ute Gräber-Seißinger sagt: „Fahrradfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für moderne Städte – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Bad Vilbeler auf dem Rad allem Anschein nach nicht sonderlich wohlfühlen.

Der Fahrradklima-Test zeigt, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung, wie etwa in der hessenweiten Siegerkommune Baunatal in derselben Städtegrößenklasse wie Bad Vilbel und Karben honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt. Schon mit vergleichsweise kleinen Umbauten lässt sich die Situation deutlich verbessern. Wir denken dabei zum Beispiel an gezielte Radwegparker-Kontrollen, für Radfahrende geöffnete Einbahnstraßen, mehr Tempo-30-Zonen oder – ganz aktuell – radfahrerfreundliche Lösungen an Baustellen wie derjenigen auf der Homburger Straße. Wenn Bad Vilbel will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und der Stadt Lärm und Abgase ersparen, dann muss jetzt gehandelt werden.“

Deutlich besser als Bad Vilbel hat die Nachbarkommune Karben beim Fahrradklima-Test abgeschnitten, für die 102 Teilnehmende mit abstimmten. Christian Euler, radverkehrspolitischer Sprecher des ADFC Bad Vilbel, findet, dass ein leichter Aufwind zur Umfrage zuvor spürbar ist. Dies zeigt sich auch im direkten Vergleich: Karben liegt im deutschlandweiten Städte-Ranking auf Platz 115 von 364 und damit gut 200 Plätze besser als Bad Vilbel. Hessenweit nimmt Karben Platz 18 von 49 ein.

Noch Luft nach oben

In Karben würden die Führung an Baustellen und die Akzeptanz von Radfahrenden als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer in Relation zu anderen Städten und insbesondere zu Bad Vilbel deutlich besser bewertet. Auch haben die Befragten die Fahrradförderung in jüngster Zeit, etwa durch die Anbindung der einzelnen Stadtteile aneinander mittels Radwegen, ausdrücklich anerkannt. Dennoch drücke auch die Gesamtnote 3,6 für Karben aus, dass noch viel Luft nach oben sei und somit auch in Karben noch einiges zu tun bleibe. Dazu zähle die Verbesserung der Falschparker-Kontrolle auf Radwegen ebenso wie eine flüssigere Ampelschaltung für Radfahrende.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2016 zum siebten Mal vorgenommen. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit rund 150 000 Euro gefördert. Über 120 000 Menschen stimmten bundesweit ab – eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem vorherigen Test im Jahr 2014. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück. (fnp)

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