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Tochter Josie packt die gepflückten Äpfel für den Abtransport ein.

Ernte

Familie Behrens: Ein Leben für den Apfelbaum

Mehrere Hundert Kilogramm Äpfel ernten Volker Behrens und seine Familie an nur einem Wochenende in Karben. Er und seine Frau setzen sich zudem für den Erhalt dieser wichtigen Wiesen ein. Doch was macht die Äpfel der Wetterauer Streuobstwiesen so besonders?

Volker Behrens musste die Planung noch einmal ändern. Eigentlich wollten er, seine Frau und seine Kinder auf einer anderen Streuobstwiese in Karben die Äpfel von den Bäumen holen, doch haben das einige kräftige Windstöße in den Tagen zuvor bereits von allein geschafft. "Wir haben dort gerettet, was ging", meint Behrens.

Eine ganze Menge Arbeit wartet nun jedoch auf ihn und seine Familie auf einer weiteren Streuobstwiese in Petterweil. 90 Bäume stehen dort: "Hier haben wir von allen Sorten etwas", freut sich Volker Behrens, während seine Frau Anke, die Kinder Josie und Jan und deren Freunde Katharina und Maximilian sich auf einer grünen Plane niederlassen, die rund um einen großen Apfelbaum liegt. "Achtung!", ruft Volker Behrens, schnappt sich den Rüttler, und beäugt den Baum.

"Ich suche nach einem stabilen Ast", sagt er, wird fündig und beginnt damit, an dem Baum zu rütteln. Lange dauert es nicht, da stürzen die Äpfel hinab auf die Plane, können nun sortiert und eingepackt werden. "Einen Teil behalten wir, um Apfelwein zu machen, ein Teil geht zur Kelterei Rapp’s und ein weiterer Teil wird zu Tafeläpfeln", erklärt der Familienvater. Äpfel, die sich für diese Zwecke nicht mehr eignen, blieben als Fallobst liegen. "Da freuen sich Wild oder Vögel drüber", erläutert Volker Behrens.

Er und seine Frau Anke bilden zwei Drittel des Vorstandes der IG Streuobst in Karben, einem Verein, der sich um die Streuobstwiesen in Karben kümmert, aber auch Lehrangebote für Schulklassen und die Bevölkerung bietet. Mit im Vorstand ist Eckhard Neitzel.

50 verschiedene Apfelsorten reifen auf der kleinen Streuobstwiese bei Petterweil heran. "Was aussieht wie eine Staubschicht, ist eigentlich eine Art Wachsschicht, die die Äpfel vor Flüssigkeitsverlust oder auch Hitze schützt", erklärt Volker Behrens, wischt einen Apfel sauber und verteilt ihn. Das Geschmackserlebnis dieser frisch gepflückten Äpfel weicht starkt von den typischen Supermarktäpfeln ab – im positivsten Sinne, schmeckt weitaus süßer und saftiger.

Den Äpfeln im Supermarkt seien einige Eigenschaften weggezüchtet worden, die der Apfel sonst von Natur aus besitzt. "Viele Allergiker können die Äpfel aus dem Supermarkt nicht essen, diese hier aber problemlos", weiß Volker Behrens. Große Verwirrung herrsche auch immer über die Herkunft des Apfels. "Das hier ist sozusagen der Urapfel", meint Anke Behrens und hält einen Ast mit sehr kleinen und knallroten Äpfeln in die Höhe. "So kam der Apfel einst aus dem Himalaya über die Seidenstraße bis zu uns."

Etwa drei Wochenenden im Herbst verbringt die Familie beim Apfelernten, eine mehr als wichtige Beschäftigung, wie sie finden. "Streuobstwiesen sind ein Kulturgut, geschaffen von Menschen", findet Volker Behrens. "Es ist wichtig, dieses Stück Geschichte zu erhalten. Außerdem haben Streuobstwiesen in Deutschland nach dem Wattenmeer die höchste Artenvielfalt." Auch die genetische Vielfalt der Apfelsorten sollte bewahrt werden.

Das Ernten an sich sei natürlich anstrengend, schließlich verbringe die Familie mehrere Tage auf der Wiese. "Wir sind abends schon erschöpft, aber das fühlt sich dann gut an. Man hat etwas geschafft", erklärt Anke Behrens. "Die Sonne scheint, und wir sind in der Natur. Das füllt den Akku trotz der körperlichen Arbeit schon wieder auf", beschreibt sie.

Zudem habe man durch die Apfelernte die Möglichkeit, gemeinsam mit der ganzen Familie etwas zu unternehmen. Tochter Josie habe unter anderem schon beim Freisensen der Bäume geholfen, damit das hohe Gras diesen nicht die Flüssigkeit entzieht. "Noch mehr Spaß macht das Ernten, wenn man in die Bäume hineinklettern kann", sagt Josie Behrens lächelnd und verpackt weiter die sortierten Äpfel.

Etwa 300 Kilogramm davon hat Familie Behrens am Tag zuvor schon zu Rapp’s gebracht. "Heute werden wir wieder etwa 500 Kilogramm ernten können", schätzt Volker Behrens.

Etwa eine Tonne

Äpfel hänge wohl an den Bäumen, doch das könne selbst seine engagierte Familie nicht alles alleine bewältigen.

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