Nordumgehung Karben

Fertig! Doch keiner darf fahren

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Der Bau der Nordumgehung Karben wird an Kuriositäten immer reicher. Nun ist der erste Abschnitt fertig, fünf Monate verspätet. Doch auf der nagelneuen Asphaltpiste darf kein Auto fahren. Eine Wunderlichkeit, die aber guten Grund hat.

Erst drohte die Nordumgehung ins Nichts zu führen. Die Gefahr eines Verkehrschaos’ wegen zeitgleicher Bauarbeiten in mehreren Ortsdurchfahrten ist noch nicht gebannt. Und nun das: Der erste Bauabschnitt der Nordumgehung Karben ist fertig, doch er darf nicht in Betrieb gehen.

Klingt im ersten Moment nach einem Schildbürgerstreich. Zumal der 1,1 Kilometer lange Abschnitt der Umgehung nordöstlich um Groß-Karben herum fünf Monate überfällig ist und schon Ende vergangenen Jahres hätte fertig werden sollen. Erst viel Regen im Herbst habe die Arbeiten gebremst, dann zog sich der Erdbau bis in die Frostperiode im Winter und wurde erneut verlangsamt, sagt Alexander Pilz, für die Wetterau zuständiger Bevollmächtigter der Landesstraßenbehörde „Hessen Mobil“. Zudem sei ein Umplanen der Baustellenumfahrung nötig gewesen.

Doch die neue Straße bleibt aus einem ganz anderen Grund weiter gesperrt: Der Lärmschutz für die Anwohner ist noch nicht fertig. „In einem gerichtlichen Vergleich wurde seinerzeit Mitgliedern einer eigens gegründeten Bürgerinitiative zugebilligt, die Straße erst freizugeben, wenn ein ebenfalls geplanter Lärmschutzwall fertiggestellt ist“, erläutert Landrat Joachim Arnold (SPD). „Dies wird nach den Sommerferien der Fall sein.“

Zur Frage der Eröffnung hatte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) kürzlich extra Mitglieder aus den Reihen der Groß-Karbener Bürgerinitiative „Rettet die Nidda-Aue“ zu einem Gespräch geladen. Die aber winken ab. „Wir haben mit der Stadt eine Vereinbarung getroffen, dass wir die Klage zurückziehen, wenn die Stadt weiteren Lärmschutz baut“, sagt Ludger Grünewald, einer der seinerzeitigen Kläger gegen die Nordumgehung. „Wir sind zufrieden, dass sich alle Beteiligten daran halten.“ Werde die Umgehung erst teilweise eröffnet, bestehe die Gefahr, dass der Lärmschutz womöglich doch nicht gebaut werde, befürchtet Grünewald.

„Wir halten uns an die Verträge“, beteuert der Bürgermeister und akzeptiert das Nein der Anwohner zur vorzeitigen Eröffnung. Dass die Straße nun noch einige Monate gesperrt bleibe, sei nicht schlimm: „Dieser Teilast hat alleine keine verkehrliche Wirkung“, so Rahn.

Nur für die wenigen Fahrzeuge, die zwischen Burg-Gräfenrode und Heldenbergen unterwegs seien, böte er eine schnellere Verbindung. Für Kopfschütteln hat bei den Anwohnern jedoch in den vergangenen Monaten gesorgt, dass bereits neben der neuen Straße ein Wall aus Erdaushub entstanden war, der aber dann wieder abgefahren wurde. „Das ist doch unlogisch und kostet nur unnötig Steuergeld“, findet Grünewald.

Die gesamte Umgehung soll rund 20 Millionen Euro kosten. Auch versteht der Anwohner nicht, dass der Lärmschutzwall nicht längst fertig ist. „Der Termin ist doch seit eineinhalb Jahren bekannt.“

Die Stadt habe das langwierige Genehmigungsverfahren mit eigenem Bebauungsplan ja schon fertig und sei kurz davor, den Wall zu bauen, erklärt der Bürgermeister. Derzeit werde die Ausschreibung für Ende Juni vorbereitet. „In drei Monaten könnten wir fertig sein.“

Gern hätte Guido Rahn dafür auf den dortigen Aushub zurückgegriffen. „Aber das ist nicht unsere Erde.“ Vielmehr benötige das Land den Aushub selbst, um die Dämme im Westteil der Trasse an den Brücken über die Nidda und die Main-Weser-Bahn aufzuschütten.

Die Stadt will stattdessen jenen Aushub nutzen, der vor einigen Jahren beim Bau der Biogasanlage Groß-Karben entstand. Dieser lagert noch neben der Anlage. „Hier sind die Transportwege kurz“, freut sich Rahn. Denn die Anlage liegt nur gut eineinhalb Kilometer entfernt an der Straße nach Heldenbergen. „Dadurch muss kein Transport durch den Ort fahren.“

Noch eine gute Nachricht: Weder die Verzögerungen beim Bau des ersten Abschnitts noch die späte Freigabe bringen die Umgehung in die Bredouille, betont Alexander Pilz von „Hessen Mobil“. Das „hat keine Auswirkung auf die Gesamtmaßnahme und ihren Zeitplan“.

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