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Florian hat die größten Eier

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Von: Stefanie Sperling

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Aus einem unscheinbaren Büro an der Hauptstraße in Groß-Karben gehen Produkte vom Straußen-Vogel in die ganze Welt. Florian Fröhlich bringt die aus Südafrika importierten Waren der Firma „Alles vom Strauß“ auf den Weg.

„Alles begann vor 16 Jahren mit einem Besuch meiner Eltern in Südafrika“, erinnert sich Florian Fröhlich an die Anfänge von „Alles vom Strauß“. Heidi und Clemens Fröhlich brachten damals etwa eine Straußen-Ledergeldbörse mit und einige Straußen-Dekor-Eier. „Die kamen bei den Freunden und Bekannten meiner Eltern super an“, erzählt Fröhlich. So gut, dass die beiden nach einigen weiteren Besuchen und Besichtigungen von Straußenfarmen mit dem Import diverser Artikel begannen und im Sommer 1999 die Firma „Alles vom Strauß“ in Karben gründeten.

Inzwischen leben die Eltern in der südafrikanischen Provinz Ostkap nahe Port Elizabeth. Sie sind ihrer Liebe zum Land gefolgt. Florian Fröhlich, der in diesen Tagen seinen 39. Geburtstag feiert, leitet weiter die Geschäfte von Karben aus, hat den Onlineversand ausgebaut und setzt auf moderne Vertriebswege. Über 600 Produkte sind im Laufe der Zeit zusammengekommen. Beliefert werden etwa 20 000 Kunden in Europa, aber auch in San Francisco oder New York.

„Meine Mutter ist immer noch Geschäftsführerin“, berichtet der gelernte Kaufmann für Bürokommunikation. Vor der Selbstständigkeit arbeitete er bei einer Werbeagentur in Frankfurt.

Neben dem Straußen-Geschäft führt er heute eine eigene Werbeagentur. „Ich arbeite einfach gerne“, strahlt er. Straußen-Lederprodukte wie Gürtel, Handtaschen oder Geldbörsen zählen zum Sortiment des führenden Lieferanten von Straußen-Produkten in Europa. „Es gibt nur zwei Anbieter in Deutschland“, weiß der Selfmade-Unternehmer. „Das ist ein echtes Nischenprodukt.“ Und doch werden die Straußenfedern in vielen Bereichen genutzt, die ein Teil des Lebens vieler Menschen sind.

Voll verwertbar

So etwa in der Autoindustrie. Da Straußenfedern bestens zum Befreien von Staub geeignet sind, nutzen die Autobauer sie zum Beispiel vor dem Lackieren der Karossen. „Wie durch eine Waschstraße fahren die Wagen durch die Federn und sind dann so frei von Staub, dass der Lack sicher aufgetragen werden kann, ohne wieder abzuplatzen“, informiert Fröhlich.

Auch in Hotels oder in Glasbrennereien, bei Ausstattern von Yachten oder in Museen und bei Instrumentenbauern werden die Federn der größten lebenden Vögel der Erde aufgrund ihrer staubanziehenden Eigenschaft eingesetzt. Zahlreiche Staubwedel in verschiedenen Größen und Farben gehen aus dem heimischen Lager von „Alles vom Strauß“ in Karben in die ganze Welt. Diese sowie auch die Straußenei-Lampen, die es mit über 100 Motiven gibt, und Tee- und Windlichter in verschiedenen Designs oder auch dekorative Straußeneier in den unterschiedlichsten Farben kommen allesamt von Straußenfarmen in Südafrika.

„Ich sehe mir die Farmen selbst an, und meine Eltern sind vor Ort“, betont Fröhlich. „Alles vom Strauß“ setze bei seiner Zusammenarbeit mit den Betrieben vor Ort auf reine Handarbeit und vor allem auf eine artgerechte Haltung der Tiere.

„Sie leben mindestens 14 Monate in der Züchtung“, erklärt Fröhlich und dass der Strauß eines der wenigen Tiere sei, das in der Zucht voll verwertbar sei: Federn, Haut sowie das delikate Fleisch. Das Fleisch allerdings verkaufe er nicht. Zu hoch seien die Bestimmungen und Auflagen für den Import dieser Ware, die Fröhlich allerdings geschmacklich selbst schätzt.

Alle zwei Monate erreicht das Lager in Karben per Flugzeug aus Südafrika Lieferungen im Umfang zwischen 500 Kilogramm und 1,8 Tonnen. Von dort gehen die Eier, Federn, Wedel oder Lederwaren an Privatkunden einerseits, an Wiederverkäufer – wie etwa einen Verkäufer aus Berlin, der sogar einzelne eingefärbte Federn im Briefumschlag verschickt – an den Handel oder die Industrie.

Beliebte Produkte

„Auch Massagestudios, zum Beispiel, bestellen bei uns oder Messeausrichter“, erzählt Fröhlich. Bei einer Modemesse habe eine Firma den Laufsteg aus Glas gestaltet und darunter unzählige Straußenfedern platziert. Eine Bekleidungsfirma habe Vorhänge aus den Federn herstellen lassen.

„Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, sagt Fröhlich gut gelaunt. Oftmals habe er schon Sonderanfertigungen auf Wunsch hin von den zunächst ungläubig dreinblickenden Afrikanern gestalten lassen, die später zu einem sehr beliebten Produkt wurden.

„So zum Beispiel die Windlichter“, zeigt der Geschäftsmann ein Straußenei, das im weichen Schein der Kerze sanftes Licht spendet. Fast ein bisschen wie das Ei des Kolumbus mutet dabei das Oval an, das als original volles Ei gar einer Belastung von bis zu 80 Kilogramm standhalten kann.

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