Rückgang der Zuwandererzahlen

Flüchtlingsunterkünften droht Leerstand

Der starke Rückgang der Flüchtlingszahlen in Deutschland macht sich in der Wetterau bereits bemerkbar. Dort kommen viel weniger Zuwanderer an. Jene Familie, die mit einer extremen Protestaktion in Karben auf sich aufmerksam machte, wird nun besonders betreut.

Von DELIAH ECKHARDT UND DENNIS PFEIFFER-GOLDMANN

Die massiv sinkenden Flüchtlingszahlen im Land sorgen in der Wetterau für eine erhebliche Entspannung der Situation im Kreis und in den Kommunen. „Ja, wir merken, dass die Zahl der Flüchtlinge zurückgeht“, sagt Petra Schnelzer, Sprecherin des Wetteraukreises.

Das spürt man auch in den Kommunen: „Wir merken auch, dass weniger Flüchtlinge pro Woche ankommen“, sagt der Sprecher der Stadt Bad Vilbel, Yannick Schwander. Seien zuvor rund 15 Menschen pro Woche angekommen, seien es jetzt nur noch etwa fünf – also nur ein Drittel. „Die Zahlen sinken schon seit Januar, etwas zeitversetzt merken wir das jetzt auch. Je weniger Flüchtlinge bei uns ankommen, desto leichter wird es“, so Schwander.

Dennoch behält die Stadt ihre Pläne bei, mehr Platz zu schaffen: So sollen beispielsweise auf dem Parkplatz an der Ecke der Huizener Straße zur Straße Am Sportfeld Container aufgestellt werden. Auch der Wetteraukreis reagiert vorsichtig: „Wir beobachten, ob sich das stabilisiert oder sich doch noch verändert“, sagt Petra Schnelzer. Notunterkünfte auflösen will der Kreis vorerst nicht.

Günstiger Wohnraum?

Vier gibt es: die Turnhalle der Geschwister-Scholl-Schule Assenheim, die Turnhalle Oberer Hüttenberg in Kirch-Göns sowie die der Brunnenschule Bad Vilbel. Das Zeltdorf an der Friedberger Pfingstweide stehe bereits leer, berichtet Schnelzer. „Es ist schon seit Mitte Januar nicht mehr belegt, bleibt aber stehen, damit wir den Platz weiter nutzen können, wenn wir doch müssen.“ Die räumliche Enge habe sich aber fürs Erste entspannt. „Das kann sich aber natürlich schnell ändern“, mahnt die Kreis-Sprecherin.

Für die Entspannung ist man in Karben dankbar. „Wir haben Probleme, anerkannte Asylbewerber in Wohnungen zu vermitteln“, erklärt Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Die Menschen könnten nun länger in den Unterkünften bleiben. „Für die nächsten drei Wochen ist uns angekündigt worden, dass gar keine Flüchtlinge kommen.“

220 Menschen hat die Stadt derzeit untergebracht und 25 Wohnplätze frei. Bleibe die Lage so, überlege die Stadt, Aufnahmekapazitäten zu reduzieren, kündigt Guido Rahn an. Erste Mietverträge liefen schon im Herbst aus. Ob sie wirklich gekündigt werden, sei aber noch offen: „Wir prüfen auch die Option, diese als günstige Wohnungen weiter zu nutzen.“ Das sei in Gewerbegebieten nicht möglich, da Wohnen dort nur als Sondernutzung erlaubt sei. Ähnlich in Nidderau: „Schon seit Monaten bleiben die Zuweisungen unter den angekündigten Zahlen“, so Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD).

Kindesentzug droht

Über 420 sollten es jetzt sein, aktuell wohnen 300 Flüchtlinge in der Stadt. „Wir sind entspannter“, sagt Schultheiß. „Vorher war alles von Hektik geprägt, auch kostentechnisch.“

Gestern haben in Karben Mitarbeiter von Jugendamt und sozialen Diensten ein Gespräch mit jener Flüchtlingsfamilie geführt, die am Montag mit einem extremen Protest für große Aufmerksamkeit sorgte: Der Vater hatte sich mitten auf die Bahnhofstraße vor ein Auto gelegt, seine Familie hinzu gezerrt und ein eigenes Haus als Unterkunft eingefordert (die FNP berichtete). Laut Bürgermeister Rahn sei Vater und Mutter klargemacht worden, dass ihnen der Entzug der Kinder drohe. Nun wollten die Kurden aus dem Irak ihre Situation akzeptieren. Eine eigene ehrenamtliche Patin kümmert sich um sie. Hessen Seite 18

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