Von Döner und Duldung

Freie Wähler spazieren kritisch durch Groß-Karben

Die Freien Wähler sind zu einem Stadtspaziergang durch Groß-Karben aufgebrochen. Vieles hat sich bewegt, stellen sie mit Bewunderung fest, doch an einigen Missständen kommen sie dennoch nicht vorbei. Dabei kommen sie auch mit den Bürgern des Ortes ins Gespräch –- was ein leckeres Mittagessen werden sollte, wird so zu einem kritischen Gespräch zur Asylpolitik.

Zuerst geht es vom Rathaus aus über die Niddabrücke zum Parkplatz am Hessenring. Aber schon um über die Brücke zu kommen, hat Marc Griffiths mit seinem Rollstuhl Probleme und ist auf fremde Hilfe angewiesen. „Die Brücke ist zwar schön, aber leider zu steil, alleine würde ich hier nicht weiterkommen“ sagt er. Alle sind sich einig, hier besteht Handlungsbedarf.

Weiter geht es in das Baugebiet Am Park in Groß-Karben. Auf dem Werbeschild ist zu lesen „Wohnen im Grünen“, wobei die enge Bebauung kaum durch Grünanlagen aufgelockert wird. Lediglich der Schlosspark nebenan hinterlässt einen grünen Eindruck. „Wir Freien Wähler hatten bereits die enge Bebauung kritisiert,“ kommentiert die Stadträtin Rosemarie Plewe.

Besondere Atmosphäre

Angekommen an dem neu gestalteten Eisrei-Platz bei herrlichem Sonnenschein lässt sich die Gruppe nieder. „Es ist schön geworden hier, da ist richtig „Atmosphäre“ entstanden,“ stellt der Vorsitzende Thorsten Schwellnus fest. Insbesondere laden die Sitzgelegenheiten an dem Brunnen und die Außenbestuhlung der Gastronomie zum Verweilen ein. Ein echter Gewinn für die Stadt, waren sich alle einig: Nur die Fahrradständer fehlen noch!

Zum Ende der Begehung finden sich alle Teilnehmer zum Essen bei Halil’s Kebap ein und kommen sofort mit dem Inhaber Halil Akinci ins Gespräch, der bereits 1991 als erster in Karben einen Dönerladen eröffnet hat. Welche Wünsche oder Sorgen der Gastronom hat, fragt Stadtverordnete Laura Macho. „Es war eine harte Zeit für uns alle Gewerbetreibenden hier während der Straßenbauarbeiten, zum Glück hatten wir die Kinder von der Kurt-Schumacher-Schule, sonst hätten wir hier im Laden nicht überlebt.“

Erster Laden mit Azubi

Kritik gibt es auch an der Stadt. So hätte er sich in dieser Zeit mehr Unterstützung gewünscht, oder wenigstens eine kleine Entschädigung, meint er. Auf eines ist er aber besonders stolz: „Ich betreibe den ersten Dönerladen, der einen Azubi hat“ sagt er. „Wir haben uns in diesem Jahr entschieden, einem aus Afghanistan stammenden Flüchtling eine Chance zu bieten“, sagt Akinci. Schon einmal hatte er mit einem Geflüchteten zusammengearbeitet. Leider ist sein ehemaliger Mitarbeiter unverhofft abgeschoben worden, als er sich gerade gut eingearbeitet hatte. „Da hat man keine Planungssicherheit“ mahnt Akinci im Gespräch mit dem Stadtverordneten Bodo Macho.

„Wir wollen dafür sorgen, dass Geflüchtete mit Aufenthaltsstatus hier eine qualifizierte Ausbildung machen und Arbeit finden“, sagt die Stadtverordnete Laura Macho. Das eröffne auch die Möglichkeit, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Sicher ist der Aufenthalt für die Dauer der Ausbildung und weitere zwei Jahre. Das soll auch den Ausbildungsbetrieben und späteren Arbeitgebern Sicherheit geben.

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