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Hühner-Stallanlage des Margarethenhofs Karben-Kloppenheim brennt an der B3 zwischen Karben und Bad Vilbel, einige tausend Legehennen sterben beim größten Eierproduzenten im Rhein-Main-Gebiet

5000 Tiere tot

So geht es der Familie des Margarethenhofs nach dem verheerenden Brand

Hühner laufen um ihn herum, als Karl August Kliem auf dem Feld neben seiner Hühnerstallanlage steht. Alle paar Minuten geht er ans Handy, den Blick dabei auf das Unfassbare gerichtet, was vor seinen Augen geschieht: Zwei der vier Hühnerställe brennen lichterloh. Die Flammen schlagen seitlich unter dem Dach hervor. Dichter schwarzer Rauch formt sich zu einer massiven Säule, die weit in den Himmel hinauf steigt. Noch aus weiter Entfernung ist das Inferno dadurch sichtbar.

Hühner laufen um ihn herum, als Karl August Kliem auf dem Feld neben seiner Hühnerstallanlage steht. Alle paar Minuten geht er ans Handy, den Blick dabei auf das Unfassbare gerichtet, was vor seinen Augen geschieht: Zwei der vier Hühnerställe brennen lichterloh. Die Flammen schlagen seitlich unter dem Dach hervor. Dichter schwarzer Rauch formt sich zu einer massiven Säule, die weit in den Himmel hinauf steigt. Noch aus weiter Entfernung ist das Inferno dadurch sichtbar.

In Karben, heißt es in Radio-Ansagen, mögen die Anwohner aus Sicherheitsgründen bitte die Fenster schließen. Dorthin zieht der Brandrauch. Das Feuer hatte ein Mitarbeiter gegen 11.40 Uhr entdeckt und sofortAlarm geschlagen, erklärt Kliem. Zugleich seien automatische Alarme ausgelöst und via Handy übertragen worden. Nur wenige Minuten später waren die ersten Feuerwehrleute aus Karben da.

Als weitere Mitarbeiter vor Ort waren, sei versucht worden, so viele Tiere wie möglich ins Freie zu bringen. Rund 500 Tiere werden es am Ende schaffen. Ein wenig verängstigt ducken sie sich unter einen Hänger, der hinter dem Stall steht.

Viele Tiere aber stehen selbst noch im Angesicht des Feuers auf ihren Volieren im Stall oder laufen an den offenen Türen auf und ab und den Feuerwehrleuten zwischen den Stiefeln herum. Einer der Männer in voller Montur greift beherzt zu und befördert mit einem sachten Wurf einige der vom Löschwasser durchnässten Tiere ins Freie.

Rund 5000 Hennen werden es am Ende nicht mehr geschafft haben. Der wirtschaftliche Schaden dadurch liegt laut Polizei bei rund 40 000 Euro. Kleines Glück im Unglück: "Die Ställe waren nicht mehr voll besetzt", sagt Juniorchef Karl Wilhelm Kliem. Gerade sei die Ausstallung gelaufen, um danach neue Tiere aufzunehmen. Insgesamt hält der Margarethenhof rund 60000 Hennen. Zwei Drittel davon leben in den vier Ställen auf dem Gelände direkt neben der B3, die übrigen im direkten Umfeld von Hof und Hofladen im Ortskern.

Noch wesentlich teurer dürfte der Schaden an dem Gebäude sein. Für 2,5 Millionen Euro hatten die Kliems die Ställe vor erst acht Jahren gebaut. Die beiden westlichen Ställe scheinen unbeschädigt geblieben zu sein. Vor Ort sind die Mienen von Vater und Sohn wie versteinert.

Warum das Feuer ausbrach, kann sich niemand erklären: "In den Gebäuden haben wir nichts Brennbares verbaut", sagt Karl Wilhelm Kliem. Die Ställe hätten nur aus Betonwänden und Metalleinbauten bestanden. Erst eine Woche zuvor habe eine Fachfirma die Anlage "blitzblank gereinigt", sagt Karl August Kliem. Lediglich seien auf dem Dach der Anlage Fotovoltaikanlagen installiert gewesen.

Ob diese den Brand ausgelöst haben könnten? "Das prüfen wir ebenfalls", erklärt Polizeisprecherin Sylvia Frech. Die Kripo will am Montag und Dienstag nach der Ursache forschen. Alle technischen Anlagen würden begutachtet, sagt Frech. Frühestens in der nächsten Woche lägen Erkenntnisse vor.

100 Einsatzkräfte der Feuerwehr, vom Roten Kreuz und der Polizei sind im Einsatz. Alle Karbener Feuerwehren, aus Bad Vilbel die Dortelweiler und die Kernstadt-Wehr hat Stadtbrandinspektor Christian Becker alarmiert. "Als ich die Rauchsäule sah, war sofort klar, dass es kein kleiner Brand ist." Das ahnen beispielsweise auch die Nachbarn im Dortelweil, die die Rauchwolke über ihrem Ort hängen sehen. Fast alle Augen in der Region richten sich am Mittag dorthin. Weil Feuerwehrchef Becker weiß, dass es weit außerorts brennt, lässt er die Feuerwehren vom Heilsberg, aus Friedberg und Limeshain per Tankwagen Löschwasser bringen. Erstmals karren auch Tankfahrzeuge der Lade- und Transportgemeinschaft Wetterau West (LTG) Löschwasser heran. Welche tragische Ironie: Die LTG hat ihren Sitz auf dem Hof Kliem.

Nach gut einer Stunde hatten die Feuerwehren aus Karben und Bad Vilbel den Brand unter Kontrolle. "Ein Innenangriff war nicht mehr möglich, alles stand in Vollbrand", erklärt Feuerwehrchef Becker. Bis weit in den Nachmittag hinein blieben die Einsatzkräfte aber mit einer Brandwache vor Ort, falls ein Glutnest neu aufflammen sollte.

Mit dem Ausfall der beiden Ställe rechnet Karl August Kliem jetzt mit Lieferengpässen. "Wir konnten bisher die Nachfrage schon nicht decken." Die Eier aus Karben werden nicht nur im eigenen Hofladen, sondern unter anderem in den "Landmarkt"-Abteilungen von 54 Rewe-Märkten im ganzen Rhein-Main-Gebiet angeboten.

Erst mal aber müssen Familie Kliem und ihre Mitarbeiter diesen Schock verarbeiten. Nicht wenigen von ihnen kommen die Tränen, als sie sehen, wie die Ställe in Flammen stehen und viele Hennen tot darin liegen. Ein Notfallseelsorger kümmert sich um sie. Zuvor aber bauen die Mitarbeiter auf der Wiese hinterm Stall einen provisorischen Zaun auf. Damit die überlebenden Hühner erst mal sicher stehen. Am Abend sollen die Tiere dann eingefangen werden, erklärt Karl August Kliem. Ein Lehrling des Betriebs könne die Hennen aufnehmen, da bei ihm glücklicherweise gerade ein Stall leer stehe. Derweil arbeiten Elektriker daran, die Technik der unbeschädigten westlichen Stallgebäude wieder in Gang zu bringen. Den Hühner darin ist nichts passiert. Eine weitere Entscheidung ist am späten Nachmittag schon gefallen; "Wir bauen wieder auf, auf jeden Fall", sagt der Seniorchef. "Die Hühner und Eier fehlen uns ja."

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