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Die Altenpflege empfinden Paul Kister und Lena Pikowski aus Karben als sinnerfüllend. Deshalb haben sich die beiden Auszubildenden für diesen Berufsweg entschieden und absolvieren ihre Ausbildung im Groß-Karbener ASB-Altenzentrum.

ASB Karben

Glückliche Altenpfleger? Das geht!

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Sinn im Job zu finden, ist für die meisten Arbeitnehmer sehr wichtig. Und zu den sinnerfüllenden Berufen gehört zweifelsohne die Altenpflege. Doch allzu oft gerät dieser so wichtige Beruf in Negativschlagzeilen: Von schlechter Bezahlung bis hin zur Ausbeutung ist die Rede und prekären Bedingungen, die im Burn-out enden. Doch nicht so bei Lena und Paul. Sie sind Azubis beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Karben und erleben ihren Job als Traumberuf.

Das Ausbildungsjahr hat begonnen, doch wer möchte, kann sich auch jetzt noch beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Karben um einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum in der Pflege bewerben. Doch wie verlockend ist dieser Beruf in Zeiten des Pflegenotstandes?

Nach ihrer Frühschicht nehmen sich die beiden Azubis Lena Pikowski und Paul Kister Zeit um über ihre Arbeit zu sprechen. Beide haben ihren Traumberuf gefunden. Lena stammt aus Karben und ist Auszubildende im dritten Lehrjahr. „Ab Oktober bin ich Fachkraft“, erzählt die 20-Jährige. Und so kam sie dazu, diesen Beruf zu lernen: „Ich habe ein Schüler-Praktikum gemacht, und das hatte mir total gut gefallen.“ Ihre Ausbildung begann sie zunächst im Krankenhaus, sattelte aber um. Denn in Kliniken wechselten die Patienten schnell, im Altenheim kann sie hingegen Beziehungen aufbauen. „Man weiß, was den Leuten gefällt und was nicht – man gewöhnt sich aneinander.“

Was sie außerdem mag: „Man bekommt etwas zurück, kann den Menschen mit Kleinigkeiten eine Freude machen.“ Altenpflege sei viel mehr als Waschen, zur Toilette bringen und Essen anreichen. „Man redet mit den Leuten, wenn es ihnen schlechtgeht, man begleitet sie auf ihrem letzten Weg.“ Wie sie merke, seien die meisten Bewohner sehr dankbar für die Unterstützung.

Ein Erfolgserlebnis ist es für Lena, wenn Menschen ihre Fähigkeiten lange behalten. „Wir leiten sie an, wenn es ihnen schon etwas schwerer fällt. Zum Beispiel, dass sie den Löffel in die Hand nehmen. Oder wenn Therapien greifen.“ In der Bevölkerung bestehe oftmals ein vorgefertigtes Bild von Altenpflege – dass diese nur wenig emotionale Zuwendung beinhalte. „Aber es ist kein Abfertigen. Wenn man sich alles gut einteilt und sich auf die Kollegen verlassen kann, ist es kein Problem. Man kann währenddessen mit den Menschen sprechen, beim Waschen und beim Anziehen. Man kann auch mal zehn Minuten bei ihnen sitzen.“

Zudem gebe es ehren- und hauptamtliche Betreuer, die sich mit den Senioren beschäftigen. Elementar für den Job als Altenpfleger sei körperliche und seelische Belastbarkeit, sagt die junge Frau. Körperlich, da sie den Menschen hochhelfen und sie hochziehen können muss. Seelisch deshalb, da sie die Leute auch beim Sterben begleitet.

Paul Kister stammt ebenfalls aus Karben, ist im zweiten Lehrjahr und beschreibt, wie eine Frühschicht aussieht. Er ist einer der wenigen Männer in diesem Beruf, denn 70 bis 80 Prozent des Pflegepersonals sind Frauen. Paul arbeitet, da er noch Azubi ist, vorwiegend im Früh- und Spätdienst. Um sechs Uhr beginnt die Früh-, um 13 Uhr die Spätschicht. Jedes zweite Wochenende arbeiten die Pflegekräfte, das gleichen sie durch freie Tage unter der Woche aus.

In der Frühschicht steht morgens als erstes die sogenannte Übergabe mit dem Nachtdienst an. „Anschließend besprechen wir, wer welchen Bereich betreut“, schildert Paul. Auf Zetteln stehen Infos zu den Bewohnern oder werden notiert: beispielsweise, wenn jemand Magenschmerzen hat oder ein Angehöriger angerufen werden soll. Danach beginnt die Grundversorgung, wie Paul weiter erzählt. „Dabei berücksichtigen wir, wer gerne länger schläft und wer lieber früh aufsteht.“

40 Personen pro Wohnbereich sind es, um die sich in der Regel fünf bis sechs Kräfte kümmern. Die Arbeit in der vorgesehenen Zeit zu erledigen, funktioniere, denn der Hilfebedarf ist unterschiedlich. Bei manchen Bewohnern müssen lediglich die Kompressionsstrümpfe angezogen werden. Bei anderen – dies sei aber eher selten – bestehe ein hoher Pflegegrad. „Mobilisieren, waschen, eincremen, anziehen, Essen anreichen.“ Wichtig sei es vor allem, wie Paul hervorhebt, die Leute zu aktivieren.

Nach der Grundversorgung stehen den Bewohnern Unterhaltungsangebote zur Verfügung: etwa Gymnastik, Spielen, Bingo und Erzähl-Café. „Wir säubern und räumen in dieser Zeit die Wagen auf. Und wir dokumentieren“, erläutert der junge Mann.

Später am Vormittag folgen Dinge wie Toilettengänge und Kleinigkeiten wie Wasser holen. Anschließend stehen Mittagessen und Mittagsruhe auf dem Programm, die Pfleger decken für Kaffee und Kuchen ein. Zweimal pro Woche gehen die beiden Azubis zur Berufsschule in Bad Nauheim.

Paul entschied sich für diesen Beruf, weil er als Schüler ein Praktikum machte und begeistert gewesen sei. „Dieser Beruf bietet so viele Möglichkeiten und ist so vielfältig. Man ist mit Menschen zusammen, mit denen man Spaß haben, reden und Spiele spielen kann.“ Auch er betont: Das Klischee eines Altenpflegers, lediglich für Waschen und Anziehen zuständig zu sein, stimme nicht, betont er..

Geschichten über unwürdige Verhältnisse in anderen Einrichtungen kennen die beiden aus Berichten, was sie beim ASB erleben, ist jedoch das Gegenteil: Ein Beruf, der Spaß macht und Sinn stiftet.

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