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In der südlichen Wetterau greifen Jugendliche immer häufiger zum Joint. Der Zahl derer, die wegen ihres Cannabis-Konsums Hilfe bei der Suchtberatung suchen, ist gestiegen. Damit setzt sich ein Trend fort. Vor allem auf den Volksfesten ist Alkohol aber immer noch ein großes Problem.

Mehr Cannabisabhängige

Griff zum Joint wird bei Jugendlichen immer populärer

Jahrelang führten Wodka, Bier und Wein die Sucht-Statistik in Bad Vilbel und Karben an. Mittlerweile hat eine andere Droge aber den Alkohol verdrängt: Cannabis. Damit setzt sich ein Trend des Vorjahres fort: Schon damals hatten die Berater für Suchthilfe und Suchtprävention festgestellt, dass immer mehr Jugendliche „Gras“ konsumieren.

Nicht nur das Oktoberfest zeigt: Alkoholkonsum scheint für viele Deutsche zu einem Volksfest dazuzugehören. Dass Lutz Illhardt beim diesjährigen Vilbeler Markt aber ein erst 14 Jahre altes Mädchen mit 1,7 Promille im Blut erwischte, blieb dem Drogen- und Suchtberater für die südliche Wetterau doch im Gedächtnis hängen – obwohl er schon seit Jahren zusammen mit der Stadtpolizei bei öffentlichen Veranstaltungen Jugendliche kontrolliert, um ihnen gut zuzureden.

So eben auch dieses Jahr: Eines Abends trafen sie auf das Mädchen, das sich zuvor offenbar mit Freunden auf dem Festplatz getummelt hatte. „Wir haben sie angesprochen, aber sie hat ganz normal geantwortet. Wir haben ihr nichts angesehen“, berichtet Illhardt. Dennoch ließ man sie ins Röhrchen blasen: Die Skala schoss in die Höhe.

„Es war erschreckend, dass man ihr den Alkohol nicht angemerkt hat“, sagt Illhardt. Sie habe darum gebeten, dass niemand ihren Eltern etwas sagt. „Daran haben wir uns nicht gehalten, wir haben sehr wohl mit den Eltern gesprochen“, betont der Suchtberater.

Die Kontrollen auf Volksfesten wie dem Bad Vilbeler Markt gehört inzwischen zum Standardprogramm des Beraters. Jedes Jahr geht er zum größten Volksfest, zum Karbener Weihnachtsmarkt, zum Klein-Kärber Markt und etlichen Kerb-Veranstaltungen. Warum man gerade die Jugendlichen im Auge hat, erklärt Illhardt in seinem jetzt vorgelegten Jahresbericht: „Durchschnittlich findet der Erstkonsum von Alkohol mit 13,3 Jahren statt. Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen hat sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht. Die Risikobereitschaft bei den 15- und 16-Jährigen ist am größten.“

Die Kontrollen scheinen indes Wirkung gezeigt zu haben. Denn im Berichtsjahr habe er keine nennenswerten Vorfälle festgestellt. Der Alkoholkonsum bei den Minderjährigen sei 2017 „nicht auffällig“ gewesen. Harter Alkohol wie Wodka, sei „nur vereinzelt eingezogen“ worden. Allgemein seien die Jugendschutzkontrollen von den Volksfestbesuchern positiv aufgenommen worden.

Das ist aber nur ein Teil von Illhardts Tätigkeit. Ein anderer sind die Vorträge in Schulen. In Zusammenarbeit mit der Fachstelle Prävention, der Verkehrswacht, der Feuerwehr den Rettungsdiensten, Notärzten und der Polizei feiere das Projekt „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“ an Schulen echte Erfolge. Die Suchtberatung informiere über die Wirkungen von Drogen und Alkohol im Straßenverkehr. Mit einigen Übungen könnten die Jugendlichen mit Hilfe einer sogenannten Rauschbrille die Auswirkungen berauschender Substanzen auf die optische Wahrnehmung testen.

„Die Hälfte meiner Arbeitszeit ist Prävention, die andere Hälfte Beratung“, sagt der 60 Jahre alte Illhardt, der gemeinsam von den beiden Städten Bad Vilbel und Karben bezahlt wird. Die rund 80 000 Euro teilen sich die Städte, der Kreis zahlt – zum Bedauern der Verantwortlichen – einen seit langem konstanten Betrag von 5000 Euro.

Mit seinen 38,5 Stunden pro Woche leistet Illhardt erhebliche Beratungsarbeit. 164 Menschen hat er 2017 beraten, davon waren 136 selbst von einer Suchtproblematik betroffen, 28 gehörten zum sozialen Umfeld. Die hauptsächlichen Probleme waren mit 35 Prozent der Alkohol und mit 48 Prozent Cannabis. Insgesamt 96 Leute hatten laut Bericht „Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum illegaler Drogen“. 58 Personen seien mit Alkoholproblemen beraten worden. Bereits 2016 hatte er festgestellt, dass vor allem unter Jugendlichen der Konsum von Cannabis zunehme.

Die Statistik weist auch Erfolge auf: 46 Prozent der Beratenen waren nachher abstinent, bei 35 Prozent hatte sich deren Zustand gebessert. Nur bei vier Prozent habe sich etwas verschlechtert. Bei 15 Prozent blieb der Zustand unverändert. Damit hat Illhardt eine Erfolgsquote von knapp 80 Prozent.

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