Trauriges Schicksal

Heimatforscher berichtet über Vilbeler Quellenbesitzer

Damit die Menschheit aus den Fehlern der Vergangenheit lernt, ist es wichtig, sich diese immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Heimatforscher Stefan Kunz kam dafür für einen Vortrag ins Karbener Landwirtschafts- und Heimatmuseum.

Seit seiner frühen Jugend interessiert sich Stefan Kunz für die Geschichte der Mineralquellen in Bad Vilbel und Karben, aber auch darüber hinaus. „Angefangen hat alles mit elf Jahren, als ich als kleiner Bub mit Freunden in der Natur Verschlüsse und Scherben von alten Wasserflaschen gefunden habe“, erinnert er sich.

Im Laufe der Jahre wuchs das Interesse stetig und Kunz sammelte alles, was er darüber finden konnte. Kunz, der als Produktmanager bei dem Bad Vilbeler Mineralbrunnenbetrieb Hassia arbeitet, investiert viel Zeit und Arbeit in sein Hobby.

Auf den jüdischen Mineralquellenbesitzer Siegfried Wechsler und seiner Leidensgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus stieß Kunz bei den Vorbereitungen für die Ausstellung „Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen“, die in Bad Vilbel 2014 präsentiert wurde. Ab 2013 recherchierte er dafür den regionalen Fall der Vilbeler Siegfried-Quelle, die verknüpft ist mit der Familie Wechsler. Auf dieser Grundlage entstand das Buch „Siegfried Wechsler – Ein Vilbeler Bürger und Mineralquellenbesitzer“.

Da das Museumsteam des Karbener Geschichtsvereins häufig Vorträge über historische und regionale Themen organisiert, lud Vize-Vereinschef Rainer Obermüller Kunz kurzerhand ein. In einem knapp einstündigen Vortrag im Heimatmuseum stellte er den Besuchern seine Recherchen über den Aufstieg, die spätere Enteignung und schließliche Deportation der Familie vor. Eine Geschichte, die zwar leidvoll ist und auch die Zuhörer spürbar berührte, aber genau deswegen auch so eichtig und erzählenswert.

Der jüdische Geschäftsmann Siegfried Wechsler wurde 1892 in Bad Vilbel geboren. Ende der 20er Jahre gründete er die Siegfried-Quelle. Er arbeitete sich fast bis an die Spitze der Vilbeler Mineralquellenbetriebe, bis seinem Erfolg 1938 durch die Verfolgung und Ermordung der Juden in Deutschland ein Ende gesetzt wird.

Kunz zeigt in einer Präsentation Bilder und Dokumente, die aus der Zeit erhalten geblieben sind. Er hat ebenfalls Nachbildungen der damaligen Wasserflaschen und ein Original-Firmenschild mitgebracht, nach dem er dreißig Jahre lang gesucht hat. Die Recherchen gingen ihm nah: „Dieses Thema ist auch mir nicht leicht gefallen und hat mich oft sehr bewegt“, erzählt Kunz.

Der Applaus und Zuspruch der Besucher bestätigen, dass sich die Mühen gelohnt haben. Auch Obermüller ist dankbar. „Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, was damals passiert ist.“

Das Buch kaufen

Das Buch ist im Bad Vilbeler Kartenbüro, Klaus-Havensteinweg 1, für zehn Euro erhältlich. Der Erlös der Einnahmen kommt dem Bad Vilbeler Geschichtsverein zugute.

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