Der Petterweiler Glaskünstler Leo Streukens fertigt unter anderem Kunstwerke aus Holz und Glas. Für die Karbener Friedhöfe hat er nun Urnengrabplatten aus Edelstahl und Glas vorgeschlagen, die er im Bayerischen Wald entdeckt hat.

Künsler

Der Herr der Glaskunst: Leo Streukens kombiniert in seinen Werken Holz und Glas

Wer an Leo Streukens’ Haus in Petterweil vorbeikommt, sieht gleich, welche Leidenschaft er hat. Im Vorgarten steht eine hölzerne Stele mit eingelagerter Glaskunst. Und auch manch anderes Kunstwerk aus Glas findet sich dort. Weil es ihm dieser Stoff angetan hat, will er auch die Karbener Friedhöfe schöner gestalten.

Karben - Wer das Zuhause von Leo Streukens und seiner Frau betritt, sieht gleich, welche Gegenstände die Wohnräume zieren. An den Fenstern hängen Glascollagen, auf dem Wohnzimmertisch steht eine Schale aus glänzendem Glas, das je nachdem, wie man es hält, anders schimmert. Auf dem Fußboden unter der Treppe findet sich eine beleuchtete Glaskugel, die nach oben hin spitz zuläuft und mit ein bisschen Fantasie wie ein großer Tropfen aussieht.

"Vor zwanzig Jahren habe ich damit angefangen", sagt er. Klein, wie viele Hobbykünstler. Zunächst fertigte er Tiffany für die Fenster. Tiffany-Glaskunst ist laut Wikipedia eine Facette der handwerklichen Kunst des Louis Comfort Tiffany. Dabei geht es um eine Technik der Glasverarbeitung, mit der die Herstellung dreidimensionaler Gebilde möglich ist.

"Ich kann dabei Glasstücke unterschiedlicher Farben mit Kupferfolie fassen und dann zusammenlöten." Mit wenig Aufwand seien so die ersten Fensterbilder entstanden, sagt Leo Streukens.

Solche runden Urnengrabplatten aus Edelstahl und Glas schlägt Leo Streukens für die Karbener Friedhöfe vor.

Später entwickelte er die Glaskunst weiter. Statt zu löten, könne man die Teile auch schmelzen. So fertigte der Künstler mehrere Teile an und verschmolz sie dann bei 700 bis 800 Grad im Brennofen zu neuen Kunstwerken. "Das ist dann eine feinteiligere Arbeit", urteilt er. Auf diese Weise hat der 69-Jährige eine vierteilige Glasserie über die Jahreszeiten Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter produziert.

Alte Balken verarbeitet

Vor etwa sieben Jahren entdeckte der Petterweiler dann eine weitere Alternative zur Tiffany-Glaskunst. Er fertigte Glasplatten und setzte sie in Metallfassungen ein. So entstand beispielsweise eine große Laterne, die sich bei ihm gleichfalls im Wohnzimmerbereich findet. Leo Streukens dachte sich dann: Was in einen Metallrahmen geht, passt auch zwischen Hölzer. Eines Tages kam er an den Balken eines 200 Jahre alten Fachwerkhauses. "Dafür habe ich passende Gläser geschaffen und eingesetzt."

Holz und Glas, diese Kunstkombination hat es ihm angetan. Als Mitglied des Kirchenvorstandes räumte er zusammen mit anderen den Kirchgarten von St. Bardo auf. Dabei fanden sich zwei alte Sitzbänke, die dort seit 1984 draußen gelegen hatten. "Ich habe geschaut, ob das Holz noch verwendbar war", sagt er. War es, und wie.

Der Glaskünstler hat nämlich einzelne Glaselemente in Regenbogenfarben bei 800 Grad zu einer Glasträne verschmolzen. "So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht", sagte er, als er im vergangenen September diese Skulptur den Mitgliedern des Ortsbeirats vorstellte. Warum er die Farben des Regenbogens verwendete, erklärt er so: "Für mich ist der Regenbogen ein Zeichen von Leben." Die Träne in den Händen bedeute, dass der trauernde Mensch aufgefangen werde.

Mehr Würde für Gräber

Mit seinem Kunstwerk will Leo Streukens den Friedhöfen mehr Würde verleihen. Nun hat er eine neue Idee an die Verantwortlichen der Stadt herangetragen. Die hat er im Bayerischen Wald kennengelernt, wo die Glaskunst noch gepflegt wird. Bei Glaskünstler Köck in Oswald-Riedlhütte nahe Zwiesel ist er auf Grabplatten für Urnengräber aus Glas gestoßen. Seine Frau und er seien gleich begeistert gewesen.

Das Glas-Holz-Kunstwerk von Leo Streukens schmückt das Urnenrondell auf dem Petterweiler Friedhof.

Die Platten für die Urnengräber ähneln von der Seite einem Tisch mit runder Platte und rundem Unterbau. Das Gestell ist aus Edelstahl, die obere Platte teilweise aus Glas, teilweise aus Edelstahl. "Im oberen Teil der oberen Platte haben wir bunte Motive, in den unteren Teil können die Daten der Verstorbenen eingraviert werden." Er habe das sowohl Bürgermeister Guido Rahn als auch Erstem Stadtrat Friedrich Schwaab vorgestellt. "Beide sind ganz begeistert gewesen", sagt der Glaskünstler. "Solche teilweise gläsernen Grabplatten für Urnengräber sind doch lebendiger als die jetzigen Marmorplatten", sagt Streukens.

Er habe zudem alle Bestatter angerufen, ob sie eine solche Grabplatte aus Edelstahl/Glas nicht den Angehörigen von Verstorbenen anbieten wollen. Eine einzige Pietät habe sich einen Prototyp hingestellt. Diese Grabplatten würden dann von Köck im Bayerischen Wald gefertigt.

Er will die Satzung ändern

Leo Streukens hofft nun, dass sich solche Grabplatten auf den Karbener Friedhöfen verbreiten. Dafür aber müsste erst einmal die Friedhofssatzung geändert werden. Denn darin sind solche Platten gar nicht zugelassen. "Aber der Bürgermeister hat mir zugesichert, dass die Satzung angepasst wird", ist er optimistisch, dass sich Glasplatten auf Gräber auch in Karben realisieren lassen.

von Holger Pegelow

Info: Nur eckige Grabplatten erlaubt

In den Gestaltungsvorschriften der Friedhofssatzung steht: "Auf Urnenrasengrabstätten sind Grabmale ausschließlich als liegende Platten zulässig. Die Grabmale sind erdbündig zu verlegen, es sind nur vertiefte Schriften und Symbole gestattet. Die Grabplatten sind in eckiger Form in der Größe 45 mal 45 Zentimeter bei einstelligen Grabstätten oder 60 Zentimetern Länge mal 45 Zentimeter Breite bei zweistelligen Grabstätten anzufertigen." Die Grabplatten für die Urnenrasengräber auf dem Friedhof Groß-Karben sind aus Multicolor rot – Granit herzustellen. Somit sind ausschließlich eckige Grabplatten aus Granit erlaubt sind. Runde aus Edelstahl/Glas aber nicht. Dafür müsste die Friedhofssatzung angepasst werden. Damit ist die Verwaltung befasst. Die politischen Gremien werden sich voraussichtlich im Frühjahr damit befassen. pe

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