Kelterei Rapp's

Hier brüht der Saftladen jetzt auch Tee

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Mit Apfelsaft und Stöffche zischt’s: Gegen den Abwärtstrend im Fruchtsaftmarkt kann sich die Karbener Kelterei Rapp’s erfolgreich behaupten. Dabei setzte 2017 das schlechteste Apfeljahr seit Jahrzehnten auch dem größten hessischen Fruchtsafthersteller stark zu. Doch nicht zuletzt dank ganz neuer Produktionssegmente geht es bei der Hassia-Tochter kräftig voran. Sie profitiert von Zukäufen der Mutter.

„Gleich müsste es hier kochen“, sagt Thomas Ullrich (51) und bittet um einen Schritt Abstand. Im „Torpedo“ genannten Kessel soll gleich der Tee aufbrühen. Seit 28 Jahren ist Ullrich Kellermeister in der Karbener Kelterei Rapp’s. Doch dass er dort auch einmal Tee zubereiten würde, das hätte er nicht gedacht. „Sehr spannend, das zu lernen.“

Rapp’s-Geschäftsführer Volker Thoma kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Auch ihn fasziniert die Technik, die in den vergangenen Wochen zusätzlich in die Kelterei-Halle auf dem Firmengelände am Selzerbrunnen am Rand des Karbener Stadtzentrums verbaut wurde. Silber glänzende Rohre über und über, die beiden Teekessel in einer ungewöhnlich martialischen Form. „Unser Saftladen wird nun auch zu einer Teeküche“, sagt Thoma und grinst.

Frisch gebrüht wird in den Kesseln der Erfrischungstee der Bio-Marke „Ti“. Diese hatte die Rapp’s-Mutter Hassia 2017 von Radeberger gekauft. Produktion und Abfüllung hat Hassia nun an den Standort Karben verlegt. Vom Hassia-Sitz in Bad Vilbel, dorthin war erst vor zwei Jahren eine „kleinere“ Abfüllanlage für PET-Plastikflaschen verlegt worden.

Die sorgt bei Rapp’s inzwischen für richtig viel Beschäftigung. Nicht nur Saftmischgetränke von Hassia-Marken werden hier abgefüllt. Sondern auch die Plastikflaschen der ebenfalls von Radeberger an Hassia übergegangenen Kultmarke Bionade. Per Tankzug wird die Brause aus Ostheim (Rhön) in die Wetterau gefahren und dann abgefüllt. Die Abfüllung in Glasflaschen, für Bionade der größere Anteil, geschieht weiter in der Rhön.

Diese „Lohnabfüllung“ im Auftrag der Konzernmutter hat sich für die Karbener Kelterei zu einem wichtigen Standbein entwickelt. „Wir sind nun durchgehend im Zwei-Schicht-Betrieb ausgelastet und fahren auch oft im Drei-Schicht-Betrieb“, erklärt Geschäftsführer Thoma. Die Maschinen sind also 24 Stunden in Betrieb.

Dabei wächst Rapp’s auch im Kerngeschäft: Während die Fruchtsaftbranche im vergangenen Jahr um drei bis vier Prozent eingebrochen sei, habe die Kelterei sogar ein „kleines Plus“ beim Absatz erzielen können, erklärt Thoma. Auch der Umsatz sei „erweitert“ worden. Genauere Zahlen gibt die Hassia-Tochter nicht heraus. Zwei Drittel der 30 Millionen Hektoliter Jahresabsatz machen bei Rapp’s die Säfte aus, ein Drittel die Apfelweine. Die Kelterei ist bundesweit der größte Apfelwein-Abfüller, Karben damit die Stöffche-Hauptstadt im Land.

Gerade das Geschäft mit dem Apfel war 2017 schwierig. Es war eines der schlechtesten Apfeljahre überhaupt. Fröste während der Blüte hatten viele Bäume leer bleiben lassen. Für Rapp’s und den ebenso aus Karben gesteuerten Schwesterbetrieb Kumpff bei Stuttgart bedeutete das viel Arbeit. Statt aus der Bodenseeregion und Württemberg mussten die Kelterer neue Obstquellen erschließen. Sie kauften in Bayern, dem Alten Land bei Hamburg und auch in Tschechien ein.

Besonders schwer sei es gewesen, genügend Bio-Äpfel zu bekommen, seufzt Volker Thoma. „Die waren wertvoll wie Bronze.“ Folge: Massive Preiserhöhungen beim Bio-Apfelsaft. Um den Platz in den Supermarktregalen zu verteidigen und den Kunden Verlässlichkeit zu bieten, produzierte Rapp’s dennoch weiter, reduzierte jedoch auf nur noch einen Bio-Artikel. „Das wollen wir schnell wieder ausweiten.“

Merken werden die Kunden das beispielsweise, wenn Rapp’s seine Serie saisonaler Säfte nach Johannisbeere, Kirsche und Rhabarber in diesem Sommer um Erdbeere ergänzt. „Das wird sich eignen für Mischgetränke und Schorlen“, sagt Thoma. Es sei schon ein Nischenprodukt, räumt er ein. Doch immer wieder sei Rapp’s erfolgreich in solche Märkte vorgestoßen.

Dabei müsse es auch nicht stets zwingend Bio sein, weiß Thoma: Viele Kunden griffen bewusst zu regionalen Produkten wie Rapp’s-Säften statt zu „Bio“, das aus weit entfernten Ländern stammt. Helfen soll dem Karbener Kelterer auch ein Ausbau des Marketings. Noch zielgenauer sollen neue Produkte den Kunden näher gebracht werden. Was nicht zwingend große Werbekampagnen mit sich bringen werde, wie der Chef erklärt. Beispiel: Die Wiederbelebung der alten Marke „Blauer Bock“ der Kelterei Höhl aus Hochstadt – auch sie gehört zu Rapp’s und Hassia – funktioniere über Mundpropaganda sehr erfolgreich. Mit der neuen Mischung Apfelwein-Cola setzt die Kelterei auf neue Absatzrekorde.

Diese Mischung sei für Liebhaber ein Sakrileg, weiß der Rapp’s-Chef. Dagegen keltert Höhl unter der Marke „Der alte Hochstädter“ das zweite sortenreine Jahrgangs-Stöffche: Auf den herben Boskoop folgt ein süffigerer Jonagold. Im großen Hochregallager finden sich die Flaschen von Rapp’s, Höhl, „Ti“ und Bionade nun Seit’ an Seit’. Platz genug sei dort noch, erklärt der Keltereichef. Allerdings stoße Rapp’s in den Produktionshallen nun an Grenzen. Platz für Erweiterung gibt es auf dem Gelände aber genug. Eine Vergrößerung sei aber aktuell noch nicht nötig.

Positive Auswirkungen hat das Ausweiten des Geschäfts auch auf die Mitarbeiterzahl. Waren vor wenigen Jahren 70 Menschen bei Rapp’s tätig, sind es nun 100. Mit dem Aufbau der „Ti“-Herstellung und -Abfüllung habe sich die Kelterei Know-how in Sachen Bio-Produktion angeeignet, ist Volker Thoma zufrieden. „Das können wir in nächster Zeit sehr gut nutzen.“

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