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Hühnerstall-Brand

Die Hühnerställe sollen so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden

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So schnell wie möglich sollen die vor einer Woche abgebrannten Hühnerställe des Margarethenhofs aus Kloppenheim wieder aufgebaut werden. Dieses Ziel haben sich die Betreiber, Familie Kliem, gesetzt.

Katharina Damm-Kliem und ihr Mann Karl Wilhelm Kliem stehen in der offenen Tür, die früher zum Zwischenraum zwischen den beiden Hühnerställen führte. Dahinter befindet sich kein einzelner Raum mehr. Der Blick geht in beide Richtungen in die offene Halle ohne Dach. Verkohlte Teile ragen vereinzelt auf, Schutt liegt überall herum.

Die Betonwände schimmern gräulich weiß. „Der Ruß ist an den Wänden verbrannt, deshalb“, erklärt Kliem. Mit mehr als 1100 Grad habe das Feuer in den Hühnerställen gewütet. „Das hat man herausgefunden, weil man geschmolzenes Kupfer gefunden hat.“

Was am Freitag vergangener Woche in den beiden außerorts zwischen Kloppenheim und Dortelweil gelegenen Ställen des Margarethenhofs passiert ist, hat viele Menschen schockiert. Bei dem Großbrand verendeten 5000 Hennen.

Darauf angesprochen, muss sich Katharina Damm-Kliem auch nach einer Woche noch kurz sammeln. „Das war absolut schrecklich.“ Zu sehen, wie der Stall brenne, und nichts tun zu können, während man wisse, dass die Tiere noch darin seien: „So etwas möchte niemand erleben“, sagt ihr Mann. Er war als einer der ersten am Brandort. Mit einem Mitarbeiter rannte Kliem ums Gebäude, öffnete die Tore des südlichen Stallteils. „Auf ihn hatte das Feuer da noch nicht übergegriffen.“ Doch nur etwa 500 Hennen liefen heraus. Sie sind inzwischen in anderen Ställen des Hofs verteilt worden. Die meisten Tiere aber seien im Stall geblieben. „Sie können die Gefahr nicht einschätzen und blieben einfach sitzen“, erklärt der Landwirt. In ihrem Stall fühlten sie sich Zuhause – und gerade in einem solchen Moment suchten die Tiere die Sicherheit ihres gewohnten Umfeldes. Auch wenn es drum herum schon lichterloh brannte.

„Der Anblick war herzzerreißend“, sagt Kliem, spricht dabei leise. Ja, die Tiere seien keine Haus-, sondern Nutztiere. „Aber wir halten Legehennen seit 60 Jahren, ich bin mit ihnen aufgewachsen.“

Das aber wurde für die Hennen zur Todesfalle. Nachdem der Brand etwa in der Mitte des nördlichen Stallteils ausbrach, fraßen sich die Flammen über die Holzbinder-Konstruktion des Dachs über den Zwischenraum auch in den südlichen Stallteil weiter durch.

Warum das Feuer überhaupt derart massiv wütete, darauf kann sich Karl Wilhelm Kliem bis heute keinen Reim machen. „Es ist nicht viel darin gewesen, was brennen kann.“ Die Wände aus Beton, die Volièren der Hühner aus Stahl. Immerhin: Weil gerade die Neugestaltung der Ställe in Gange war, waren sie noch nicht voll besetzt. Denn der abgebrannte Teil der Anlage hatte genug Kapazität für 20 000 Tiere, die direkt neben der B3 gelegene Anlage fasst gesamt 40 000 Tiere. Auch was genau die Ursache war, wird schwierig herauszufinden sein. Die Kripo hat zumindest Brandstiftung ausgeschlossen und auch einen Defekt an der Solaranlage, die erst 2016 auf den Dächern installiert worden war. „Das war alles vom Regierungspräsidium genehmigt“, erklärt Kliem.

Dazu gehört auch der Brandschutz: Dass der funktioniert, hatten die Kliems beim Bau der Anlage 2010 darlegen und sich genehmigen lassen müssen. Und dann erneut 2016 wegen des Baus der Photovoltaik-Paneele. Nach den bisherigen Plänen will die Familie nun die Anlage wieder aufbauen. Schon am Abend des Brandtags hatte Seniorchef Karl August Kliem dies angekündigt. Längst ist Junior Karl Wilhelm in Kontakt mit den diversen dafür zuständigen Behörden. Das Handy klingt im Minuten-Takt.

Zum einen gilt es als erstes, eine Abbruchgenehmigung zu erhalten. Denn die Betonwände sind zu stark beschädigt. Fachleute müssen ran, weil die Überreste nach dem Feuer nun Sondermüll sind. Und weil das Gebäudegerippe einsturzgefährdet ist, da die Wände keinen Halt mehr haben, weil das Dach fehlt. Immerhin: Von den Behörden erfahre man viel Verständnis, freut sich Karl Wilhelm Kliem. Schnelle Bearbeitung hätten alle zugesagt. Geht alles glatt, wird nächste Woche abgerissen. Die Abrissverfügung vom Kreisbauamt sollte noch am Donnerstag eintreffen. Binnen vier bis fünf Monaten, hoffen die Kliems, stehen die Ställe wieder.

Das ist auch bitter nötig für den Betrieb. Gerade einmal halb so viele Kartoffeln wie bisher erntete sie in diesem Jahr, Weizen- und Maisernte waren ebenfalls schlecht. Und nun fehlt ein Drittel Kapazität bei der Eierproduktion. 55 000 Eier gibt es normalerweise täglich hier. Der Margarethenhof ist der größte Eierproduzent in Rhein-Main.

Lieferengpässe gebe es dennoch nicht, betont Katharina Damm-Kliem. Der Hofladen sei normal geöffnet und auch die „Landmarkt“-Abteilungen der Rewe-Märkte im ganzen Rhein-Main-Gebiet würden normal beliefert. Mit einem Großabnehmer, der ein Viertel der Kapazität unter anderem für Edeka einkaufe, habe man vereinbart, die Lieferungen auszusetzen, sagt Karl Wilhelm Kliem.

Schwierig sei die Lage dennoch, weil mit der Weihnachtszeit nun die Hauptabsatzzeit für Eier vor der Tür stehe. Den fehlenden Umsatz können die Kliems nicht ausgleichen. Immerhin: Die Versicherung wird den Gebäudeschaden wohl übernehmen. Der Gesamtschaden dürfte bei an die 1,2 Millionen Euro liegen, schätzt Kliem. Angesichts des Leids für die Tiere mag sich Katharina Damm-Kliem darüber aber nicht beschweren, ganz im Gegenteil. Auch reagierten viele Menschen im Hofladen toll und sprächen ihr Mitgefühl aus. Allerdings: Derzeit kämen spürbar weniger Kunden – wohl, weil sie in einigen Medien lasen, dass der Hof selbst abgebrannt sei. „Das stimmt aber nicht, wie haben geöffnet und brauchen die Unterstützung durch die Einkäufe“, sagt Damm-Kliem.

Verarbeitet habe die Familie die schrecklichen Bilder vom Brand-Mittag bisher nicht, erzählt die Hofladen-Chefin. „Wir funktionieren derzeit und haben so viel zu tun, dass wir nicht dazu kommen, uns Gedanken zu machen.“

BEITEXT

Wiederaufbau mit Extra-Brandschutz Karben

Seit 2010 sind die Hühnerställe des Margarethenhofs zwischen Kloppenheim und Dortelweil in Betrieb. Alles sei aufwändig genehmigt worden, erklärt Betreiber Karl Wilhelm Kliem – auch der Brandschutz. Doch hätte man nicht mehr machen können, zum Beispiel eine Sprinkleranlage, wie Kommentatoren in sozialen Netzwerken nachfragten? „Von einem Stall mit Sprinkleranlage habe ich noch nie gehört“, sagt Kliem. Diese könne aus zwei Gründen auch nicht funktionieren: Zum einen sei der Stall teils durch die Volièren verbaut, wodurch Löschwasser nicht den gesamten Raum erreichen könne. Zum zweiten würde eine solche Anlage aufgrund des vielen Staubs im Stall verkleben. „Und man kann ja nicht einfach mal anmachen und durchwaschen, denn dort sind ja Tiere drin.“ Lehren aus dem Brand wollen die Betreiber nun beim Neubau ziehen: Das 132 Meter lange Dach soll per Brandschott zweimal unterbrochen werden, damit sich nicht erneut ein Feuer über die gesamte Länge ausbreiten kann. Auch prüfen die Kliems, ob der nebenan liegende und vom Feuer verschonte Stallbau mit weiteren 20 000 Hennen ebenfalls mit Brandschotts nachgerüstet werden kann. dpg

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