Naturschutz in Bad Vilbel

Wo Hunde angeleint sein sollen

  • vonSusanne Krejcik
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An einem vorfrühlingshaften Tag treffen sich Mitglieder des Vereines Tierschutz Karben mit dem Bad Vilbeler Gewässerökologen Gottfried Lehr an der Nidda. Sie wollen Argumente austauschen und für gegenseitiges Verständnis werben.

Die Natur brauche Rückzugsräume, sagt Naturschützer Gottfried Lehr. Für eine artgerechte Haltung müssten Hunde auch mal ohne Leine laufen dürfen, sagt Hundebesitzerin Gaby Winter. Um zu Regelungen zu kommen, mit der alle leben könnten, „müssen wir miteinander reden“, meint Lehr, als Gewässerökologe unter anderem auch für die Planung der Nidda-Renaturierung in den Nachbarstädten Bad Vilbel und Karben zuständig.

Er und Mitglieder des Vereins Tierschutz Karben treffen sich an der Nidda bei Klein-Karben südlich des Günter-Reutzel-Sportplatzes. Die Nidda-Renaturierung in diesem Bereich wird von der Gerty-Strohm-Stiftung finanziert. Lehr stellt den Tierfreunden vor, wie es nach der Nidda-Renaturierung dort demnächst aussehen wird. „Hier wird ein Damm errichtet, der von hier an nicht mehr direkt am Fluss entlang verläuft“, erläutert er.

Doch bevor der Weg für Spaziergänger und Radfahrer vom Fluss weg führt, werde eine Stelle errichtet, an der Menschen und Hunde den Fluss aus unmittelbarer Nähe erleben könnten. „Hier entsteht ein abgeflachter Uferbereich, der den Zugang zur Nidda ermöglicht“, erklärt Lehr. An dieser Stelle wolle man Mensch und Tier den direkten Zugang zum Fluss als Lebensraum ermöglichen. Ein gelungenes Beispiel für ein solches Vorhaben gebe es in Bad Vilbel-Gronau.

Da, wo Nidder und Nidda zusammenfließen. „Dort wurde ein abgeflachter Bereich geschaffen, der gern von Menschen samt Vierbeinern genutzt wird“, so Lehr. Dafür müsse es im Gegenzug Bereiche geben, „in denen der Mensch die Natur in Ruhe lässt“, wirbt Lehr. Allein schon zum Schutz von bodenbrütenden Arten wie des Kiebitzes und des seltenen Flussregenpfeifers sei das wichtig, so Lehr.

Ein solcher Schutzraum sei an der Gewässer-Schleife geplant, die von Klein-Karben aus in Fließrichtung weiter Richtung des Bad Vilbeler Stadtteils Dortelweil errichtet werde. Außerdem sei ohnehin vorgesehen, dass bei den Renaturierungsmaßnahmen an der Nidda im Bereich Klein-Karben der Naturschutz im Vordergrund stehen solle, so Lehr. „Indes sollen bei der Renaturierung im innerstädtischen Bereich Karbens Aufenthaltsbereiche geschaffen werden, um den Fluss für die Bürger erlebbar und erfahrbar zu machen“, betont er.

Gaby Winter und die anderen Tierfreunde freuen sich, wenn ihre Hunde künftig sozusagen offiziell in dem von Lehr skizzierten Bereich an der Nidda herumtollen und im Fluss baden dürfen. „Amy ist eine richtige Wasserratte und liebt es, Stöckchen aus dem Wasser zu apportieren“, erzählt Winter über ihre Schäfermischlingshündin Amy. Auch ihr Hund Pepper gehe gern ins Wasser, berichtet Christine Gredel, Vorsitzende des Tierschutz Karben. Der einzige Hund an diesem Nachmittag, der keine Lust auf Schwimmen im Fluss zu haben scheint, ist die Rauhaardackel-Dame Lotti von Mareike Stelz, die lieber zwischen den Beinen um herumwuselt.

Stelz wünscht sich Schilder, „auf denen steht, wo der Hund frei laufen darf und wo nicht“, sagt sie. Zudem wünschen sich die Hundehalter Freilaufflächen für ihre Tiere. „Wir würden uns freuen, wenn es solche eingezäunten Gebiete, als Wiese oder Wald, die es schon in anderen Städten gibt, künftig auch in Karben gäbe“, sagt Gredel. Diese wären auch in der jetzt geltenden Brut- und Setzzeit eine gute Lösung, so Gredel. Sie und ihre Mitstreiterinnen zeigen sich einsichtig, was den Schutz der Natur betrifft. So sei es selbstverständlich, dass sie ihre Hunde in der Brut- und Setzzeit nicht frei laufen ließen, sagt Gredel.

Darüber zeigt sich Lehr erfreut. „Es wäre schön, wenn alle Hundehalter so einsichtig wären.“ Denn bodenbrütende Vogelarten, wie etwa der Kiebitz, ließen sich bereits durch kleinste Störungen vom Nest vertreiben. „Für solche Vögel stellt ein sich nähernder Hund instinktiv eine Gefahr dar“, erläutert Lehr.

Er sei schon oft beschimpft worden, wenn er Hundehalter ermahne, ihre Tiere nicht überall frei laufen zu lassen. Doch die Interessen von Mensch und Natur in Ballungsgebieten wie Rhein-Main ließen sich nur zu einer guten Lösung für alle zusammenfügen, „indem wir im Dialog bleiben“.

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