Baubeginn von 175 Wohnungen im Herbst

Karben: Baugebiet Taunusbrunnen steht vor finaler Genehmigung des Stadtparlaments

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Das größte Bauvorhaben seit vielen Jahren steht in Karben vor dem finalen Okay: Nächste Woche soll das Stadtparlament grünes Licht für den Bau von 175 Wohnungen auf dem Taunusbrunnen-Gelände geben. Wie das Verfahren bisher gelaufen ist, überrascht die Investoren ebenso wie die Fachleute im Rathaus.

Um die 50 Millionen Euro Investitionssumme: Es ist ein Projekt der Superlative, das die Gebrüder Bruno und Norbert Kling stemmen wollen. In Karbens Stadtzentrum wollen sie ab Herbst ein ganzes, neues Baugebiet aus dem Acker stampfen: 175 Wohnungen, ein paar Läden und Büros, dazu soll das historische und seit Jahrzehnten verfallenen Brunnengelände wachgeküsst werden.

In der kommenden Woche soll das Stadtparlament dem Vorhaben endgültig den Segen geben. Für die Sitzung am Freitag steht der finale Beschluss für die Bauleitplanung an. Dass es ein breites Ja gibt, ist schon länger klar: Neben der CDU-Mehrheitsfraktion sind auch Freie Wähler und FDP dafür. Ebenso hatte die SPD als größte Oppositionsfraktion ihre anfängliche Kritik nach einem ausführlichen Gespräch mit den Investoren beerdigt.

Selbst von den Umweltverbänden wie dem BUND gab es zuletzt Zustimmung zum Projekt. Auch, weil viel Grün vorgesehen ist und erhalten bleibt, zum Beispiel das Wäldchen zwischen Taunusbrunnen und Selzerbrunnenhof.

Ebenso sei ein Eidechsen-Biotop errichtet worden, erklärt Norbert Kling. Diverse solcher Vorschläge waren bereits bei einem Scoping-Termin von diversen Behörden gekommen, den Stadt und Investor dem eigentlichen Genehmigungsverfahren vorgeschaltet hatten. Das ist eher ungewöhnlich – zumal die Stadt noch ein weitere Extra-Runde für Hinweise vorschaltete, eine so-genannte frühzeitige Beteiligung.

Zusammen mit der ganz normalen Beteiligung hatten Betroffene und Behörden damit drei Gelegenheiten, Hinweise zu geben und Widersprüche vorzubringen. Dieses mehrstufige Verfahren habe sich als sehr sinnvoll erwiesen, sagt Heiko Heinzel, Leiter des Fachbereichs Bauen im Rathaus. „Dadurch verlief die Offenlage relativ ruhig.“

Sprich: Die Planungen waren schon zu Beginn des eigentlichen Genehmigungsverfahrens so weit abgestimmt, dass danach keine größeren Änderungen mehr nötig wurden. Beispielsweise hätten die Investoren eine Schallschutzwand zum Gelände des Jugendkulturzentrums Jukuz hinzugefügt, damit die künftigen Taunusbrunnen-Bewohner nicht von der lauten Musik unter anderem des alljährlichen Karben-Open-Air-Festivals belästigt werden. Dieser Schutz soll auch den jungen Leute dienen und zum Jukuz hin als Kletterwand gestaltet werden (die FNP berichtete).

Sagt das Parlament Ja, muss allerdings noch der Wetteraukreis das Bauvorhaben als solches genehmigen. Anfang April seien die Baupläne nach Friedberg gegangen, erklärt Norbert Kling. „Dafür waren um die

700 Unterschriften nötig

“ – was zeigt, welch riesigen Umfang das Projekt hat.

Binnen drei bis vier Monaten rechnet der Investor mit dem Okay des Bauamts. Dann könnten ab dem Herbst die Baumaschinen rollen. „Wir wollen von der Brunnenstraße her anfangen“, erläutert der Bauherr. Als erstes werde ein Teil Tiefgarage entstehen, die den größten Teil des Geländes unterfüttert.

Danach sollten die ersten der insgesamt zehn Mehrfamilienhäuser entstehen, während zeitgleich am zweiten Teil der Tiefgarage weitergearbeitet wird. Der Baubeginn von der Straßenseite her sei dadurch bedingt, dass die Bauarbeiter erst nach dem Ende der Brut- und Setzzeit im Oktober in die bewachsenen Grünflächen zwischen dem heutigen Acker und dem Brunnengelände eingreifen dürfen, so Kling.

Zur Stadtzufahrt hin – der Landesstraße L 3205 – entsteht ein Gebäuderiegel, in dem auch günstigere Wohnungen angeboten werden. Direkt an der Kreuzung Landes-/Brunnenstraße haben die Klings einen viereinhalb Stockwerke hohen Solitärbau geplant, der genau gegenüber dem ebenfalls geplanten Solitärbau der Neuen Mitte liegt. Diese soll zeitgleich auf dem Dreiecksgrundstück zwischen Brunnen-, Landes- und Bahnhofstraße vor dem Selzerbrunnencenter gebaut werden (die FNP berichtete).

Der Kling’sche Solitär liegt dem Neue-Mitte-Solitär nicht nur direkt gegenüber, sondern er ist sogar baugleich und stammt vom selben Architekten: Michael Frielinghaus aus Friedberg. So wollen die Investoren ihr Projekt harmonisch in diesen Teil des Stadtzentrums einfügen.

Mit den Erträgen aus dem Bau der Mehrfamilienhäuser wollen die Klings die Sanierung des historischen Brunnengeländes finanzieren. Dort sollen die alten Gebäude saniert werden. Im Brunnenhaus im Schweizer Stil soll unter anderem eine Gastronomie einziehen.

Aus der markanten Halle mit ihrem Tonnengewölbedach sowie der benachbarten Halle wollen Norbert und Bruno Kling Eventhallen machen. Darin soll auch eine Oldtimerausstellung nach Vorbild der Klassikstadt in Frankfurt-Fechenheim untergebracht werden. Der Platz vor Hallen und Brunnenhaus soll als Piazza in italienischem Stil gestaltet werden.

Hier werden voraussichtlich auch noch zwei weitere, kleine Wohnhäuser mit sechs weiteren Wohnungen entstehen, kündigt Norbert Kling an. Sie sollen beiderseits an den Turm der Trafostation ergänzt werden, um hier wieder die ursprüngliche Gebäudekubatur herzustellen. „Dafür sind wir aber noch mitten in den Planungen“, sagt der Investor. Sobald diese fertig seien, würden sie der Öffentlichkeit und der Stadt vorgestellt.

Alle Details zu den übrigens Erschließungs- und Bauarbeiten seien dagegen geklärt, betont Norbert Kling. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und können loslegen.“ Was auch möglich ist, weil „das Planungsverfahren sehr harmonisch gelaufen ist“, unterstreicht Experte Heinzel. „Weil alle Beteiligte sehr gut Hand in Hand gearbeitet haben.“

am 2. Mai (Dienstag) ab 20 Uhr im Clubraum 2, und am 5. Mai (Freitag), 20 Uhr, Bürgerzentrum, Rathausplatz 1

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