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Statt vier- ist die Bundesstraße 3 in der südlichen Wetterau nur zweispurig. Allerdings nimmt der Verkehrsdruck mit jedem neuen Wohn- und jedem Gewerbegebiet zu. Ein Ausbau der Straße ist vorerst nicht in Sicht. Nun gibt es die Idee einer "kleinen Lösung".

Staus im Berufsverkehr

Planungsauftrag für den B3-Ausbau lässt weiterhin auf sich warten

Wer dort täglich fährt, kennt den Missstand zur Genüge. Im morgendlichen Berufsverkehr stauen sich die Autos auf der B3 zwischen Kloppenheim und Massenheim. Schon seit Jahren gibt es die Forderung, diesen Abschnitt der Bundesstraße von zwei auf vier Spuren auszubauen. Doch während Monat für Monat die Blechlawine länger wird, ist noch nicht einmal ein Auftrag zur Planung erteilt worden. Eine Zwischenbilanz.

Karben/Bad Vilbel - Wer morgens mit der Bahn aus Karben in Richtung Frankfurt fährt und gerade nicht auf sein Handy, sondern aus dem Fenster schaut, kann unschwer die vielen Kräne entdecken. Vor allem in Bad Vilbel wird gebaut und gebaut. Allein zwischen der Nordumgehung und rund um den Nordbahnhof werden in den nächsten Jahren rund dreieinhalbtausend Menschen mehr als heute wohnen. Die werden beileibe nicht alle mit der Bahn fahren. Viele werden das Auto nehmen. Das bedeutet: Sie fahren zumindest zeitweise auf die B3 auf. Doch diese Bundesstraße ist in den Morgenstunden schon heillos überfüllt. Staus sind die Folge. Das geht bis zur Abfahrt Massenheim, danach weitet sich die Straße auf, und dann es geht flotter voran, wissen diejenigen, die dort täglich fahren. Schon lange gibt es die Forderung aus der Kommunalpolitik danach, die B3 zwischen Kloppenheim und Massenheim von zwei auf vier Fahrspuren auszubauen.

Um zu sehen, wie alt die Forderung ist, lohnt ein Blick ins Archiv. Im September 2011 beantwortete der Karbener Bürgermeister Guido Rahn im Stadtparlament eine Anfrage des Parteikollegen und CDU-Stadtverordneten Christian Neuwirth. "Dringenden Handlungsbedarf" sah die Stadt beim vierspurigen Ausbau der B3. Neben den zusätzlichen Wohngebieten wurde dies auch mit zusätzlichen Gewerbeansiedlungen in Karben begründet. "Wir wollen noch Gewerbeflächen beim Toom-Markt, im Bereich Spitzacker und nördlich von Kloppenheim nahe der Baumschule erschließen", sagte der städtische Verkehrsplaner Ekkehart Böing seinerzeit. In der Stadtverwaltung gab und gibt es eine klare Priorität: Der vierspurige Ausbau nach Bad Vilbel und der Bau der Nordumgehung seien wichtiger als der Weiterbau der B3 nach Wöllstadt.

Nach entsprechenden Stadtverordnetenbeschlüssen hatte die Stadt dann im November 2012 beim hessischen Verkehrsministerium die Aufnahme des vierspurigen Ausbaus der B3 zwischen Karben und Bad Vilbel in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) beantragt. Ein Jahr später teilte das Ministerium laut Rahn mit, dass das Land Hessen den vierstreifigen Ausbau in den BVWP 2015 zur Bewertung durch den Bund angemeldet habe. Doch in Berlin hatte man, auch angesichts zahlloser anderer Projekte, wenig Verständnis für die sowohl aus Karben als auch aus Bad Vilbel vorgetragene Forderung nach dem B3-Ausbau. Wie die Straßenbaubehörde Hessen Mobil jetzt noch einmal bestätigte, sei der vierstreifige Ausbau im Bundesverkehrswegeplan unter "Weiterer Bedarf" eingeordnet. Im Bereich "Vordringlicher Bedarf" befindet sich diese Straße also nicht.

Erst Autobahnausbau

Das bedeutet: Bis zum Jahr 2021 werden andere Projekte mit höchster Priorität bearbeitet und geplant. Dazu gehören die Autobahnen A3 und A5 sowie die Sanierung der Autobahnkreuze im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Hessen Mobil nimmt dazu Stellung: "Die B3 zwischen Bad Vilbel und Karben ist darin – nicht zuletzt aufgrund der Einstufung in den "Weiteren Bedarf" – nicht enthalten. Dementsprechend liegt Hessen Mobil ein vom Verkehrsministerium erteilter Planungsauftrag nicht vor." Aus dem Vilbeler Rathaus heißt es dazu, es lägen keine Erkenntnisse vor, "wann das Baurecht vorliegen könnte und wann eventuell mit einem Ausbau begonnen werden könnte".

In acht Jahren ist man also keinen Schritt vorangekommen. Und bis das Baurecht geschaffen wird, würde es viele Jahre dauern. Mittlerweile ist die Nordumgehung Groß-Karben gebaut, viele Autos aus dem Ostkreis und dem Main-Kinzig-Kreis kommen mit hoher Geschwindigkeit auf die B3 zugefahren und wollen weiter nach Frankfurt. Gleichzeitig fahren in der morgendlichen Rush Hour auch Hunderte aus Dortelweil-West auf diese Straße. Das Einfädeln und das hohe Verkehrsaufkommen sorgen dann für die Rückstaus.

B3 wird "aufgeweitet"

Aber wie geht es nun weiter? In den beiden Städten der südlichen Wetterau will man nicht aufgeben. Die Mehrheitsfraktionen der CDU in beiden Städten nehmen den großen Einsatz für den Bau der Nordumgehung als Vorbild für das weitere Vorgehen in Sachen B3. Man werde sich "weiter für eine zukunftsgerechte Lösung mit Nachdruck einsetzen", sagt etwa CDU-Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzender Mario Beck. Man sei in einem sehr konstruktiven "und von einem hohen Maß an Einigkeit geprägten Austausch mit unseren Bad Vilbeler Kollegen".

Der "vordringliche Bedarf" bestehe für den Weiterbau über den Knoten 0 in Kloppenheim hinaus nach Norden. Hier sei man sehr gespannt auf die Lösungsvorschläge von Hessen Mobil. Zudem sei man sehr gespannt auf die schon lange angekündigte Auswertung der Verkehrszählung von Hessen Mobil. Hier sollen in Kürze die Daten vorgelegt und das weitere Vorgehen besprochen werden.

Zumindest die CDU in beiden Städten hat eine Idee, wie man vielleicht früher die Staus auflösen könnte. Man wolle sich stark dafür einsetzen, dass zumindest eine Knotenpunktverbesserung im Bereich Dortelweil–Massenheim schnellstmöglich kommt. Sprich: Die B3 soll auf geschätzten neunhundert Metern zwischen den beiden Zu- und Abfahrten aufgeweitet werden. Das wäre die sogenannte ganz kleine Lösung speziell für die südliche Wetterau, aber mit möglicherweise großer Wirkung. Die in Kürze zu erwartenden Daten der Verkehrszählung können einen Fingerzeig geben, ob eine solche Lösung vielleicht sogar schon ausreichen würde.

von Holger Pegelow

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