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Badbetriebsleiterin Carolin Beck (rechts) erklärt Stadträtin Rosemarie Plewe und den Stadtverordneten die Technik im Keller des Karbener Hallenfreizeitbades. Die soll jetzt mit rund 100 000 Euro auf den neuesten Stand gebracht werden.

Hallenfreizeitbad in Karben

Viel Technik unter den Becken: 100 000 Euro an Neu-Investitionen eingeplant

Die Besucherzahlen im Karbener Hallenfreizeitbad steigen und steigen. Das macht auch die Erneuerung der Technik notwendig. Aber wofür schon wieder 100 000 Euro ausgeben, wo das Bad vor einigen Jahren doch umfassend modernisiert worden ist? Die Stadtverordneten konnten sich jetzt einmal selbst ein Bild von der Technik machen.

Karben - In der Bilanz des Hallenfreizeitbades von 2017 zu 2018 stehen rund 6,85 Prozent mehr Besucher in Schwimmbad und Sauna. Diese Zahlen sind im ersten Quartal dieses Jahres schon weit übertroffen worden. Wie Bürgermeister Guido Rahn (CDU) jetzt mitgeteilt hat, habe man im März gut 25 Prozent mehr Besucher gehabt, und auch die Monate Januar und Februar hätten Zuwachsraten von 30 bzw. 20 Prozent gehabt.

Wenn sich mehr Menschen im Wasser bewegen, bedeutet das, dass die Technik mehr leisten muss. Die Beckenwasseraufbereitung, die Warmwasserbereitung, die Filteranlagen – all das läuft momentan auf Hochtouren. "Wir sind an der Kapazitätsgrenze angelangt", betont das Stadtoberhaupt. Das bedeutet übertragen auf die Technik: Manches muss erneuert bzw. aufgerüstet werden.

Als im Haushalt für die Stadtwerke für dieses Jahr 100 000 Euro an Investitionsmitteln ausgewiesen worden sind, haben manche Stadtverordnete diese Summe kritisch hinterfragt. Verwunderlich ist das angesichts der Tatsache nicht, dass das Bad erst im Jahr 2014 nach umfassender Renovierung wiedereröffnet worden war.

Doch was ist tatsächlich erneuert worden, und wie umfangreich ist die Technik? Der kaufmännische Leiter der Stadtwerke, Georg Klein, und die Badbetriebsleiterin Carolin Beck hatten deshalb die Stadtverordneten zu einer Technikführung eingeladen. Trotz der Tatsache, dass es an einem Samstagmittag in den Keller ging, waren doch zahlreiche Mitglieder aus den Fraktionen der Einladung gefolgt.

In der einstündigen Führung erfuhren sie allerlei über die Wärme- und Stromerzeugung, die Filterung des Wassers und die Tätigkeit der "Fachangestellten für Bäderbetriebe", wie die früheren Schwimmmeister heutzutage heißen. Denn eines wurde schon gleich zu Beginn klar: Alexander Marx und seine Kolleginnen und Kollegen sind weit mehr als nur die Aufsicht. "Wir haben viel mehr Aufgaben, als nur die Schwimmhalle zu überwachen", betonte Marx. Viele der Tätigkeiten würden die Besucher gar nicht sehen.

Blockheizkraftwerk

In der Tat müssen die Fachangestellten einen nicht geringen Teil ihrer Arbeitszeit unter den Becken der großen Halle verbringen. Denn sie haben die Aufgabe, die Technik zu überwachen, darauf zu schauen, dass alles gut funktioniert, Chlortabletten nachzufüllen sowie die Mess- und Regeltechnik im Auge zu behalten.

Badbetriebsleiterin Carolin Beck begrüßte die Teilnehmer und führte sie zunächst zum Blockheizkraftwerk. Dort erfuhren sie, dass das BHKW, wie es abgekürzt heißt, rund 312 000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Im Schwimmbad selbst werden davon 274 000 Kilowattstunden verbraucht, den Rest gibt man ins allgemeine Stromnetz ab und erhält dafür von der Ovag 19 000 Euro. Insgesamt erspart man sich dadurch, dass das Schwimmbad ein eigenes Blockheizkraftwerk hat, rund 58 000 Euro für den Bezug von Fremdstrom. Der Strom wird benötigt etwa für die Pumpen, die Steuerungstechnik, die Beleuchtung und die Wasseraufbereitung.

Das BHKW erzeugt Wärme, die für die Lüftung, die Duschen, das Badewasser und die Heizflächen benötigt wird. Erstaunt erfuhren die Stadtverordneten auch, dass 95 Prozent der erzeugten Wärme für das Schwimmbad benötigt werden, nur fünf Prozent für die Sauna.

Neben der Strom- und Wärmeerzeugung war der Wasserkreislauf ein Thema bei der Führung. Die Zuhörer erfuhren beispielsweise, wie die Beckenwasseraufbereitung erfolgt und ganz ausführlich auch, wie die Filteranlage funktioniert. Marx: "Das Chlor müssen wir haben, damit jeder beruhigt ins Becken kann." Das Badpersonal stelle die Chlorlösungen selbst her.

Beck und Marx machten auch deutlich, welcher Teil der Technik in diesem Jahr erneuert werden muss. So wäre unter anderem der Pufferspeicher zu ersetzen, der bei der Weiterleitung der erzeugten Wärme in die Duschen, das Badewasser und die Heizflächen eine entscheidende Funktion hat. Die Frischwasserstation müsse ebenso erneuert werden wie etwa die Chlordioxidanlage um eine Anlage zur Erzeugung von Aktivkohle erweitert werden müsste.

Nicht alles erneuert

Mancher wunderte sich über den aus seiner Sicht hohen Sanierungsbedarf. Doch die Verantwortlichen, unter ihnen der Bürgermeister, konnten aufklären: Bei der Sanierung des Bades bis 2014 sei nicht alles komplett erneuert worden. "Was noch gut funktioniert hat, haben wir gelassen", so Rahn. Beck ergänzte, dass man zwar auf höhere Besucherzahlen gehofft habe, aber dass man so deutliche Steigerungen habe, habe man nicht geglaubt. Damit sei die Technik mehr gefordert.

Kein Wunder also, dass die Stadtwerke 100 000 Euro als Investitionsmittel bei den Stadtverordnete angefordert hatten. Allerdings hat man sich beim Land Hessen erfolgreich um Zuschüsse beworben. 60 000 Euro erhält die Stadt aus dem sogenannten SWIM-Programm. Die gibt es vor allem dann, wenn man Schulschwimmen anbietet und Gesundheitskurse, erklärte Beck. "Hier wird jetzt immer mehr Reha-Sport angeboten. Damit kommen wir einem großen Bedürfnis nach. Denn es existieren für den Reha-Sport im Wasser lange Wartelisten."

von Holger Pegelow

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