Absage an Grünen-Vorstoß

Karben setzt im Stadtzentrum auf Kreisel statt auf Ampeln

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Flüssiger und schneller wollen die Karbener gern in ihrem Stadtverkehr vorankommen. Neue Ideen dafür haben nun die Grünen vorgelegt. Doch im Rathaus winkt man ab. Dort sieht man nur eine einzige Lösung, damit es in Karben wieder rund läuft.

Das große Aufatmen hat manch einer schon wieder vergessen. Als die Karbener Nordumgehung am 30. November eröffnet wurde, spürten es die Menschen in der Ortsdurchfahrt Groß-Karben binnen weniger Tage. Spürbar weniger Verkehr rollt seit dieser Zeit durch die Stadt – und damit auch über die Hauptmagistrale, die Bahnhofstraße mitten durchs Stadtzentrum.

Doch nach nur wenigen Monaten wirkt der Effekt für viele Anwohner und auch die Fahrzeuglenker wie verpufft. Lang wie eh und je sind wieder die morgendlichen Rückstaus in der Homburger Straße nach Klein-Karben hinein.

Das hat freilich eine Ursache: Seit der Sperrung der Kreisstraße Heldenbergen–Groß-Karben fließt mehr Verkehr über die Klein-Karbener Route. Und damit doch wieder durch die Stadt. Ducken, abwarten, ertragen – was anderes scheint den Karbenern nicht zu bleiben.

Ganz aber wollen die Grünen die Flinte nicht ins Korn werfen. Zumindest für die Spät- und Nachtstunden könne der Verkehr doch flüssiger werden auf der Bahnhofstraße, finden sie. Dafür wünschen sie sich, dass alle Ampeln in alle Richtungen rot zeigen – am Rathausplatz, an der Gehspitze und an der Kreuzung Brunnenstraße.

„Wer sich dann im korrekten Tempo annähert, für den soll die Ampel so auf Grün schalten, dass er nicht anhalten muss“, erklärt Grünen-Stadtverordneter Marcus Klötzl. Das helfe der Umwelt, wenn Fahrzeuge nicht unnötig an sonst leeren Kreuzungen anhalten müssten. Und so würden die nächtlichen Fahrer dazu angehalten, nicht zu rasen, weil sie ja mit Normaltempo am besten durchkämen.

„Wir wollen den Verkehr verlangsamen“, ergänzt Fraktionschef Rainer Knak. Wenn auch er einräumt: „Den Hardcore-Rowdies werden wir wohl damit nicht beikommen.“ Ein Großteil der Bevölkerung aber werde sich schon daran halten.

Vom Nutzen ist jedoch Bürgermeister Guido Rahn (CDU) nicht überzeugt. Denn die Fahrer könnten sich ja nicht auf eine Welle von rot auf grün umspringender Ampeln verlassen. Komme direkt kurz vorher ein Fahrer von anderswo, erhalte dieser erst grün und die erhoffte grüne Welle der Hauptachse sei unterbrochen. Deshalb sieht er einen ganz anderen Ausweg. „Die einzige Lösung, um das Tempo zu reduzieren, sind Kreisverkehre.“

Das zeige der jüngste Kreisverkehr am City-Center an der Kreuzung mit Luisenthaler und Robert-Bosch-Straße. „Dort läuft der Verkehr prima“, sagt Rahn. Deshalb sei es Priorität der Stadt, auch die Kreuzungen am Rathausplatz und an der Gehspitze zu runden Knotenpunkten umzubauen, kündigt der Bürgermeister an. „Ein Kreisverkehr ist das beste, was es gibt.“

Mehr Grün wünscht sich die Öko-Partei aber noch an anderer Stelle: Grüne Pfeile könnten an einigen Kreuzungen den Weg für Rechtsabbieger auch während der Rotphasen für die übrigen Richtungen freimachen, schlägt Rainer Knak vor. Zwei Beispiele dafür hat er auch in petto: Die Einmündung der Kreisstraße aus Petterweil auf die B3 am Berufsbildungswerk sowie den Rechtsabbieger aus der Brunnenstraße auf die Landesstraße Richtung Bad Homburg und B3.

Mit einem Seufzen quittiert der Bürgermeister diese Idee. „Mehrfach haben wir diese Ideen schon angefragt“, erklärt er. Doch bei der für die Genehmigung zuständigen Landesstraßenbehörde „Hessen Mobil“ sei die Stadt stets auf Granit gestoßen. „Das Maximum, was machbar ist, ist schon umgesetzt – mehr macht ,Hessen Mobil‘ nicht mit“, erläutert Guido Rahn.

Die Grünen Pfeile als einfache Schilder – wie sie in anderen Bundesländern längst und teils seit Jahrzehnten eingeführt und erfolgreich seien – lehne die Behörde ganz grundlegend ab. Lediglich ampelgesteuertes zusätzliches Abbiegen lasse „Hessen Mobil“ zu, sagt Rahn. Das gibt es bisher nur am Rathausplatz und in Bahnhofstraße an der Gehspitze, in beiden Fällen für Abbieger in Fahrtrichtung Bahnhof/Bad Homburg.

So kommt es dazu, dass die Grünen selbst beide ihrer Ideen am Ende einstampfen und ihre entsprechenden Anträge zurückziehen, bevor die Stadtverordnetenversammlung in ihrer jüngsten Sitzung darüber hätten entscheiden können. Guido Rahn: „Es ist leider chancenlos, da etwas zu erwarten.“

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