Dieter Körber in seinem mit zahlreichen Büchern bestückten Lesezimmer vor dem Plakat, das auf die nächste Veranstaltung des Karbener Literatur-Treffs hinweist: Am 31. Januar geht es um Vater-Sohn-Konflikte.

Karbener Literatur-Treff

Dieter Körber ist der Herr der Bücher

"Ich brauch Tapetenwechsel", sang einst Hildegard Knef. Wenn sie es auch im übertragenen Sinne meinte – Dieter Körber hat ihn nicht nötig, die Wände seiner Wohnung in Burg-Gräfenrode sind nicht zu sehen, sondern nur voll bestückte Bücherregale. "Von allen meinen Studienfächern habe ich mir viele Bücher zugelegt", erzählt Körber. Fünfeinhalbtausend sind es. Seit Kurzem ist der Herr der Bücher 1. Vorsitzender des Karbener Literatur-Treffs.

Dieter Körber ist 2012 nach Karben gezogen, 2013 sah der studierte Germanist einen Prospekt des Literatur-Treffs und nahm an einer Veranstaltung teil, bei der er etwas von Anton Tschechow vorlas. "Die Leute haben mir gefallen, also bin ich in den Verein eingetreten." Er wurde 2. Vorsitzender und zuständig für den Außenauftritt des Vereins, für Plakate und die Presse. Im Dezember folgte er auf den bisherigen 1. Vorsitzenden Hans-Martin Thomas.

Das Wirken des Literatur-Treffs hat sich seit der Gründung 2010 geändert. Waren es ursprünglich Mitglieder, die selbst Texte verfassten, veröffentlichten und sich "Bei Anna" in der Christinenstraße trafen, so gibt es nun Lesungen.

"Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal in Karben, wir lesen Weltliteratur", erklärt Körber. Umgezogen ist man auch, und zwar ins Groß-Karbener "Kuhtelier". Jeden Monat gibt es einen Literaturabend, immer am letzten Donnerstag, garniert mit Musik. Für 2019 sind zwölf Veranstaltungen geplant. Vier Abende sind jährlich "gesetzt": Es gibt ein Sommerfest "Jazz und Literatur", eine generationenübergreifende Veranstaltung mit den Wetterauer Poetry-

Slamern, einen Abend mit Poeten der Region (vier Autoren aus den Reihen des Literaturtreffs und vier Gäste) und es wird ein bekannter Autor eingeladen. In diesem Jahr ist dies Eva Demski. Beibehalten werden soll auch die Zusammenarbeit mit dem Karbener Geschichtsverein.

Es gibt viele Ideen für die Literaturabende aus einem zwölfköpfigen "Aktivistenkreis" heraus, wie Körber berichtet. 30 Themen wurden für dieses Jahr vorgeschlagen. Sie werden vom Team geheim mit Punkten zwischen fünf und zwölf bewertet. Die Themen mit den meisten Punkten kommen ins Programm. Der eine oder die andere sei dann schon mal enttäuscht, wenn es der eigene Vorschlag nicht schaffe, berichtet Körber. Seine Idee – ein Abend über "Walter Benjamin, die mahnende Stimme" – hat sich durchsetzen können. Körber hat seine Magisterarbeit über den einflussreichen Denker geschrieben.

Viele Themen im Köcher

Für jeden Literaturabend gibt es einen Kümmerer. Nur so sei es möglich, so viele Veranstaltungen zu organisieren, sagt Körber. Hinzukommen zwei Ausflüge, einer nach Marbach ins Deutsche Literaturarchiv, ein zweiter führt nach Radebeul. "Den organisiert unsere 2. Vorsitzende Karin Schrey, die ein absoluter Karl-May-Fan ist, zu dem es auch einen ganzen Abend im ›Kuhtelier‹ geben wird."

Das Programm der Karbener Literaturliebhaber erreicht jährlich etwa 700 Menschen. Manche Abende werden länger als geplant. "Und die Leute bleiben trotzdem da. Wenn über 70-jährige Damen abends um 11 Uhr noch Zugabe rufen, dann ist das Programm wohl doch nicht zu lang geraten", sagt Dieter Körber lachend und fügt hinzu, er wolle keinen Akteur abweisen und neige "auch selber etwas zu Vorträgen".

Pflege der Weltliteratur

Das mag auch daran liegen, dass der gebürtige Darmstädter sehr belesen und gut informiert ist. Dieter Körber hat mit 42 Jahren das Abitur am Abendgymnasium nachgeholt, hat "als Spätstudierender" in Frankfurt in, wie er sagt, einem "Neigungsstudium" Germanistik, Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie studiert. Zudem hat er eine heilpraktische Ausbildung in Psychologie, und er besuchte in jungen Jahren in Wien eine Schauspielschule. Er lebte fünf Jahre in der Schweiz, wo er in einem Verlag als Reproduktionstechniker arbeitete, und wechselte dann zum Schwanen Verlag nach Düsseldorf. Zudem war er 25 Jahre lang als selbstständiger Unternehmensberater unter anderem im Gesundheitswesen tätig sowie als Dozent und Personalentwickler. "Da ich vier Kinder ernähren musste, habe ich von 1985 bis 1995 parallel zur Arbeit studiert, dadurch hat sich das Studium endlos gezogen." Besonders beeindruckt haben ihn die Vorlesungen des Philosophen Karl-Otto Apel in Frankfurt, der seine eigenen philosophischen Gedanken als "toller Erzähler" in den Seminaren erörtert habe.

Hauptaufgabe des Karbener Literatur-Treffs sei die Pflege der Literatur, gibt Körber das Ziel vor: "Es geht darum, aus Weltliteratur zu lesen und zu erkennen, was uns Literatur zu sagen hat. Das wollen wir den Menschen vermitteln." Die Besucher seien in der Regel "60 aufwärts". Man solle sich klarmachen, dass 32 Prozent der Bevölkerung in Deutschland älter sind als 60 Jahre. "Die muss man versorgen", schmunzelt Körber, der am 20. Januar seinen 80. Geburtstag feiert.

von Antje Grunenberg-Heuer

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare