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Seit 2001 ist Helmut Ott in kein Auto mehr gestiegen. Er protestiert täglich in Karben mit seiner besonders gestalteten Schutzweste gegen die Autokonzerne.

Nach zwei Unfällen

Ein Mahner gegen den Auto-Wahn

Zwei Unfälle warfen Helmut Ott aus der Bahn, nun will er andere warnen Autohaus und ADAC sind skeptisch Wer öfter in Karben an Ampeln steht oder rund um das Bürgerzentrum einkaufen geht, hat ihn mit Sicherheit schon gesehen: Helmut Ott. Sein Markenzeichen: Dunkle Brille, Gehstock und eine Warnweste, die komplett mit Auto-Bildern beklebt ist. Was hat es mit diesem Mann auf sich?

Karben - "Ich hatte einen Schutzengel." Dessen ist sich Helmut Ott aus Klein-Karben sicher. Seine Geschichte klingt skurril, tragisch und seltsam zugleich. Drei Unfälle mit drei Gebrauchtwagen, drei Mal nachweisliche Schäden am Wagen, wie er versichert. Ott erinnert sich noch heute daran, als ob es gestern gewesen wäre: "Ich hatte mir einen gebrauchten Audi gekauft." Das Auto schien optisch und technisch einwandfrei zu sein. "Leider stellte sich heraus, dass das Fahrzeug bereits ab Werk an einem gefährlichen Mangel litt." "Der Hersteller und dessen Vertragshändler ließen mich mit diesem Mangel, der in den meisten Fällen tödlich endet, vollkommen im Stich", klagt der arbeitslose Lagerist. Doch bereits vor diesem Wagen machte der Karbener schlechte Erfahrungen mit Gebrauchtwagen. Bei seinem ersten Fahrzeug, einem Ford, gab es nach Meinung von Ott Schäden an den Bremsen: "Ich bin vom Autohaus mit dem neu gekauften Auto noch keine 300 Meter gefahren, als ich nicht bremsen konnte und in eine Wand krachte."

Zweimal Bremsversagen

Ott schaltete sofort einen Karbener Anwalt ein und forderte das Autohaus auf, den Wagen zurückzunehmen. Der Streit dehnte sich auf dem Rechtsweg aus, bis der Lagerist schließlich ein neues Auto wieder gebraucht kaufte. Der VW machte für ihn wieder einen einwandfreien Eindruck, schließlich war Helmut Ott auch bereit, Geld für seine Sicherheit zu bezahlen. Es ist kaum vorstellbar: einen Tag, nachdem er diesen Wagen in Karben kaufte, geschah angeblich das Undenkbare: "Wieder funktionierten die Bremsen nicht", ärgert sich der Klein-Karbener. Das Autohaus möchte gegenüber der FNP keine Stellung beziehen. "Ein solcher Fall ist uns nicht bekannt." "Die Geschichte aber klingt mehr als unglaubwürdig", ist sich ein Mitarbeiter des Unternehmens sicher. Auch für Wolfgang Langer vom ADAC in Frankfurt scheint die Geschichte mehr als fragwürdig. "Das klingt für mich wie ein Märchen, das habe ich in meinen 15 Jahren Berufserfahrung noch nie gehört", wundert sich der Techniker über den skurrilen Fall.

Beleidigt und unterstützt

Der tragische Höhepunkt kommt für Helmut Ott 2004, als er in einem Zeitungsartikel des ADAC liest, dass Wagen aus dem Jahr 1994 zurückgerufen werden, da es Probleme mit den Bremsen und den Airbags gebe. In dem ADAC-Artikel heißt es Helmut Ott zufolge: "Die ADAC-Ingenieure waren sofort alarmiert, denn schon 2001 gab es eine Serviceaktion des VW-Konzerns, bei der an den Modellen VW Passat sowie Audi A4 und A6 die Trag- und Führungslenker der baugleichen Vierlenkerachse gegen eine geänderte Version mit einer modifizierten Abdichtung getauscht wurden." Für Helmut Ott ein Skandal. "In dieser Zeit sind so viele Autofahrer durch technische Probleme ums Leben gekommen. An diese Menschen möchte ich erinnern", sagt der Lagerist. Aus diesem Grund trägt er seit etwa zwei Jahren eine grell orangefarbene Warnweste. Er möchte auffallen und Aufsehen erregen. Von Bürgern wird Helmut Ott häufig angesprochen. Neben einigen Beleidigungen, die er sich anhören muss, erhält er aber wohl vor allem Zustimmung. "Viele Menschen sind derselben Meinung wie ich und glauben bei Autounfällen nicht immer nur an menschliches Versagen", versichert der Arbeitslose. Ihm geht es nicht darum, wahllos irgendwelchen Auto-Unternehmen Vorwürfe zu machen.

Dem Auto abgeschworen Seit 2001 ist Helmut Ott in kein Auto mehr gestiegen. Zum Einen hat er den Glauben an die Technik verloren, zum Anderen haben ihn die Käufe von drei Autos innerhalb kürzester Zeit und die anschließenden Summen für die Rechtsanwälte in eine finanzielle Schieflage gebracht. Er muss von weniger als 500 Euro monatlich leben, findet keine Arbeit. "Wie auch ohne Auto?", fragt sich der körperlich eingeschränkte Mann. Helmut Ott ist durch einen Arbeitsunfall vor vielen Jahren gehbehindert, wäre deswegen eigentlich auf einen Wagen angewiesen. Doch in einem ist er sich sicher: ein eigenes Fahrzeug wird er nicht mehr führen, stattdessen weiter zu Fuß seine Einkäufe erledigen. Auch wenn das für ihn mit neugierigen Blicken verbunden ist.

Von Stefanie Désirée Rieger

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