Schilderwald rund um zwei Großbaustellen treibt seltsame Blüten

Karbens Umleitungs-Wirrwarr

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Für Ortsunkundige ist eine Autofahrt nach oder rund um Karben derzeit eine knifflige Sache. Wegen zweier Großbaustellen gibt es drei Umleitungsstrecken. Die Beschilderungen dazu verwirren selbst jene, die sich hier auskennen: Schilderwald ganz verrückt!

Irre wie selten treibt der Schilderwald in und rund um Karben seltsame Blüten. Für drei Umleitungsstrecken, die die Autofahrer um zwei Großbaustellen herumleiten sollen, sind Dutzende zusätzliche Schilder aufgestellt worden.

Die Folge: Diverse Vorgaben widersprechen sich nun und sind für die Verkehrsteilnehmer unverständlich. Eine Auswahl der wohl irrsten Blüten:

  1.  Auf der B 3 in Höhe Kloppenheim stehen abwechselnd diverse Hinweisschilder für beide Umleitungsstrecken – keine Chance für Autofahrer, dies im Vorbeifahren zu verstehen.
  2. Auf der Nordumgehung kurz vor dem Groß-Karbener Kreisel wird eine Umleitungsstrecke erst angekündigt – und 30 Meter später wieder aufgehoben.
  3. In der Bahnhofstraße in Höhe des Hallenfreizeitbades ist das Umleitungsschild so versteckt positioniert worden, dass es kaum zu sehen ist.

Die Fehler in der Beschilderung haben auch die Fachleute längst bemerkt. „Das ist schon in der Prüfung“, sagt Jörg Witzenberger, Vizechef der Stadtpolizei. Erste Fehler seien bereits korrigiert worden – wobei die Stadtpolizisten selbst, wo immer möglich, schnell selbst Hand angelegt hätten. Zusammen mit der Landesstraßenbehörde „Hessen Mobil“ solle die gesamte Beschilderung rund um Karben begutachtet und verbessert werden, kündigt Witzenberger an.

„Da muss noch einiges angepasst werden“, räumt Bürgermeister Guido Rahn (CDU) ein. Für Ortskundige seien die Fehler zwar nicht so schlimm, Fremde aber würden so leider oftmals in die Irre geführt.

Ursache für das Problem: Die beiden Großbaustellen werden von verschiedenen öffentlichen Stellen organisiert. Auch die Umleitungen seien parallel geplant worden, erklärt Fachmann Witzenberger. Für die Bauarbeiten in der Heldenberger Straße in Groß-Karben samt Vollsperrung der Ortsdurchfahrt ist die Stadt zuständig. Der Ausbau der Kreisstraße Groß-Karben–Heldenbergen, ebenso mit einer Vollsperrung, liegt in der Obhut von „Hessen Mobil“.

Im Vorfeld seien beide Umleitungskonzepte zwar durchdacht worden, sagt Stadtpolizist Witzenberger. Aber offenbar einzeln und sie seien, wie sich nun zeige, nicht aufeinander abgestimmt worden. „Nachdem wir unsere Beschilderung aufgestellt hatten, sind uns die anderen mit ihrem Beschilderungswust in die Parade gefahren“, sagt der Fachmann. „Nun haben wir den Salat.“ Die Absprache, die es im Vorfeld nicht gegeben hatte, müsse nun nachgeholt werden.

Weitere Anpassungen verspricht der Bürgermeister. Weil sich die Verkehrsströme durch die Umleitungen veränderten, sollten die Ampelphasen an den Kreuzungen der Bahnhof- mit der Homburger Straße an der Gehspitze sowie zwischen Brunnen- und Landesstraße an der Stadtzufahrt angepasst werden.

Für Linksabbieger aus der Brunnenstraße Richtung Stadtzentrum solle in Kürze eine eigene Linksabbiegerspur markiert und die Grünphase verlängert werden, kündigt Guido Rahn an. Hier läuft die Umleitung für die Sperrung in Groß-Karben entlang. Weil die Ampelphase für die vielen Autos zu kurz ist, stauen diese sich oft bis zum Selzerbrunnen zurück.

Die beiden Großbaustellen liegen nicht nur nahe beieinander und haben schon deshalb Wechselwirkungen. Hinzu kommt, dass es für die Kreisstraßensperrung zwei Alternativen gibt: Eine Nordroute via Ilbenstadt, eine Südroute via Büdesheim. Die insgesamt drei Umleitungsstrecken gehen nicht nur ineinander über, sondern überlagern sich im Stadtzentrum.

Besonders dort wird es unübersichtlich für die Autofahrer. Denn sie können nicht immer auf Anhieb erkennen, für welche der Sperrungen die jeweilige Umleitungsbeschilderung nun gilt. Mal gibt es einen Hinweis auf „Nidderau“, mal auf „Niddatal“, mal auf beide, mal auf keinen. „Am PC sieht so etwas übersichtlich aus, aber in der Realität funktioniert es dann aber leider doch nicht“, räumt Jörg Witzenberger ein.

Er bittet um Verständnis – und noch einen kleinen Moment Geduld. „Bis Anfang nächster Woche“, kündigt der Stadtpolizist an, „wollen wir es auf die Reihe gekriegt haben.“

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