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Pfarrer Giesler in der Sankt-Michaelis-Kirche, der schönen alten Dorfkirche. Dort hält er sonntags um 11 Uhr die Gottesdienste.

Zum Klein-Kärber geworden

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Pfarrer Werner Giesler (60) feiert am morgigen Sonntag sein 30-jähriges Ordinationsjubiläum in Klein-Karben. Er hat das Gemeindeleben der evangelischen Gemeinde geprägt und setzt als Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung wichtige Impulse.

Wenn am Sonntag die Glocken von Sankt Michaelis den Gottesdienst einläuten, hat Pfarrer Werner Giesler diesen Klang seit dreißig Jahren im Ohr. Am 1. Januar 1986 trat er sein Amt als Gemeindepfarrer an, am 19. Januar wurde er in einem feierlichen Gottesdienst als Pfarrer ordiniert. „Ins geistliche Amt eingeführt“, erklärt Giesler diesen Fachbegriff.

Die Amtshandlung vollzog Probst Dieter Trautwein. Üblicherweise sind die ersten drei Jahre eine Probezeit für den „Pfarrer zur Anstellung“. Dass daraus eine auf Vertrauen resultierende Stellung auf jetzt schon drei Dekaden werden würde, hätte keiner gedacht. Denn schließlich war es die erste Anstellung für den jungen Pfarrer, der sein Vikariat in Wiesbaden, dicht an seinem Heimatort Bad Schwalbach, gemacht hat.

Zwei Pfarrstellen standen Giesler damals zur Wahl, in Okarben und Klein-Karben. „Schauen wir uns doch Klein-Karben an“, sagte Giesler zu seiner Frau. Beide musterten, nicht sehr überzeugt, die Straßenansichten von Klein-Karben. Doch als sie an der schönen alten Sankt-Michaeliskirche standen und sich umblickten, waren sie sich einig: Wir probieren es. „Ich dachte, ich teste drei, höchstens fünf Jahre die Gemeinde und schaue, wie es so läuft“, sagt er und lacht.

Dasselbe Recht nahm sich der Kirchenvorstand. Wie die Geschichte ausgegangen ist, wissen alle Klein-Kärber. Die Gemeinde ließ ihren jungen Pfarrer nicht mehr ziehen – und der wollte auch gar nicht weg. Die einzige, die das nicht gleich einsehen wollte war Pröpstin Helga Trösken, die auf die vorgeschriebenen Anhörungen bestand. Die hielt der damalige Kirchenvorstand für überflüssig, denn sie waren sich einig: „Den Giesler behalten wir“. Dass die Gemeinde als kleinstädtisches Zuzugsgebiet in der jungen Stadt Karben zu ihm passte, hat Giesler schnell erfahren.

„Die brauchten keinen Pfarrer, der einfach nur fromm war“, sagt er. Nein, hier bot sich dem jungen Pfarrer ein breites Tätigkeitsspektrum. Die Gemeinwesenarbeit lag ihm am Herzen. Er knüpfte Kontakte zu Vereinen und öffentlichen Institutionen der Stadt Karben. „Ich habe relativ schnell einen sozialen Arbeitskreis in Karben gegründet und ihn lange als Vorsitzender geführt“, erzählt Giesler.

Aus dieser Arbeit seien die Ideen für die Schulsozialarbeit an der Kurt-Schumacher-Schule entwickelt worden. Dass ältere und kranke Menschen durch eine ambulante Pflege versorgt werden müssen, sah Giesler bei seinen Hausbesuchen. Er unterstützte 1991 die Gründung des Diakonievereins für Haus- und Altenpflege .

Giesler war immer beides wichtig, die Seelsorge und das Hineinwirken in den öffentlichen Raum. Dass er mit seiner Zusatzausbildung als Organisationsberater auch gezielt Projekte weiterentwickeln kann, haben die Gründer des Vereines Wohnen im Alter (WiA) erfahren. „Ich wurde von ihnen 2011 angesprochen, ob ich helfen könne beim Zusammenwachsen der Gruppe und der Entwicklung eines Konzeptes“, sagt Giesler. In der Folge begleitete er die Gruppe in wichtigen Arbeitsphasen. Dass jetzt die ersten Mitglieder des Vereines „Wohnen im Alter“ ihre Wohnungen im fertiggestellten WiA-Haus in der Luisenthaler Straße beziehen konnten, freut ihn.

Aktuell ist Giesler in der Flüchtlingshilfe der Stadt Karben aktiv. „Als 2013/14 die ersten 30 Flüchtlinge kamen, fragte mich Stadtrat Philipp von Leonhardi, ob die Kirchengemeinden helfen könnten, ehrenamtliche Paten zu finden.“ Die Flüchtlingshilfe wird vermutlich noch die nächsten Jahre ein Aufgabenfeld von Pfarrer Giesler bleiben.

Dass ihn seine eigene Gemeinde, die von Beginn an Flüchtlinge unterstützte und in deren Gemeinderäumen Deutschkurse stattfinden, auch weiter den Rücken stärken wird, ist er sich sicher. Und Angst, dass die Gemeindearbeit zu kurz kommt, braucht niemand zu haben. In Gieslers gut durchorganisierter Woche ist Platz für Besuche bei Gemeindemitgliedern und die Konfirmandengruppen.

Bibelkreis und Gemeindeausschüsse treffen sich und donnerstags ist Zeit für Besuche und Vorbereitungen. Der Freitag gehört der Grundschule und der Jugendgruppe. „Ja, ich bin schon ein kommunikativer Mensch und komme mit den unterschiedlichsten Menschen und Altersgruppen klar“, sagt Giesler. Im Laufe der 30 Jahre hat er 1000 Taufen vollzogen und 1200 Konfirmanden gesegnet.

Er sprach Trostworte bei 1000 Beerdigungen, traute 400 junge Paare. Die dreißig Jahre in Karben haben Giesler zu einem Klein-Kärber gemacht, der mit der Gemeinde verwurzelt ist, aber den weltoffenen Blick beibehalten hat.

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