Flüchtlingshelfer erhalten in Karben Tipps

Kurs für Flüchtlingsbetreuer: Helfen, wenn es an die Nieren geht

Asylbewerberleistungsgesetz, Rechte und Pflichten von Ehrenamtlichen, Traumabewältigung: An insgesamt neun Abenden haben Flüchtlingsbetreuer in einem eigens für sie konzipierten Kurs hilfreiche Tipps bekommen. Nun erhalten 23 Wetterauer ein Zertifikat.

Der Umgang mit Ämtern ist für die Flüchtlingshelfer nun kaum eine Hürde mehr: „Ich war häufig unsicher, an wen ich mich wenden kann, wenn Fragen auftreten“, sagt die Karbenerin, die sich seit rund zwei Jahren um einen jungen Flüchtling aus Afghanistan kümmert. „Jetzt kenne ich die rechtlichen Grundlagen und weiß, wo ich Antworten bekomme.“

Der Qualifizierungskurs für Flüchtlingsbegleiter in Klein-Karben hat sein Ziel damit erreicht: Alle 23 Teilnehmer – allesamt freiwillig Engagierte in der Flüchtlingsarbeit – aus der Wetterau haben im insgesamt neunwöchigen Kurs Hilfreiches gelernt. Zum Abschluss erhalten sie nun das entsprechende Zertifikat als offizielle Bestätigung ihrer Qualifikation durch das Evangelische Dekanat Wetterau, den Caritasverband Friedberg und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Friedberg.

„Wir hatten eine sehr interessierte, gut mitarbeitende Gruppe in Karben“, bilanzieren Gerlinde Jallow und Hilary Roger, die beim Evangelischen Dekanat und beim Deutschen Roten Kreuz die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe koordinieren. Zusammen mit Hartmut Goeb vom Caritas-Beratungszentrum Friedberg haben sie den Qualifizierungskurs organisiert und geleitet. Beide sind sich einig, dass am bewegendsten sicher die zwei Abende zu Gewalt und Traumata waren. Der Beitrag von Wildwasser, einem Verein für Mädchen und Frauen, die von sexuellem Missbrauch und Gewalt betroffen sind, habe viele Teilnehmer motiviert, von ihren Erfahrungen mit Flüchtlingen zu berichten und sich im Austausch hilfreich beraten zu lassen.

„Es wurden Strategien erarbeitet, wie die Ehrenamtlichen sich in diesen Situationen verhalten und wo sie sich Hilfe holen können“, sagt Jallow – also dann, wenn es einmal richtig an die Nieren geht. Auch die letzte inhaltliche Sitzung mit der Klein-Karbener Psychotherapeutin Christine Stern habe einfühlsam für das Thema Traumata sensibilisiert. Neben der psychischen Situation der Flüchtlinge standen auch Themen wie Asyl- und Aufenthaltsrecht, interkulturelle Kompetenz, Prävention und Kinderschutz auf dem Programm.

„In Karben erleben wir eine gute Verknüpfung aus Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen“, lobt Roger zum Abschluss. „Aus anderen Kommunen kenne ich auch Fälle, in denen zwischen Ehrenamtlichen und der Stadt eine Mediation nötig war.“ So hat auch Gabriele Davis, die die städtische Flüchtlingshilfe koordiniert, von Tag eins an am Kurs teilgenommen. „Ich habe viel für meine tägliche Arbeit mitgenommen“, stellt sie zufrieden fest.

Weitere Kurse zur Qualifizierung Wetterauer Flüchtlingsbetreuer sind – nicht zuletzt wegen der positiven Rückmeldung der Teilnehmer – geplant. „Der Bedarf ist weiterhin groß“, sind sich Roger und Jallow einig. Nun wird ausgewertet und gemeinsam weiterentwickelt, um auf aktuelle Bedürfnisse zu reagieren.

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