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Entgegengenommen haben Dagmar Loos (rechts) und ihre Mithelferin Waltrau Foike 27 Proben, abgefüllt jeweils in zwei 1-Literflaschen. Zum Angucken werden sie in Gläser gefüllt und mit den Nummern der Flaschen versehen.

Hobbykelterer testen in Karben ihren Apfelwein

So lecker schmeckt Naturschutz

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Süffig soll ein guter Apfelwein sein, eine schöne Farbe haben und gut riechen. Wer das beste Stöffchen macht, das testeten begeisterte Apfelweinfreunde und Hobbykelterer im Naturfreundehaus Okarben.

„Hier kommt Nummer 26“, ruft Dagmar Loos vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsgruppe Karben/Niddatal – und hebt eine dunkelgrüne 1-Liter-Flasche hoch. Vor ihr im Naturfreundehaus Okarben sitzen die Tester, lauter gut gelaunte Apfelweinfreunde und Hobbykelterer.

Knallvoll ist es an diesem Abend in der gut durchwärmten Hütte. Entsprechend hocherfreut ist Organisatorin Dagmar Loos über die Resonanz des siebten Wettbewerbs. Eingeladen zu dieser Kultveranstaltung haben BUND und Naturfreunde Karben. 60 Köpfe zählt Loos an diesem Abend, 60 „Gerippte“ stehen auf den Tischen. Dazu Brot zum Neutralisieren der Geschmacksnerven und Krüge, in denen der nicht getrunkene Rest entleert werden kann.

Der bekennende Apfelweinfreund Rudolf Nadler lässt sich von Loos einschenken, hält das Glas ans Licht, nimmt einen Schluck und noch einen. Überzeugt ist er nicht. „Man kann ihn trinken, aber ich habe heute schon bessere probiert“, sagt er. Und macht seine Kreuzchen für Geschmack, Geruch und Farbe auf dem Bewertungszettel.

Daneben hat er seinen Spickzettel liegen, auf dem er verschiedene Flaschennummern aufgeschrieben hat. Wie jedes Jahr treibt Nadler die Frage um, ob er „seinen“ Apfelwein raus schmecken kann. „Seiner“, das ist der Apfelwein aus Äpfeln vom „Roggauer Grund“ und gekeltert und getrunken wird er von den Mitgliedern des Gesangsvereines Heimatliebe Burg-Gräfenrode.

„Wir haben jedes Jahr mehr Teilnehmer“, freut sich Loos. Mit 15 Hobbykelterern habe sie gerechnet, denn so viele Voranmeldungen gab es. Entgegengenommen haben Loos und ihre Mithelferin Waltrau Foike dann 27 Proben, abgefüllt jeweils in zwei 1-Literflaschen. Viel Arbeit für die beiden, denn jede Flasche wird registriert und nummeriert, manchmal auch umgefüllt in neutrale grüne Flaschen.

„Niemand soll seinen Apfelwein an der Flasche erkennen“, sagt Loos. Denn unter den Testern sitzen auch die Hobbykelterer selber und die sind gespannt auf den neuen, jungen Apfelwein. Dass wie jedes Jahr auch ein „Bescheißerle“ dabei ist, hat ihnen Loos schon angekündigt. Das ist Tradition, seitdem sie beim ersten Wettbewerb einen Weißwein untergeschoben hat, der niederschmetternd bewertet wurde.

Dass Apfelwein auch nach Apfel schmeckt und nichts anderes beigemischt ist, ist selbstverständlich bei den Hobbykelterern. Peter Bader aus Okarben verarbeitet nur die selber geernteten Äpfel von den Streuobstwiesen und bringt sie zu seinem Kelterer Ferdi Abendroth in Frankfurt-Oberrad. „Wir geben nichts dazu, bei uns heißt es vom Baum in den Kelter“, sagt er.

So praktizieren das auch die Mitglieder der Apfelweingilde Rendel. Der Freundeskreis hat die Streuobstwiesen entlang des Silberwiesenweges gepachtet und gekeltert wird das Obst von Ralf Falkenstein in Ober-Erlenbach. 900 Liter neue Ernte warten nun darauf getrunken zu werden. Mitglied Walter Hotz hat ihn schon probiert und auch Frank Ballmer. „Er ist schön fruchtig, leicht prickelnd und von der Farbe etwas trüb, er sitzt noch auf der Hefe“, sagt er. Die Probe, die er gerade vor sich stehen hat, ist es jedenfalls nicht. „Ich erkenne unseren Apfelwein“, ist Ballmer überzeugt.

Mitten im fröhlichen Probieren ruft Loos „Jetzt geht es in die Schlussrunde, hier kommt die letzte Flasche, es ist die Nummer Vier“. Aufgeschreckt gucken alle hoch und Loos grinst. „Danach kommt die zweite Runde“, erklärt sie. Wer seine Punktevergabe überprüfen wolle, der könne sich noch einmal aus der gewünschten Flasche einschenken lassen. Alle anderen sollten ihren Bewertungszettel abgeben – und dann wird gerechnet.

Die zweite Runde ist nicht kürzer als die erste. Wie viele andere probiert Anke Behrens von der IG Streuobstwiese noch den einen oder anderen Apfelwein. Einer ihrer Favoriten ist die Nummer Zwei. „Aromatisch und ohne Fehltöne“, sagt sie und spürt dem Geschmack nach, bewegt den Schluck im Mund hin und her. „Riecht auch gut und hat eine schöne Farbe“, fügt sie hinzu. Etwas trüb sei er, aber ob klar oder trüb, das sei Geschmackssache. Und überhaupt: Der Apfelwein von Hobbykelterern sei ein Naturprodukt und da sei nicht mit gleichbleibenden Ergebnissen zu rechnen.

Teilgenommen hat die IG Streuobst zum ersten Mal am Wettbewerb. „Wir wollen gerne wissen, wo wir stehen“, bekennt sie und so wurden zwei Liter von den kostbaren ersten 80 Litern des eigenen Apfelweins „geopfert“ für den Hobbykelterer-Wettbewerb.

Gegen 22 Uhr hat Jens Foike vom BUND alle Punkte ausgezählt. Loos macht es spannend und erinnert erst noch einmal daran, wozu der BUND und die Naturfreunde diesen Wettbewerb überhaupt ausrichten. „Das ist Naturschutz in der schönsten Form“, sagt sie. Ihr kümmert euch um die Bäume auf den Streuobstwiesen, pflegt sie und erntet das Obst. Wie man es verarbeitet, ob zu Apfelwein oder Apfelsaft, das könne jeder lernen.

Dann gibt es die Urkunden für die drei Erstplatzierten. Es sind Hendirk Schemm aus Gronau, Frank Ballmer von der Apfelweingilde Rendel und Jürgen Theis aus Nidderau-Heldenbergen.

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