Stadtpolitik

Leise Hoffnung für Betroffene - Okarbener Bahnhof könnte barrierefrei werden

Barierefreiheit ist am Groß-Karbener Bahnhof ein Fremdwort. Und eine Lösung ist erst mal nicht in Sicht, wie sich bei einer Podiumsdiskussion des VdK Karben und Friedberg zum Thema „Barrierefreie Bahnhöfe“ im Bürgerzentrum gezeigt hat. Der hoffnungsvolle Blick geht nach Okarben.

Es ist ein fast tägliches Bild am Groß-Karbener Bahnhof: Mütter mit Kinderwagen brauchen Hilfe, wollen sie aus der Unterführung auf den Bahnsteig in Richtung Frankfurt. Genauso geht es Menschen mit schwerem Gepäck oder älteren Menschen, gar nicht zu reden von Rollstuhlfahrern oder Senioren mit Rollatoren. Ohne Hilfe sind die S-Bahnen nicht zu erreichen.

Weil die Deutsche Bahn (DB) aber auf den Ausbau der Strecke setzt und erst dann den Groß-Karbener Bahnhof barrierefrei umbauen will, empfiehlt die Stadt, den Okarbener Bahnhof zu nutzen. Zumindest dort könnte sich etwas zum Positiven wenden, Bis 1984 reichen die Akten, die Bürgermeister Guido Rahn (CDU) aus dem Archiv ziehen ließ. Zu Beginn der Veranstaltung erklärt er, man habe als Stadt mit der Bahn „unzählige Male hin- und hergeschrieben“.

Ohne Ergebnis. Die Bahn verweise auf den Ausbau der Main-Weser-Bahn, in deren Zuge alle Bahnhöfe barrierefrei ausgebaut werden sollen. Angedachtes Jahr bis zur Verwirklichung: 2028. „Das sind ja nochmal zehn Jahre. Und dann können aufgrund von Einsprüchen und langwierigen Planungsverfahren noch mal viele Jahre dazukommen. Aber es muss sehr bald etwas passieren“, fordert Rahn in Anwesenheit eines Bahn-Vertreters. Das Stadtoberhaupt betont, die Stadt sei bereit, Geld dazuzugeben, wenn Verbesserungen hin zur Barrierefreiheit gebaut werden sollten.

Schnell konzentrieren sich die Diskussionsteilnehmer an diesem Abend auf den Okarbener Bahnhof. Denn dort lassen sich zumindest beide Bahnsteige barrierefrei erreichen. Doch beim Einstieg in die S 6 ist Schluss, denn es gilt, einen Höhenunterschied zu überwinden. Das ist an deutschen Bahnhöfen nichts Ungewöhnliches. Der Landesvorsitzende des VdK Hessen-Thüringen, Paul Weimann, erklärt, dass es in Deutschland sieben verschiedene Bahnsteighöhen zwischen 38 Zentimetern und 1,03 Metern gebe. Die Deutsche Bahn wolle nun alle Bahnsteige auf 76 Zentimeter Höhe bringen.

Bahn-Vertreter Ewald Hallenberger von der DB Station&Service, die für die Bahnhöfe zuständig ist, zeigt auf, dass die DB pro Jahr 100 bis 140 Bahnsteige barrierefrei umbaue. Aber es gebe noch über 400 Stationen mit über 1000 Reisenden pro Tag, die nicht barrierefrei seien.

Unter den Besuchern sitzen auch einige Mitglieder der Karbener MS-Gruppe. Sie äußern sich im Anschluss zwar enttäuscht vom Auftritt des Bahn-Vertreters, sind im Großen und Ganzen aber zufrieden mit dem Verlauf der Diskussion: „Der VdK hat sehr gute Ideen, und mit Bürgermeister Rahn kann das was werden“, betont etwa Peter Wolf-Schwalm optimistisch.

Lange warten wollen sie aber nicht mehr, bis es auch am Groß-Karbener Bahnhof barrierefreie Lösungen gibt: „Wir wollen selbstständig sein! Es muss etwas passieren“, betont auch Angelika Link. Insgesamt

950 Unterschriften

hat die MS-Gruppe für ihre Sache gesammelt und dem VdK übergeben. Bis Ende dieses Jahres wollen sie sich noch gedulden: „Wenn dann nichts passiert, müssen wir noch mehr Lärm in der Öffentlichkeit machen“, kündigt Link an.

Ein Zuschauer fragt, ob die Stadt nicht die Bahnsteige kaufen und sozusagen auf eigene Faust so umbauen könne, dass Menschen mit Behinderungen ohne Hilfe einsteigen können. Rahn antwortet, dies sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Jedoch schlägt der Bürgermeister einen Ortstermin vor. Am Okarbener Bahnhof könnten sich Vertreter der Stadt, Betroffene und Vertreter der Bahn treffen, damit direkt aufgezeigt werden könne, wo Abhilfe möglich wäre.

Bahn-Vertreter Hallenberger sagte zu, er werde sich bei den zuständigen Kollegen dafür einsetzen, dass ein solcher Termin zustande komme. Man sei als Stadt bereit, Geld in die Hand zu nehmen und die Bahn bei Umbauarbeiten zu unterstützen, sagt Rahn unter Beifall. „Eventuell erreichen wir bei einem Ortstermin mehr, als wenn wir dauernd hin- und herschreiben.“

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