40. Blütenkönigin der Gemeinschaftsobstanlage Klein-Karben

Majestät Rebecca I. verzaubert mit ihrem Lächeln

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Die Amerikanerin Rebecca Johnson freut sich schon aufs Blütenfest in der Gemeinschaftsobstanlage Klein-Karben. Denn dieses Jahr ist sie bereits zum zweiten Mal Blütenkönigin. Künftig soll es nur alle zwei Jahre eine neue Majestät geben. Das ist aber nicht die einzige Neuerung, die das Blütenfest betrifft.

Ein schönes Kleid hat ihre Mami an und ein tolles Diadem, findet Dayra (3). Rebecca Johnson trägt ein Dirndl in einem dunklen Rosa, ihr braunes Haar, daszu einem Zopf gebunden ist, schmückt ein schmaler goldener Reif, an dem zarte, weiße Blüten befestigt sind. „Das ist noch von meiner Hochzeit“, erzählt die Amerikanerin, die mit ihrem Lächeln die Menschen um sie herum bezaubert.

„Wie wäre das, wenn Dayra auch ein Kleid bekommt, so wie ein Blumenmädchen, so dass sie deine Prinzessin wird? Das wäre doch mal was“, schlägt Gisela Schaub, Vorsitzende der Gemeinschaftsobstanlage Klein-Karben, vor. Die Idee findet Gefallen, daher will sich Schaub nach einem Kleid und einem kleinen Krönchen für die Dreijährige umsehen, die dann vielleicht neben ihrer Mama als Prinzessin auf dem Blütenfest auftritt.

Anders als bei den Majestäten im Umkreis wie zum Beispiel der Quellen- oder der Rosenkönigin, ist das Kleid eher schlicht und im Landhausstil. „Das passt auch besser zu unserem Fest“, meint Schaub. Johnson ist bereits zum zweiten Mal Blütenkönigin, insgesamt die 40. in der Geschichte der Obstanlage. „Im vergangenen Jahr war ich wirklich aufgeregt. Dieses Jahr freue ich mich, weil ich weiß, was mich erwartet und dass ich es nicht so ernst nehmen muss“, sagt die 46-Jährige mit einem leichten amerikanischen Akzent.

Als sie vom Verein gefragt wurde, war sie gerade ein halbes Jahr mit ihrem Mann Taber (42) Mitglied im Verein. Auf die Obstanlage ist die Familie eher durch Zufall gekommen. „Freunde luden uns ein. Die Kinder haben hier gespielt und fanden es schön. Jetzt haben wir seit eineinhalb Jahren eine Parzelle mit 80 Bäumen“, erzählt die Mutter von sieben Kindern, die drei bis 17 Jahre alt sind.

An der Wand im Vereinshaus hängen die vielen Fotos der Blütenköniginnen aus den vergangenen Jahren. „Es wird immer schwieriger, jedes Jahr eine neue Amtsträgerin zu finden“, sagt Schaub. „Insofern haben wir uns besonders gefreut, dass wir eine junge, hübsche Würdenträgerin gefunden haben.“

Seit 2011 wohnt Johnson mit ihrer Familie in Deutschland. Geboren ist die Amerikanerin in Kalifornien, aufgewachsen in Utah, ihre Kinder kamen in New Jersey zur Welt. „Wir haben zwei Jahre in England gelebt. Mein Mann musste in der Zeit für die Firma häufiger nach Frankfurt. Jetzt hat er dort seinen Job“, erzählt die Amerikanerin. Die Familie ist im Rhein-Main-Gebiet schon heimisch geworden, jetzt wollen sie im Gebiet Kalkofen an der Waldhohl bauen.

Ihr gefällt Karben, denn dort können die Kinder zu Fuß zur Schule, es gibt Wald und Felder. „Ich finde die Stadtplanung gut, dass Industrie und Wohnhäuser getrennt sind. Vor allen Dingen, dass die Häuser zusammenstehen. In Utah kann man überall bauen, da ist das sehr verstreut“, sagt Johnson. Die Lebensqualität ist ihrer Meinung nach in Deutschland höher. „Das einzige, was ich vermisse, ist das Gebirge“, erzählt die Blütenkönigin. Und eine bestimmte Süßigkeit, „Tootsie Rolls“, das einem Kaubonbon mit Schokoladengeschmack gleicht.

Dafür mag sie die Äpfel aus der Parzelle nicht mehr missen. „Ich habe das gemerkt, als ich nach einem Jahr das Obst im Supermarkt gekauft habe. Die eigenen Äpfel schmecken viel besser.“ Die Auswahl in ihrer Parzelle ist groß, neben Elstar, Jonagold, Topaz, Melrose und Glockenapfel kommen noch die Rubinette, Pinova und andere Sorten. Die Arbeit in ihrer Parzelle macht der Familie viel Spaß, Unterstützung gibt es von den anderen Mitgliedern, die mit Ratschlägen unter anderem zum richtigen Schnitt der Obstbäume zur Seite stehen.

Die Zeiten, in denen die Blütenkönigin trinkfest sein musste, weil am Fest kostenlos Schnaps ausgeschenkt wurde, sind übrigens vorbei. „Das ist nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen ja auch nicht die Jugendlichen zum Trinken animieren“, sagt Schaub.

Stattdessen teilt Johnson, die selbst keinen Alkohol trinkt, Süßigkeiten aus. „Das kam im vergangenen Jahr gut an“, sagt Johnson, die von ihrem Mann ermuntert wurde, das Majestäten-Amt zu übernehmen. „Durch das Fest habe ich viele Menschen kennengelernt, mich mit ihnen unterhalten und dadurch auch mein Deutsch verbessert“, erzählt die 46-Jährige. Darauf freut sie sich jetzt wieder.

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