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Jörg K. Wulf investiert einen Großteil seiner Zeit ins Ehrenamt. Er ist Vorsitzender des Karbener Sportvereins und des Sportkreises Wetterau.

Zum Tag des Ehrenamts

Wie sich ein Mann für 460 Vereine engagiert

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Klar: Das Ehrenamt ist eine Stütze der Gesellschaft. Doch was haben die Menschen davon, die sich einsetzen? Was motiviert sie? Anlässlich des Internationalen Tags des Ehrenamts erzählt Jörg K. Wulf seine Geschichte. Er ist Vorsitzender der Karbener Sportvereins (KSV) und des Sportkreises Wetterau.

Jörg K. Wulf hat einen straffen Zeitplan: Er ist nicht nur Vorsitzender des Karbener Sportvereins (KSV), sondern auch des Sportkreises Wetterau. Im Sport war er gleichwohl Spätstarter. "Ich war nie ein aktiver Sportler von Kind an, sondern eher ein Bewegungslegastheniker", schildert der 73-Jährige. Nachdem er mit 47 Jahren einen Herzinfarkt erlitten hatte, erkannte er in der Reha, wie wichtig Bewegung sei. Neben Tennisspielen und Radfahren entdeckte er das Laufen für sich, um Kondition zu erlangen. 18 Stunden täglich hatte er seinerzeit gearbeitet, dies reduzierte er. Eine Ersatzhandlung sei das Ehrenamt allerdings nie für ihn gewesen.

"Ich habe schon früh erkannt, dass mir ein Engagement viel Spaß macht, beispielsweise als Elternbeiratssprecher", sagt er. Vor 40 Jahren zog er nach Karben. "Als Fremder im Ort gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder bleibe ich fremd oder ich versuche, mich zu integrieren. Und das geht über den Sportverein relativ einfach. Es kann auch die Feuerwehr oder der Gesangverein sein." Im KSV spielte er Tennis. " Vor 38 Jahren ergab sich, dass ich Abteilungsleiter Tennis wurde", erzählt er. Dadurch habe er begonnen, eine Beziehung zu dem Verein aufzubauen.

Schwere Zeiten überstanden

Als später ein Vorsitzender gesucht, aber nicht gleich gefunden wurde, sagte er: "Ich mach das." Er hatte vor, das Amt nur vorübergehend auszuüben. Der Verein schwamm damals finanziell in schwierigem Fahrwasser. Wulf nahm sich vor, den KSV zu sanieren, unterschätzte allerdings die Arbeit und Dauer, die für die Erneuerung erforderlich war. "Es war mehr Zeit nötig als eine Wahlperiode." Wulf blieb.

Wenige Jahre darauf fragte der damalige Sportkreis-Vorsitzende Thomas Alber, ob er sich eine Mitarbeit vorstellen könne. Wulf übernahm die Öffentlichkeitsarbeit. Als Alber erklärte, kein weiteres Mal Vorsitzender sein zu wollen, trat er 2013 seine Nachfolge an. 460 Vereine mit insgesamt 140 000 Mitgliedern sind im Sportkreis organisiert. Zu den großen Vereinen gehört der KSV, der mit rund 1600 Mitgliedern der bedeutendste in Karben ist. Aus diesen Positionen ergeben sich automatisch Ämter in weiteren Kreisen, Aufgaben, die sich zusammenläppern.

Es ist wie ein Vollzeit-Job, 30 Stunden pro Woche oder mehr fallen an, wie Wulf schätzt. Viel der geleisteten Arbeit sehe man von außen nicht. Zum Beispiel, wenn sich der Beirat des KSV trifft: "Das ist eine Sitzung von drei Stunden. Dann habe ich zu Hause aber schon drei Stunden gesessen. Man muss die Sitzung vorbereiten. Man muss sie nachbereiten, dann sind Aktionen notwendig."

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Um einen Verein zu leiten, gehörten empathische Fähigkeiten dazu, sagt Wulf. "Sie müssen Menschen mitnehmen können." Das gelte besonders, da es gravierende Unterschiede zwischen Unternehmen und Vereinen gebe. "Im Unternehmen sind es Mitarbeiter, die in einem klar definierten Verhältnis zwischen Entlohnung und Leistung stehen." In einem Verein habe man es mit Ehrenamtlichen zu tun, die man begeistern und überzeugen müsse.

Ehrenamtliche Helfer zu finden sei oft schwierig. Wer Menschen allerdings mit Druck an etwas heranführen wolle, laufe Gefahr, dass sie weglaufen. "Denn sie opfern ja ihre Freizeit", erklärt der Karbener. Um Menschen zu motivieren gebe es kein Patentrezept.

Ein Lösungsansatz sei, statt ihnen ein Amt zu geben oder eine Position zu besetzen, die Menschen für Projekte zu gewinnen: Zeitlich begrenzte klar abgegrenzte Aufgaben. Nicht für eine komplette Amtszeit, sondern vielleicht für mehrere Monate oder eine Saison. Und nur für das eine Projekt.

Kein Dank zu erwarten

Die Erwartungshaltung eines Verantwortlichen an Dankbarkeit, fährt Wulf fort, müsse bescheiden sein. Denn wer auf Dankbarkeit warte, werde vermutlich oft auch enttäuscht. "Man macht das bis zum Ende durch, darf aber nicht davon ausgehen, dass 1600 Mitglieder am Ende Applaus klatschen."

Das Erfüllende sei letztlich, Dinge zu bewegen, sich einzubringen und für seine Überzeugungen zu kämpfen. "Und dann kommt noch etwas dazu", nennt Jörg K. Wulf einen weiteren Beweggrund für sein Engagement. Sein Vater sei, als er aus dem Job in die Rente gegangen sei, in eine Leere gefallen. Das habe er anders gewollt, er habe sich gesagt: "Irgendetwas muss es geben, was du tun kannst. Und das war, Verantwortung im Verein zu übernehmen."

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