In der Sammlung des Heimatmuseums: ehrenamtliche Helferinnen mit Geschichtsverein-Vize Rainer Obermüller.
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In der Sammlung des Heimatmuseums: ehrenamtliche Helferinnen mit Geschichtsverein-Vize Rainer Obermüller.

Schau im Degenfeldschen Schloss

Museum gibt Karben ein Gesicht

Hier schlummert die Historie einer ganzen Stadt: Im Heimat- und Landwirtschaftsmuseum sind Erinnerungen an das Leben in Karben zusammengetragen. Dafür sind viele Helfer nötig – bis heute. Reinschauen kann jeder, nächstes Mal am Sonntag.

Als 1970 die Stadt Karben aus sieben Dörfern entstand, war nicht nur an verwaltungstechnische Aufgaben zu denken. Sondern die Gründungsbürgermeister aus allen Stadtteilen suchten nach Möglichkeiten, das „Gesicht“ Karbens aus der Tradition der einzelnen Ortsteile heraus zu gestalten.

„Es kristallisierte sich der Gedanke an ein Heimatmuseum heraus“, erinnert Hansi Rehbein-Langner. Sie ist Sprecherin des Museumsteams, welches das Haus heute betreut. Auch der Standort fand sich schnell: Räume im Degenfeldschen Schloss in Groß- Karben.

Engagement und Sammelleidenschaft sollten nun in diesem Areal die verborgenen Schätze wieder der Aufmerksamkeit jüngerer Generationen nahe bringen. Eifrigster Organisator und Sammler war der ehemalige Kloppenheimer Bürgermeister Edmund Felber, letzter Ehrenbürger der Stadt Karben. Er starb vor fast genau einem Jahr.

„Wo er etwas witterte, besonders aus dem landwirtschaftlichen Bereich, war er zu Stelle“, sagt Hansi Rehbein-Langner. Mit gleicher Leidenschaft für Exponate aus den Bereichen der Feld- und Tierwirtschaft stand ihm Kurt Rupp, Landmaschinenkonstrukteur aus Ober-Mörlen, zur Seite.

Mitte der 1970er-Jahre nahmen die Pläne Gestalt an. Bewohner stellten, teils als Schenkung, teils als Leihgaben, den Museumsleuten Exponate zur Verfügung: Butterstampfer, Puppenstuben, Kaufläden, Literatur und Sportgeräte, eine umfassende Darstellung der Karbener Mineralbrunnen, eine Rübenhäcksel- und Kartoffelsä-/erntemaschine.

Sammeln, Dokumentieren

Der Platz wurde eng. Anfang der 1990er-Jahre wurde daher eine neue Halle für die Landwirtschaftsmaschinen gebaut. Heute beherbergt sie die größte geschlossene Sammlung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte aus den vergangenen 150 Jahren in Hessen.

Neben dem Bewahren und Sammeln ist die Dokumentation die zweite Grundlage der Museumsarbeit. Waren es früher Karteikarten und Fotos, um zu ordnen und festzuhalten, so ist es heute die Digitalisierung. Edgar Pfeiffer aus dem Museumsteam hat Grundlagenarbeit geleistet. Mit ehrenamtlichen Helfern führt Rainer Obermüller, Vize-Vorsitzender des Karbener Geschichtsvereins, die Arbeit fort.

Manchen Schwierigkeiten waren die Museumsräume ausgesetzt: Pilzbefall in den alten Holzbalken, unsachgemäße Restaurierung in den Nachkriegsjahren. Die Beseitigung der Bauschäden kam die Stadt teuer zu stehen. Die Zimmerleute fanden beim Anschuhen der Deckenbalken immer wieder Wurzelstränge des Hausschwammes. Er wächst durch Mauern, kann Jahrzehnte in Trockenheit überdauern.

Verein übernimmt

Eine lange Zeit des Umräumens, Umlagerns und „erst einmal ins Depot stellen“ folgte. Herbert Schuch war zu dieser Zeit Museumsleiter. 2010 übernahm der Karbener Geschichtsverein die Aufgabe, das Museum wieder zum Leben zu erwecken.

Museumssprecherin Charlotte Jaekel vertritt, unterstützt von ihren ehrenamtlichen Mitstreitern, die Devise: „Ein Museum ist nichts Statisches. Museen müssen Bindeglieder sein zwischen Gestern, Heute und Morgen.“ fnp

Das Heimatmuseum Karben, Westliche Ringstraße 1, hat jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet, nächste Male am 1. August und 6. September. Eintritt frei.

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