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Die Entlüftungskästen auf dem neuen Stadtplatz werden mit Pflanzkübeln aufgepeppt.

Bebauung Dreiecksgrundstück

Neue Mitte Karben: Erste Kritik am zentralen Platz

Manche Kommunalpolitiker hatten gleich Bauchschmerzen mit der dichten Bebauung des Dreiecksgrundstücks. Inzwischen wird die Kritik am neuen Platz lauter.

Symbolische Spatenstiche haben es so an sich, dass deren Teilnehmer euphorisch sind. Vertreter der Investoren und der Stadt waren es im September 2017. Immerhin hatten die Planungen zur Bebauung des Dreiecksgrundstücks über zweieinhalb Jahre gedauert, zu lange, wie Bürgermeister Guido Rahn seinerzeit sagte. Was er damals noch nicht wusste: Die avisierte Bauzeit von 18 Monaten ist bei Weitem überschritten worden. Wäre alles nach Plan gelaufen, hätten die Geschäfte im Frühjahr 2019 eröffnen müssen und die Wohnungen wären bezugsfertig gewesen.

Neue Mitte Karben: Komplex über ein Jahr später fertig

Ein gutes Jahr später sind immer noch nicht alle Läden und Büros bezogen, auch die Karbener Stadtbücherei muss noch länger in ihrem beengten Domizil im nahen City-Center ausharren.

Allerdings ist es weniger die deutlich spätere Fertigstellung des architektonisch spektakulären Komplexes, der Gewerbe, Freizeit und Wohnen vereint, als vielmehr verschiedene Dinge, die nicht so verwirklicht worden sind, wie ursprünglich gedacht und geplant. "Das Dreiecksgrundstück hat sich anders entwickelt, als es uns vorgestellt wurde", sagt etwa die SPD-Stadtverordnete Christel Zobeley in einer Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur. Details nannte sie zwar nicht, kritisierte aber, dass hier offenbar die Kontrolle gefehlt habe. "Das ist Sache des Wetteraukreises", reichte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) die Verantwortung weiter. Gleichwohl habe man als Stadt auf verschiedene Dinge hingewiesen.

Dieses Stück der Bahnhofstraße wird demnächst gesperrt und seitens der Stadt zu einem Platz umgebaut.

Beispielsweise auf die sechs großen Entlüftungsschächte mitten auf dem Platz. "Wir hätten das gerne anders gehabt", gibt auch der Fachdienstleiter Bauen und Stadtplanung, Heiko Heinzel, zu. "Aber der Bauherr habe gesagt, es habe sich technisch nicht anders machen lassen." Die Entlüftung ist gedacht für die Tiefgarage mit ihren 120 Plätzen. Auf Seite 22 im dem Bau zugrunde liegenden Bebauungsplan Nummer 211 heißt es: "Bauliche Anlagen zur Tiefgaragenlüftung und -entrauchung sind innerhalb und außerhalb der für die Tiefgarage festgesetzten Fläche zulässig." Sprich: Mit Entlüftungsschächten war zu rechnen. Heinzel und Bürgermeister Rahn kündigen dazu an, die Schachtaufbauten sollen stabile Blumenaufsätze mit großen Blumenkästen erhalten.

Neue Mitte Karben: Nachbesserungen für Brunnen gefordert

Laut B-Plan hätte der Brunnen, der die sieben Karbener Stadtteile symbolisieren und mit Fontänen ausgestattet werden soll, eigentlich am Beginn des Stadtplatzes angelegt werden sollen. Doch ist er nun, vom Parkplatz des Selzerbrunnenzentrums kommend, ganz nach hinten gerutscht. "Der Brunnen ist nicht so geworden, wie gewünscht", sagt Heinzel dazu. Die Wasserspiele seien zu tief gelegt worden, dadurch seien Stolperfallen entstanden. Diese Dinge habe man angesprochen und sie sollten nachgebessert werden.

Kritisch haben sich gegenüber dieser Zeitung auch einige Karbener dazu geäußert, dass der Stadtplatz der Neuen Mitte nicht eben verläuft, sondern es Treppenstufen gibt. Der städtische Fachdienstleiter gibt zwar zu, dass "die Höhen in den ersten Entwürfen noch nicht bekannt" gewesen seien. Meint aber auch, dass man bei Verlängerung der Ebene des Stadtplatzes die Stufen dann näher am Fachmarktzentrum gehabt hätte.

Der Blick geht jetzt jedoch nach vorn. Wie Rahn in der Ausschusssitzung ankündigte, werde die Brunnenstraße in Höhe der neuen Mitte ab März gesperrt. Zwischen Einfahrt zum Selzerbrunnenzentrum und der Ausfahrt werde das Straßenstück "wie der Stadtplatz gepflastert", informiert Heinzel. Der jetzige Pylon mit den Werbetafeln, der auf die Geschäfte im Selzerbrunnenzentrum verweise, soll umgesetzt werden. Wo der jetzige Gehweg verlaufe, solle es einen Grünstreifen geben. "Wir wollen den Bereich aufwerten", verspricht er. Und wie sieht es mit der Begrünung des Stadtplatzes zwischen den Häusern aus? Heinzel ist da skeptisch. "Darunter verlaufen viele Schächte und Leitungen und der verrohrte Geringsgraben."

Neue Mitte Karben: SPD verlangt bessere Kontrolle

Die SPD jedenfalls verlangt eine bessere Kontrolle solcher Bauten durch die Stadt. Das lehnt der Bürgermeister aber ab, denn man würde eine Stelle schaffen, habe dazu aber gesetzlich keine Befugnisse.

Und in der Sitzung kam die Frage auf, wann und wie oft die Bauaufsicht des Wetteraukreises hier eigentlich kontrolliert habe. Auf Anfrage dieser Zeitung heißt es dazu: Die letzte Bauzustandsbesichtigung fand Mitte 2019 statt. Die Lüftungsschächte hatte die Bauaufsicht nicht beanstandet." Die Anordnung der Entlüftungsschächte der Tiefgarage auf dem Stadtplatz widerspreche nicht den Festsetzungen des Bebauungsplans. Und der Brunnen ist, so Sprecherin Petra Schnelzer kurz und knapp, "baurechtlich nicht relevant". Die eigentliche Abnahme durch die Bauaufsicht finde erst nach abschließender Fertigstellung des Gebäudes statt. "Momentan wurde uns nur die Benutzung vor Fertigstellung angezeigt."

Kommentar: 

Der Öffentlichkeit ist mit schönen Worten ein Projekt verkauft worden, von dem mancher schon geahnt haben mag, dass Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen werden. Dabei soll gar nicht kritisiert werden, dass diese neue Mitte auf einer Brache gebaut wurde. Die Baukörper sind architektonisch ansprechend, die Grundidee, Läden, Wohnungen, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen unter einem Dach anzusiedeln, sehr lobenswert.

Es sind aber wichtige Details, die den Eindruck trüben. Die Entlüftungsschächte mitten auf dem Stadtplatz etwa oder die Tatsache, dass die Verbindung zum Selzerbrunnenzentrum über Treppenstufen erfolgt. Und der Brunnen, der als Blickfang zum Neubaukomplex gelten sollte, ist ins Eck abgedrängt worden. Von Begrünung auf dem Stadtplatz ganz zu schweigen. Wie heißt es doch so schön im B-Plan: "Herzstück des Entwurfs ist ein großer Stadtplatz mit Wasserfläche, der zum Treffpunkt der Bürgerinnen und Bürger werden soll." Die Wasserfläche wird kaum der Rede wert sein, stattdessen werden die wenigen, die sich im Eissalon oder im Café aufhalten wollen, von der Tiefgaragenluft angeblasen.

Die letzte Chance zu korrigieren, was die Bauherren nicht hinbekommen haben, hat nun die Stadt. Es bleibt ihr ein glückliches Händchen zu wünschen, dass sie wenigstens das bisschen Straße, das zwischen neuer Mitte und Selzerbrunnen zum öffentlichen Platz werden soll, ansprechend gestaltet. Damit die Bürger sich wenigstens dort treffen können.

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