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Vor dem Gericht in Frankfurt geht es um eine brutale Tat, die bereits zwei Jahre zurückliegt. Symbolfoto: dpa

Prozess

Opfer des brutalen Raubüberfalls im Jahr 2016 sprechen als Zeugen vor Gericht

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Sie gelten als wichtigste Zeugen im Prozess um den brutalen Raubüberfall auf einen Bauernhof in Karben vor dem Frankfurter Landgericht: Am dritten Verhandlungstag wurden jetzt die beiden Tatopfer im Zeugenstand vernommen, die 66 und 67 Jahre alten Eheleute, denen der Hof gehört und die in jener Nacht zum 19. Juli 2016 von vier Männern heimgesucht wurden.

Die 67 Jahre alte Frau hatte sich an jenem Abend bereits im Schlafanzug zur Ruhe begeben, als von draußen gellende Hilferufe ihres Mannes zu hören waren. Der 66-Jährige hatte wohl im Auto etwas vergessen und war deshalb noch einmal nach draußen in die Dunkelheit gegangen.

Die Frau stand also wieder auf und ging nach unten, um nachzusehen. Damit war sie praktisch von einer auf die anderen Sekunde mitten im Tatgeschehen angelangt. „Die Räuber hatten meinen Mann bereits auf dem Parkplatz überwältigt und ins Haus gestoßen. Dort lag er gefesselt auf dem Boden“, berichtete die Zeugin mit schwacher Stimme.

Zwischenzeitlich hat sie ernsthafte gesundheitliche Probleme mit den Stimmbändern bekommen, die die ohnehin vorhandenen psychischen Beschwerden seit dem Überfall offenbar noch verstärkten. Die Räuber fackelten nicht lange und fesselten auch die Frau, die brutal zu Boden ging.

Auf die Forderung „Geld, Geld“ wechselte zunächst der Inhalt einer Geldbörse auf einem Regal unfreiwillig den Besitzer. Doch mit den 400 Euro Bargeld gaben sich die Täter nicht zufrieden. Offenbar ahnten sie, dass mehr Geld im Haus war oder aber hatten den in einem Nebenraum aufgestellten Tresor bereits gesehen. Dem gefesselten Mann wurde schließlich unverblümt mitgeteilt, was geschehen werde, falls er die Nummernkombination des Zahlenschlosses nicht preisgebe: Er werde in den nächsten drei bis fünf Minuten sterben.

Der Aussage der Frau zufolge hatte ihr Mann gar keinen detaillierten Überblick, wie viel Geld in dem Stahlschrank in einer Handtasche lag. Sie habe dann und wann etwas dort zurück gelegt, „ich wirtschafte ja sehr sparsam“. Und das Geld aus der zurückliegenden Ernte sei auch dort hineingelegt worden. „Offiziell“ waren es laut Anklage rund 76 000 Euro, die in jener Nacht wegkamen. Sowie ein Ring, der von der Frau erst ein paar Monate vorher für 2000 Euro gekauft worden war – Geld, dass sie sich zuvor mühsam vom Munde abgespart habe.

Während der Ehemann im Zeugenstand etwas gefasster wirkte („Wir haben uns seitdem einen Schäferhund zugelegt und die meisten Fenster vergittert“), merkte man der Frau die bedrückende Situation und das Erinnern mühsam verdrängter Details aus der Tatnacht immer wieder an.

Am Anfang sei es mit dem Schlaf ganz schlecht gewesen, auch jetzt komme es immer wieder zu unangenehmen Träumen. Bei Dunkelheit verlasse sie das Haus überhaupt nicht mehr und wenn ihr plötzlich mehrere Männer auf der Straße entgegenkommen, „ist das ein ganz schlimmes Gefühl“.

Den 34 Jahre alten Angeklagten, dessen gentechnische Spuren am Tatort sichergestellt werden konnten, erkannte die Frau nicht wieder: „Die waren doch alle maskiert“. Für die von Richter Thomas Striegl geleitete Strafkammer ist die Beweisaufnahme mit der Vernehmung der Landwirtseheleute noch nicht abgeschlossen.

In der kommenden Woche sollen mehrere Zeugen aus dem familiären Umfeld des Angeklagten vernommen werden – darunter auch ein Verwandter, der sich derzeit wegen eines ähnlichen Überfalls auf ein Schmuckhändlers-Ehepaar in Frankfurt-Griesheim (dort allerdings mit einem Todesopfer) vor einer anderen Strafkammer zu verantworten hat.

Ob diese Vernehmungen viel bringen werden, steht noch in den Sternen – vermutlich werden sich die Zeugen auf umfassende Rechte berufen, ihre Aussagen zu verweigern. Zwei weitere Verhandlungstage stehen im Oktober noch an und nach gegenwärtigem Stand soll am 25. Oktober bereits das Urteil verkündet werden.

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