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Butler Albert serviert Tee und liest aus der Zeitung vor, dass eine Werbefirma eine geeignete Location für einen Film sucht. Die Schlossherrin in Geldnöten entschließt sich, das zu machen.

Der Geist von Wuulerth Castle

Rendeler Theatergruppe ist nach vier Jahren Pause zurück

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Der „Geist von Wuulwerth Castle“ geht in Rendel um: Die Laienspieler der Theatergruppe „Familie Dippes“ spielen ihr neuestes Stück. Die Busenfreundinnen Karin und Gisela machen sich auf ins schottische Hochland, weil sie bei einem Werbefilm für halterlose Strümpfe teilnehmen dürfen. Dort treffen sie auf die schrullige Lady Marlborough, den Butler Albert und die Filmproduzentin Cayenne Pfeffer. Als dann noch ein Schlossgespenst durch die Gänge geistert, wird es unheimlich.

Lange haben die Fans der Theater-Familie Dippes darauf warten müssen, dass sich die Wohnzimmertür von Karl und Karin öffnet. Vier Jahre hat die schöpferische Pause gedauert. Doch jetzt ist es wieder soweit: Ihr neues Stück „Der Geist von Wuulwerth Castle“ hatte Premiere. Die Bühne ist wie immer der Saal des evangelischen Gemeindehauses, in dem eng an eng gestellt 70 Stühle stehen. Besetzt waren sie alle, denn auf die begehrten Eintrittskarten hatte es einen wahren Run gegeben.

Lächelnd und entspannt begrüßt Stückeschreiber und Ideengeber Frank Braunroth (Karl Dippes) das Publikum. „Unser Wohnzimmer ist hergerichtet, wir haben neu tapeziert, links seht ihr das Esszimmer von Lady Marlbourough, rechts die Küche von Familie Dippes. Aber ob ich mitspielen werde, das weiß ich noch nicht.“ Ungläubiges Gelächter folgt, denn dass Braunroth den Karl spielt, weiß doch jeder. Karl, Karin und die gemeinsame Freundin Gisela sind die festen Konstanten der Theater-Familie. Um sie herum scharrt sich eine ebenso feste Truppe von begeisterten Laiendarstellern.

Etwas angespannt sitzt Alexandra Plischke geschminkt und kostümiert hinter den Kulissen. Sie ist die erste, die hinaus muss, wenn die Uhr acht schlägt. „Mal sehen, wie das Publikum drauf ist“, murmelt sie, während Ingrid Kleefen eine Kittelschürze überstreift.

Kleefen ist die Hausfrau Karin Dippes, die ihren Karl umsorgt und noch nie in ihrem Leben Englisch gesprochen hat. Dafür kann sie umso besser Hessisch babbeln. Auf ihre „schee Kittelschürz“ lässt sie nichts kommen: „Die hab’ ich uff de Orteberger Markt erstanden“, verkündet sie ihrer Freundin Gisela. Für den „Rendeler Kittelschürz-Contest“ hat sie sogar eine zweite Kittelschürze zur Auswahl. Gisela alias Karin Stelz, das ist

„Haan, Fies und Näschel“

, die mobile Friseurin, modisch immer auf dem neuesten Stand und nie auf den Mund gefallen. „Viel und dumm daher zu schwätze, das ist meine Rolle“, sagt Stelz und lacht.

Etwas nervös ist sie vor Beginn des Stückes und zudem hat sie im Publikum ihre Arbeitskolleginnen erspäht. Die wollen alle ihre Gisela spielen sehen, die im echten Leben ein ganz seriöses Kosmetik-Studio in Klein-Karben führt.

Eng und kuschelig ist es hinter den Kulissen im Gemeindesaal, doch so ist es Familie Dippes gewöhnt. „Wir wollen keinen Theatersaal, wir wollen auch nicht auf einer richtigen Bühne mit Abstand zum Publikum spielen. Das hier ist unser Wohnzimmer und so spielen wir und beziehen die Zuhörer mit ein“, erklärt Braunroth. Er muss sich im Stück als Karl „daheem inne Wohnstubb“ nur wenig in Schale werfen, Schiebermütze, kariertes Holzfällerhemd und die weiten Beinkleider mit Hosenträgern festgeklammert, das reicht.

Mit der Enge hinter den Kulissen müssen alle beim Umziehen zurechtkommen. Butler Albert (Alfred Heil) hat sich seinen Frack, Weste, Schlips, weißes Hemd und weiße Handschuhe zurechtgelegt, damit er Lady Marlbourough standesgemäß den Tee servieren kann. “It is very hot for my snut“, beschwert sich die Lady über den Tee und das Publikum lacht sich schief.

Wenig später rutscht der Gräfin ein „Oh shit“ raus und als ein Schlossbesucher eine Toilette sucht, wird er belehrt: „Don’t kack in the Eck“. Dann ist da noch die kesse Filmproduzentin Cayenne Pfeffer (Pia-Sophie Becks), die im Schloss einen Werbefilm über halterlose Strümpfe drehen will. Sie fegt im kurzen Röckchen wie ein frischer Wind durchs Schloss, tituliert den Butler respektlos als „Pinguin“ und hält Kurbel, den Kameramann (Fred Kleefen), auf Trab.

Monate des Probens, der Suche nach passenden Kostümen und Requisiten haben die Schauspieler hinter sich. „Wir haben bei den Proben viel Spaß und verstehen uns alle prima“, betont Gisela Stelz. Dass dem so ist, merkt man am tiefen Verständnis füreinander und dem Humor, mit dem der eine oder andere Patzer überspielt wird.

Es gibt noch Karten

Vorstellungen der Familie Dippes finden am Freitag und Samstag (27. und 28. April) jeweils um 20 Uhr im Gemeindehaus Rendel statt. Es sind noch Karten für neun Euro an der Abendkasse erhältlich. Mehr Infos auch im Internet unter .

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