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Ruhe vorm Haus

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Von: Stefanie Sperling

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Um endlich mehr Ruhe vor seinem Haus zu haben, greift der Rendeler Juergen Dreschel zu ungewöhnlichen Maßnahmen Er kauft eine Tempo-Anzeigtafel – und greift dafür in die eigene Tasche. Doch auch die Stadt Karben steuert ihren Teil zu der Anzeigetafel bei.

In Klein-Karben ist in diesen Tagen die erste teils privat finanzierte Tempo-Anzeigetafel in Karben installiert worden. Juergen Dreschel, stellvertretender Ortsvorsitzender des Karbener Stadtteils Klein-Karben, hat dafür in die eigene Tasche gegriffen, um den Verkehr vor seiner Haustüre in der Rendeler Straße 52 etwas herunter zu bremsen.

„Jetzt hängt sie endlich da, wo die Tempo-Anzeigetafel auch einen Sinn hat“, sagt Dreschel zufrieden und blickt er an der Fassade seines Hauses im Bereich der Toreinfahrt empor. Ein grünes Radar-Lächeln grüßt ihn zurück. Der Fahrer des Pkw, der soeben in den Bemessungsbereich der 30-er Zone gefahren ist, hat das Tempo-Limit eingehalten. 32 Stundenkilometer zeigt die Tafel in leuchtend roter Schrift. „Wir hatten schon einmal eine Tempo-Anzeigetafel hier in der Ortsdurchfahrt“, berichtet Dreschel. Diese habe jedoch am Ende der 30er-Zone gehangen und dort für das Verständnis des leidenschaftlichen Auto-Mechanikers keine Sinn gemacht.

Pendler rasen viel zu schnell

„Ich hatte schon länger die Stadt und die Stadtpolizei darum gebeten, dass der Verkehr auf der Rendeler Straße besser kontrolliert wird“, betont Dreschel und ist über seine vergeblichen Bemühungen ein wenig verärgert. Bis zu 130 Stundenkilometer haben seine Messungen – ohne Blitzanlage – auf der Durchfahrtstraße Richtung Autobahn ergeben.

„Das war in den frühen Nachtstunden am Wochenende, wenn die Pendler es eilig haben“, vermutet der gelernte Maschinenbauer, der in seiner Freizeit am liebsten Oldtimer wieder auf Vordermann bringt. Seit 1966 wohnt er mit Ehefrau Ulrike bereits in dem Wohnhaus in der Rendeler Straße, welches auch das Geburtshaus seiner Frau ist. Zufrieden ist er, dass seit der Installation der Tempo-Anzeigetafel der Verkehr meistens etwas ruhiger an dem im Jahr 1885 erbauten Haus vorbei rollt. „Die Einrichtung hat schon jetzt einigermaßen Nutzen gezeigt“, sagt der Pensionär froh.

Doch bevor es soweit war, musste Dreschel ganz persönlich 1100 Euro investieren. „In einem sehr konstruktiven Gespräch mit dem Bürgermeister haben wir uns darauf geeinigt“, berichtet Dreschel von der Abmachung. Die anderen 1100 Euro habe die Stadt beigesteuert. Den Anbieter habe er selbst recherchiert. Dieser habe ihm berichtet, dass es bereits viele Bürgerinitiativen gebe, die derartige Installationen zugunsten der Verkehrsberuhigung in ihren Straßen selbst finanzierten. Auch Bürgermeister Guido Rahn (CDU) findet die Idee der Selbsthilfe lobens- und unterstützenwert.

„Wir haben das gerne mitgetragen. Schließlich profitiert die gesamte Streckenführung davon“, ist sich Rahn sicher. Wechselseitig kann die Anlage auch auf der anderen Straßenseite angebracht werden. Die Vorrichtung dafür hat Dreschel eigens entworfen und gebaut. Die Anzeigetafel besteht lediglich aus einer Art Flachbildschirm, der per Radar die Geschwindigkeit misst, in Ziffern anzeigt und wahlweise ein Grinse-Gesicht, ein neutrales oder eines mit herunter gezogenen Mundwinkeln zeigt, wenn die vorgeschrieben 30 Kilometer pro Stunde zu weit überschritten sind.

Ordnungsgemäß installiert

„Die Anzeige wurde ordnungsgemäß von Heiko Lehnkering von der Stadtpolizei Karben installiert“, betont Juergen Dreschel. Dieser werde auch in Zukunft die Tafel betreuen. Die Stromversorgung hat ebenfalls Dreschel übernommen, damit nicht auch noch zusätzliche Kosten für einen Akku anfallen.

„Bisher gibt es nur positive Resonanz und in der Ortsbeirat-Sitzung wurde ich schon gefragt, ob das nicht in anderen Teilen der Stadt auch sinnvoll wäre“, berichtet Dreschel. Er jedenfalls kann die Installation und Investition nur empfehlen. „Das war es mir auf alle Fälle wert“, ist er überzeugt.

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