Bürgermeister lehnt Öffnen des Karbener Wegs für Anwohner ab

Schleichweg bleibt dicht

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Der Karbener Weg soll nicht als Schleichweg genutzt werden. Das macht Bürgermeister Guido Rahn (CDU) klar, nachdem ein Anwohner dies forderte. Derweil versuchen Autofahrer immer dreister, die gesperrte Ortsdurchfahrt Groß-Karben zu umfahren.

Da habe der Kollege seinen Augen nicht getraut, erzählt Karbens Vize-Stadtpolizeichef Jörg Witzenberger. „Auf dem Heimweg durch die Pestalozzistraße ist ihm ein Auto entgegen gekommen.“

Geisterfahrer in der Einbahnstraße mitten in Groß-Karben? Solch irrwitzige Folgen hat die Sperrung der Ortsdurchfahrt. „Die Leute suchen sich alle möglichen Wege“, erklärt Anwohner Marc Hengst. Viele Autofahrer seien auch bald zwei Wochen nach Beginn der drei Jahre dauernden Vollsperrung der Ortsdurchfahrt verunsichert.

Die verwirrende Umleitungsbeschilderung rund um diese Baustelle sowie die nahe Vollsperrung der Kreisstraße Karben–Heldenbergen (FNP von gestern) trage ebenfalls dazu bei, schätzt Hengst. Er hatte in der FNP gefordert, als Umfahrung den Karbener Weg als Schleichweg für die Anwohner offen zu lassen.

Dort war extra eiligst eine neue Schranke installiert worden, damit nur noch Linienbusse durchkommen. Doch Hengsts Vorschlag lehnt der Bürgermeister als unpraktikabel ab: „Wir können ja nicht unterscheiden, wer ein Anwohner ist und wer nicht.“ Als Folge davon würden, öffne die Stadt die Straße, nicht Dutzende oder Hunderte, sondern wohl Tausende jeden Tag durchfahren.

„Das geht aber nicht, denn für Begegnungsverkehr ist die Straße zu schmal“, sagt Rahn. Außerdem widerspricht er Hengsts Argument, dass die Schüler der Kurt-Schumacher- und der Pestalozzischule ausreichend geschützt seien. „Sie nutzen den Karbener Weg als Schulweg“, mahnt der Bürgermeister.

Er gibt zu: Vor einer Bürgerversammlung habe er eingeräumt, dass jeder in Groß-Karben Nachteile wegen der Bauarbeiten vorübergehend auf sich nehmen müsse. „Das gilt aber nicht für die Schüler“, schränkt Guido Rahn ein. Deren Sicherheit dürfe nicht unter der Baustellensituation leiden.

Damit der Verkehr auf der Umleitungsstrecke besser läuft, hat der Bürgermeister bereits angekündigt, dass die Beschilderung verbessert und Grünzeiten an Ampelphasenverlängert werden. Ebenso sollten auf der Umfahrungsroute die Rückstaus in der Brunnenstraße im Stadtzentrum vor der Kreuzung mit der Landesstraße nahe Bahnhof reduziert werden. Dafür erhalten die Linksabbieger demnächst eine eigene Fahrspur markiert.

Für all das sei die Stadt im Gespräch mit der Landesstraßenbehörde „Hessen Mobil“, die die Änderungen umsetzen müsse, erklärt Rahn. Die Geisterfahrer in der Pestalozzistraße – direkt vor dem Hauptportal der Grundschule vorbei – will die Stadtpolizei nun in den Fokus nehmen. „Das ist doch an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten“, sagt Stadtpolizist Witzenberger. In der engen Straße werde es nun verstärkt und zu verschiedenen Zeiten Kontrollen geben.

Derweil scheint auch in die Frage nach einer Öffnung des Karbener Wegs Bewegung zu kommen. Den Vorschlag eines anderen Anwohners, die Verbindung zwischen Groß- und Klein-Karben zumindest temporär zu öffnen, bewertet er als „konstruktiv“. Geöffnet werde könnte zum Beispiel an den Wochenenden, wenn nur wenig Verkehr rolle und keine Schüler in den Schulen seien. „Dann könnten zum Beispiel die Besucher einfacher zum Wochenmarkt gelangen.“

Das nährt die Hoffnungen von Anwohner Marc Hengst aufs Neue. Er hat noch ein Argument, warum der Karbener Weg besser offen bliebe: „Damit auch Rettungsdienst und Feuerwehr durchkommen.“

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