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Uwe Müller zeigt, welche Äste beim Schnitt herausgenommen werden, damit genug Licht ans Obst kommt.

IG Streuobst

Experte rät: Junge Bäume besser pflegen

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Im ausklingenden Winter haben Obstanbauer die Ernte im Blick. Mit geübten Kniffen, werden Äste entfernt, doch welche? Im "Obstbaumschnitt- und Verstehkurs" der Interessengemeinschaft (IG) Streuobst gibt es Antworten. Landschaftsgärtner Uwe Müller aus Wöllstadt erklärt, die Schnitttechniken und gibt Tipps zur Werkzeugpflege. 28 Interessierte lauschen gespannt. Derweil hat die IG Streuobst nachvollziehbare Wünsche.

Karben - Obstbäume werden für die nächste Generation gepflanzt. Deshalb ist es wichtig sie zu pflegen, sie gesund zu erhalten und damit den Ertrag zu sichern. "Ein Apfelbaum kann bis zu 100 Jahre alt werden, ein Birnbaum sogar 150 Jahre", sagt Anke Behrens von der Karbener IG Streuobst. Um einen Obstbaum zu formen sei ein jährlicher Erziehungsschnitt erforderlich. Alle zwei Jahre sei ein Pflegeschnitt nötig.

Weniger wegschneiden

"Lieber weniger, als einmal zu viel wegnehmen. Wenn dem Baum viele Äste weggenommen werden, bilden sich Wasserreißer. Es geht um das Gleichgewicht zwischen Wurzelwerk und Krone", erklärt Eckhard Neitzel, Vize-Vorsitzender der IG.

Ein Grund, warum die Streuobst--Aktivisten alljärlich einen Kurs anbieten, in dem die Schnitttechniken erklärt werden und ausprobiert werden können. Der Lehrgang beziehe sich auf Streuobstwiesen in der freien Landschaft mit Hochstämmen.

"Wir haben stets ein volles Haus", sagte Neitzel. Der IG ist der Erhalt der Streuobstwiesen wichtig. Denn sie seien ein Ort der Artenvielfalt. "Die Streuobstwiese ist Lebensraum von Rehen, Schmetterlingen, Libellen, Bienen, Mäusen und Vögeln, wie dem Steinkauz oder Grünspecht", zählen sie auf.

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Um Bienen genug Nektarquellen anzubieten auch außerhalb der Obstblüte anzubieten, ist vorgesehen auf 500 Quadratmetern eine Blühwiese anzuliegen. Während Behrens und Neitzel über den Verein sprechen, erklärt Müller zunächst in der Theorie den Obstbaumschnitt. Wenig später geht’s raus auf zu den Bäumen auf die Streuobstwiese. Seit 15 Jahren gibt Landschaftsgärtner Uwe Müller sein Wissen rund um den Obstbaumschnitt weiter. Fehler, die beim Schneiden gemacht wurden, erkennt er sofort. "Die falsche Leitastziehung", sei ein häufiger Fehler. "Die Leitäste werden zu flach erzogen, das schädigt den Baum", sagt Müller. Er plädiert zur Ausgewogenheit, "damit überall Licht in den Baum kommt und er gesundes Obst hervorbringt".

Bei seinen Gängen durch die Natur und an Streuobstwiesen vorbei, erkennt er immer wieder, dass junge Bäume für die Zukunft nicht ausreichend gepflegt werden und Altbäume absterben. "In 20 Jahren wird das Probleme machen." Denn viele Bäume seien als Ausgleich für Bauvorhaben gepflanzt worden, würden aber nicht gepflegt.

Fürs Pflegen werben

Da Keltereien auf Kelterobst angewiesen sind, müsse versucht werden, Privatleute für die Pflege zu gewinnen, was jedoch sehr schwierig sei. Mario Müller aus Niddatal kümmert sich um fünf Bäume auf seiner Wiese. "Ich möchte wissen, wie man sie schneidet", sagte er. Marco Erlenbeck aus Bad Vilbel hat sich im Internet Videos über den Obstbaumschnitt angesehen. "Ich möchte mein erworbenes Wissen ergänzen. Der Referent erklärt das sehr gut", lobt er. Edelgard Schröder aus Okarben ist um ihren Pflaumenbaum besorgt, dessen Äste im vergangenen Sommer bei anhaltender Trockenheit abgebrochen sind. Barbara Kesselring aus Okarben hat ein anderes Problem: "Mein Apfelbaum wurde jahrelang nicht geschnitten. Er ist sehr hoch gewachsen und benötigt nun einen Grundschnitt", sagte sie.

Über die biologische Vielfalt auf den Streuobstwiesen bietet die IG am Dienstag, 7. Mai, 19 Uhr, einen Vortrag in Rapp’s Juice Factory, Brunnenstraße 1, Karben an.

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