Unterstützung für Kinder und Lehrer

Schulsozialarbeit nun an allen Grundschulen – Streitschlichter in Pausen und Sprechstunden für Schüler

In den Schulen scheint es immer mehr auffällige Schüler zu geben. Gab es verhaltensauffällige Schüler früher nur in weiterführenden Schulen, sind sie jetzt schon in den Grundschulen anzutreffen. Deshalb haben sich Stadt und Kreis entschlossen, Schulsozialarbeiter für die Grundschulen einzustellen.

Schulsozialarbeit an der Grundschule ist in Karben kein ganz neues Projekt. An der Pestalozzischule in Groß-Karben nämlich hat sie im Februar 2017 bereits begonnen. Dafür war Patrizio Sattar zu Anette Kehrbaum und Bettina Kreutz gestoßen. Die beiden langjährigen Schulsozialarbeiterinnen sind bereits seit den Neunziger Jahren an der Gesamtschule aktiv.

Die Stadt hat aber darauf gedrängt, dass diese auch auf die Grundschulen ausgeweitet wird. Der Wetteraukreis zeigte sich gleichfalls vom Sinn einer solchen Arbeit überzeugt. Als Satta die Stadt Karben Ende des vergangenen Jahres verließ, hatte er schon seit Oktober seine Nachfolgerin Julia-Charlott Jackel eingearbeitet. Deshalb ist die Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin in einige Projekte an der Groß-Karbener Schule eingestiegen. Sie betreut allerdings nicht nur die Pestalozzischule, sondern auch die Selzerbachschule in Klein-Karben. Mit 210 bzw. 235 Schülern sind das die beiden größten Grundschulen in der Stadt. Pro Woche ist Jackel jeweils 15 Stunden an einer der Schulen. Dort gibt es Angebote wie etwa die Arbeitsgemeinschaft Pausenhelfer und Streitschlichter. Sie macht auch Sozialtrainings mit Schülern der zweite Klasse. Seit Februar versucht sie, Methoden zur Stärkung des Selbstbewusstseins einzuüben. Aber es gehe auch darum, gemeinsam zu lernen und einander zuzuhören sowie darum, Probleme gemeinsam zu lösen. "Kürzlich haben wir ein schönes Projekt gehabt: Eine Projektwoche Schülerzeitung. Da sind wir auch ins Jukuz gewandert. Alle waren begeistert."

Demokratie vermitteln

Auch an der Selzerbachschule hat Julia-Charlott Jackel schon einiges bewegen können, wie sie sagt. So gebe es in zwei Klassen einen Klassenrat, um demokratische Methoden zur Regelung von Kommunikation einzuführen. Außerdem würden Themen besprochen, die die Kinder beschäftigen, wie etwa Beleidigungen untereinander. Auch in Klein-Karben gebe es eine AG Pausenhelfer und Streitschlichter, zusammen mit einer sogenannten UBUS-Kraft, das ist abgekürzt für Unterrichtsbegleitende Unterstützung durch sozialpädagogische Fachkräfte. An der Selzerbachschule hat die Schulsozialarbeiterin zudem Sprechstunden für Schüler in den Pausen eingeführt.

Schulleiterin Petra Mattes-Ahäuser betont, man habe schon sehr lange für die Sozialarbeit an ihrer Schule gekämpft. "Das Kollegium ist froh, dass sie jemand unterstützt." Deshalb hat die Schulleiterin auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit die beiden in der Klein-Karbener Grundschule ein eigenes Büro haben. "Das ist auch für uns Treffpunkt und Ort, an dem wir uns austauschen können", betont Claudia Rolle. Sie kümmert sich um die insgesamt rund 340 Kinder an den drei Grundschulen in Kloppenheim, Okarben und Petterweil.

Diverse Projekte geplant

Die Bad Vilbelerin hat ihre Tätigkeit aber erst am 1. Februar aufgenommen. Zurzeit ist die Diplom-Sozialarbeiterin noch dabei, den Bedarf an den Schulen zu ermitteln. Aber auch dort will sie Streitschlichter und eine Pausenhelfer AG einführen und soziales Lernen als Projekt für verschiedene Klassen einführen. "Ich bin auch noch dabei, Schüler, Lehrer und Eltern kennenzulernen sowie die Zusammenarbeit mit den Elternbeiräten vorzubereiten. Sie will in den drei Stadtteilen auch eine Kooperation mit der Nachmittagsbetreuung anleiern, aber auch mit Vereinen und Behörden, und sie plant zudem klassen- oder schulübergreifende Projekte wie Theater- oder Musikprojekte. "Ich möchte vor allem auch Achtung, Respekt und entsprechende Umgangsformen in allen Klassen vermitteln."

Mit Blick darauf, dass die Kinder fast den ganzen Tag an der Schule sind, sagt Schulleiterin Mattes-Ahäuser: "Die Kinder sollen in der Schule auch eine Art Zuhause finden."

von Holger Pegelow

INFO:

Karben war kreisweit die erste Kommune, die im Jahr 1993 ein Angebot von Schulsozialarbeit an der Kurt-Schumacher-Schule gemacht hat. Zunächst fand diese Arbeit unter der Trägerschaft des Deutsch-Ausländischen Freundschaftskreises statt, seit September 2015 erfolgte eine Drittelfinanzierung durch Kreis, Stadt und Förderverein, wobei die Stadt auch den Anteil des Fördervereins getragen hat. Längst ist die Schulsozialarbeit an der KSS etabliert und anerkannt. Das Modell hat weit über die Grenzen Karbens hinaus Schule gemacht. Der Wetteraukreis ermöglicht auch in anderen Kommunen diese Art der Arbeit mit den Schülern unter Einbeziehung der Lehrer. Seit Februar 2017 ist diese Arbeit auf die benachbarte Pestalozzischule ausgeweitet worden. Nun ist die Schulsozialarbeit auf alle Karbener Grundschulen ausgeweitet worden. Der Wetteraukreis finanziert mit rund 170 000 Euro genau 2,41 Vollzeitstellen. Eine halbe Stelle finanziert die Stadt dazu, damit es insgesamt drei Vollzeitstellen sind, die die nun insgesamt vier Sozialarbeiter unter sich aufteilen. Die Finanzierung durch den Kreis sei auf drei Jahre begrenzt, informiert die zuständige Stadträtin Heike Liebel. Die Schulsozialarbeit müsse monatliche Berichte an den Kreis geben. "Wir wollen die Notwendigkeit der Schulsozialarbeit auch über die drei Jahre hinaus deutlich machen." pe

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