In die Ramonville-Straße

Sozialverbände und Stadt lagern Büros aus: Alle Beratungen unter einem Dach

Ein neues Beratungszentrum entsteht in der Stadt: Weil im Rathaus zu wenig Platz ist, ziehen etliche Sozialverbände in die Ramonville-Straße.

Es ist paradox: Die Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bad Vilbel hält ihre Sprechstunden künftig in direkter Nachbarschaft zu einem Wettbüro ab. Wie gut, dass von außen nicht zu sehen ist, wer die Awo aufsucht, denn die Scheiben der neuen städtischen Beratungsstelle sind aus Milchglas. Alles andere ist jedoch so geblieben wie im Raum 3 des Rathauses. Dort bieten seit sechs Jahren diverse Organisationen Beratungen an.

Da das Rathaus laut Bürgermeister Guido Rahn (CDU) aber schier aus den Nähten platzt und die Stadt aufgrund wachsender Aufgaben weitere Mitarbeiter einstellen wird, hat sie direkt gegenüber einige Räume angemietet. Kommende Woche beginnen dort Beratungen.

Neben dem Suchtberater nutzen das neue Domizil auch das Ortsgericht der Stadt, das Schiedsamt, der Ausländerbeirat, die Bürgerstiftung, die Suchthilfe und Suchtprävention für Karben, die Nachbarschaftshilfe „Herz & Hand“, der Sozialverband VdK, der Arbeitskreis Altenhilfe und der Gerichtsvollzieher. Die Idee zur gemeinsamen Nutzung eines Raumes stammt aus dem Jahr 2011 und ist ab Januar 2012 realisiert worden.

Davor fanden die Beratungen in verschiedenen Räumen und an verschiedenen Orten statt. Wer etwa mit dem Ortsgericht zu tun hatte oder den Schiedsmann sprechen wollte, musste in den zweiten Stock des Bürgerzentrums, wer zum Offenen Treff „Blickpunkt“ wollte, musste in den Keller des Bürgerzentrums, und wer mit einem Ehrenamtlichen der Nachbarschaftshilfe reden wollte, musste bis nach Rendel. Wegen der Neustrukturierung der Verwaltung kam damals die Idee auf, den verschiedenen Organisationen und Stellen, die Rat und Hilfe anbieten, ein eigenes, zentral gelegenes Domizil anzubieten. Das war der Raum 3 im Bürgerzentrum.

Da das Rathaus aber mittlerweile zu klein geworden ist, habe man die Räume gleich gegenüber angemietet und entsprechend hergerichtet. Ein Raum dient als Büro, im anderen finden die Beratungen statt. Auch gibt es einen Wartebereich.

„Die Räume sind besser als die bisherigen“, sind sich der Bürgermeister und der Leiter der Hauptverwaltung, Manuel Pena-Bermudez, einig. „Denn von außen hat niemand Einblick, wer sich beraten lässt.“

Das sei für die Privatsphäre der Klienten wichtig, sagt auch Ursula Bergmann von der Vilbeler Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die in Karben regelmäßige Beratungsstunden anbietet. Auch der Suchtberater Lutz Illhardt lobt diesen Umstand.

Bei der Besichtigung der neuen Räume sind sich alle einig, dass die Stadt eine gute Lösung gefunden hat. Für die Sprechzeiten gibt es einen festen Plan. Die Unterlagen liegen in abschließbaren Schränken. „Der Raum wird mehrfach genutzt und es entstehen neue Netzwerke“, freuen sich Rahn und Pena. So sehen das auch die Ehrenamtlichen, die zum offiziellen Vorstellungstermin in die Ramonville-Straße gekommen sind.

Die Stadt weiß, dass die direkte Nachbarschaft zu einem Wettbüro „nicht ideal“ ist. Man sei in Kontakt mit der Vermietergesellschaft und daran interessiert, „dass das Wettbüro dort rausgeht“. Frei werdende Räume würde die Stadt gerne mieten, etwa für den Fachbereich Soziales. Da das Wäschegeschäft aus der Ladenzeile im nächsten Jahr auf das Gelände des Dreiecksgrundstücks umziehe, könnte die Stadt auch diese Räume anmieten. Auf diese Weise würde direkt neben dem Rathaus ein großes Beratungszentrum entstehen.

Ab nächster Woche dürfte es ein Stühlerücken im Rathaus geben. Das Kommunale Immobilien-Management, das einst im Raum drei des Rathauses residierte, kehrt laut Rahn zurück. In die frei werdenden Räume im Erdgeschoss ziehe das Personalbüro: „Die Mitarbeiter sitzen zu dritt in einem Zimmer. Da ist gar kein Personalgespräch mehr möglich, geschweige denn, dass der Datenschutz gewährleistet ist.“

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